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CHRISTUS VOR PILATUS
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Nach
dem Verrat durch Judas und der Gefangennahme Jesu wird
Jesus dem römischen Statthalter Pilatus vorgeführt. Dieser verhört
Jesus, kann jedoch keine Schuld finden.
Pilatus stellt den geschundenen und gegeißelten Jesus dem jüdischen Volk
vor mit den Worten "Ecce homo!" (Seht, welch ein Mensch!). Auf
die Frage, was er mit Jesus tun solle, antwortet das Volk: "Kreuzige
ihn!".
Die Kreuzigung galt bei den Römern als die unehrenhafteste aller Strafen
und wurde nur für
Schwerverbrecher
verwendet. Das Volk hatte entschieden, Pilatus wusch seine Hände in
Unschuld. Auf Verlangen der Juden gibt Pilatus den Verbrecher Barabbas
frei und lässt Jesus zur Kreuzigung abführen.
Gezeigt wird der gefesselte Jesus vor Pilatus, der meist sitzt. Jesus
ist von Soldaten umgeben. Auch die Szene mit der Handwaschung des
Pilatus ist häufig zu finden.
Das Brechen eines Stabes, wie es bei einem der Bilder zu sehen ist,
bedeutet das Todesurteil. Wenn über jemanden der Stab gebrochen wird,
wird er verurteilt.
Die
ganze Passionsgeschichte - frei nach dem
Evangelisten Lukas erzählt, kannst du
hier
nachlesen!
Überblick
(mit der Zurück-Taste immer
wieder hier zu dieser Übersicht!)
Begriffsklärungen:
Palmsonntag - Karwoche
- Gründonnerstag -
Karfreitag - Karsamstag -
Ostern
Ostersymbole
Einzug Christi in Jerusalem
Das letzte Abendmahl
Fußwaschung
Christus am Ölberg
Verrat durch Judas
Christus vor Pilatus
Verleugnung durch Petrus
Geißelung
Dornenkrönung und Verspottung
Kreuzigung
Grablegung
Auferstehung
| Der
Osterfestkreis beginnt mit dem Aschermittwoch und erreicht
seinen Höhepunkt in der Osternacht mit der Auferstehung
Christi. Von der Osternacht bis zum Pfingstsonntag (Ausgießung des
Heiligen Geistes) sind es 50 Tage.
Palmsonntag
Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. An diesem
Tag wird der Einzug Christi in Jerusalem gefeiert, wobei die Juden
Christus mit Palmen zujubelten. Daher kommt die Bezeichnung
Palmsonntag. Bei uns gibt es keine Palmen, weshalb meist Buchsbaum
verwendet wird. Früher war der Buchsbaum in unseren Gärten überall
heimisch. Die geweihten Palmzweige werden nach dem Gottesdienst
daheim hinter das Kreuz, auf die Felder und in den Stall gesteckt,
um so den Segen des Leidens Christi zu erbeten. Manchmal wird bei
Palmprozessionen auch ein Palmesel mitgeführt, der aus Holz
geschnitzt, innen hohl und auf ein Gestell mit Rädern montiert ist.
Aus dem Hohlraum fielen früher Süßigkeiten oder Brote für die
Bevölkerung.
Karwoche
Diese Bezeichnung kommt vom mittelhochdeutschen Wort kar
(Wehklage, Trauer), verwandt mit dem englischen Wort care. Es
geht dabei um die Bezeichnung der Leidenswoche Christi zwischen dem
Palmsonntag und dem Ostersonntag.
Gründonnerstag
Die Bezeichnung kommt von greinen - weinen, trauern. An
diesem Tag läuten zum letzten Mal die Kirchenglocken, die dann bis
in die Osternnacht verstummen. Der Volksmund sagt, die Glocken seien
nach Rom geflogen. Vor allem junge Leute und Messdiener ziehen mit
Ratschen durch das Land und machen Lärm mit hölzernen
Klappergeräten. Zum Gründonnerstagsgeschehen gehört die Fußwaschung
(s. dort) dazu.
Karfreitag
Dies ist der Tag des Todes Christi. Er starb der Tradition nach um
drei Uhr am Nachmittag. An diesem Tag begaben sich die Pilger im
Heiligen Land auf den Leidensweg Christi zum Berg Golgota. Bei uns
wurde der Leidensweg in Form von 14 Kreuzwegstationen nachempfunden
(s. dort). Diese Kreuzwegstationen enden auf dem "Berg Golgota", wo
sich meist eine kleine Kapelle und eine Kreuzigungsszene befindet.
Karsamstag
Der Karsamstag ist ein stiller Tag und gilt als Gedächtnistag der
Grabesruhe Christi. Zwischen der Feier des Todes Jesu am Karfreitag
und der Feier der Auferstehung in der Osternacht steht der
Karsamstag für die "Höllenfahrt Christi", in der Jesus in das Reich
des Todes hinabsteigt.
Ostern - Ostersonntag
Dabei geht es um die Auferstehung Christi, um das erste und
ursprüngliche Fest der Christen. Vorbild dazu war das jüdische
Passahfest, an dem der Auszug des Volkes Israel aus der ägyptischen
Gefangenschaft gefeiert wird. An diesem Tag wurde von jeder Familie
ein Lamm geschlachtet, gebraten und gegessen. In dieser Tradition
lebte auch Jesus, der beim Letzten Abendmahl vor seinem Tod sein
Fleisch und sein Blut als Opfer für die christliche Gedächtnisfeier
einsetzte.
Ostersymbole
Lamm:
Das Lamm ist ein altes Bild für Christus, der als das Opferlamm
gilt. Der auferstandene Christus trägt meist die Osterfahne
(weiße Fahne mit rotem Kreuz).
Osterei:
Vor Ostern ist die Fastenzeit (ab dem Aschermittwoch). Über
Jahrhunderte war es verboten, in dieser Fastenzeit Eier zu
essen, da Eier unter die Fleischspeisen gerechnet wurden. So
sammelten sich in den Wochen vor Ostern eine Menge Eier an. Diese
Eier dienten als Begleichung für Pachtgeld und Zinsen. Für die
Christen wurde das Ei auch zum Symbol der Auferstehung Christi. Die
Schale bedeutet das Grab, aus ihr geht ein lebendiges Wesen hervor.
Das Ei ist auch Symbol der Fruchtbarkeit, aber auch Symbol des
Frühlingsanfangs. Die Freude über die Auferstehung Christi und den
Frühlingsbeginn soll in bunt gefärbten Ostereiern ihren Ausdruck
finden. Ursprünglich waren die Ostereier rot gefärbt, Abbild jenes
Purpurmantels, mit dem Christus verspottet wurde.
Osterhase:
Die Herkunft des Osterhasen ist nicht klar. Eine Theorie besagt,
dass ein als Brot gebackenes Osterlamm als Osterhase missgedeutet
wurde. Die zweite Theorie, die viel wahrscheinlicher ist, sieht den
Osterhasen als eine evangelische Erfindung. Hasen waren bei
verschiedenen Völkern Symbole für den Frühlingsanfang und der
Fruchtbarkeit. Irgendwann entstand das Märchen, dass der Hase die
Ostereier legt.
Osterkerze:
Die Osterkerze weist auf Christus hin, der glorreich auferstanden
ist vom Tod und dessen Licht das Dunkel der Herzen vertreibt. Sie
ist groß und steht vorne im Altarraum. Auf ihrer Vorderseite ist mit
rotem Wachs ein Kreuz aufgetragen, über dem oben der erste Buchstabe
A (Alpha) und unten der letzte Buchstabe Omega des griechischen
Alphabets aufgetragen ist. In die vier Felder, die durch die beiden
Kreuzbalken entstehen, ist die Jahreszahl des jeweiligen Osterfestes
wiederum mit rotem Wachs aufgesetzt.
Grundlage für die
folgende Darstellung ist in erster Linie das Matthäus-Evangelium
Einzug Christi in
Jerusalem
Dieses Fest des Einzugs
Christi in Jerusalem wird am Palmsonntag, dem Sonntag vor
Ostern, gefeiert. Christus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein.
Zahlreiche Pilger und die Jünger bereiten ihm einen triumphalen
Empfang, breiten ihre Mäntel aus oder streuen Palmzweige auf den
Weg. Palmzweige sind ein Zeichen der Huldigung (Verehrung).
Das letzte Abendmahl
Beim Letzten Abendmahl
handelt es sich um die letzte Zusammenkunft von Jesus mit seinen
zwölf Jüngern vor seiner Gefangennahme. Als Vorbild diente das
jüdische Passahmahl, das an die Befreiung des jüdischen Volkes aus
der ägyptischen Gefangenschaft erinnert.
Jesus deutet dabei
seinen bevorstehenden Tod an und fordert die Jünger auf, künftig das
gemeinsame Mahl zu seinem Gedächtnis zu halten. Er bezeichnet das
Brot als seinen Leib, den er für die Menschheit gegeben, und den
Wein als sein Blut, das er für die Menschheit vergossen habe. Im
christlichen Gottesdienst ist die Darbringung von Brot (Leib Jesu)
und Wein (Blut Jesu) das zentrale Element. Es geht hier um das Leben
nach dem Tod.
Jesus kündigt auch
seinen Verrat durch Judas an. Direkt neben Jesus befindet sich oft
Johannes der Evangelist als Lieblingsjünger Jesu. Johannes kann aber
auch an der Brust Jesu liegen, was sich aus der antiken Sitte
erklärt, beim Mahl zu liegen.
Judas wird als Verräter
gerne in gelber Kleidung dargestellt. Gelb ist die Farbe des Hasses
und des Verrats.
Fußwaschung
Die Fußwaschung gehört
zum Abendmahl. Noch während des Mahls wäscht Jesus seinen Jüngern
die Füße. Dieser Brauch entspricht einem alten orientalischen
Höflichkeitserweis, der meist von Sklaven verrichtet wurde. Nur ganz
besonderen Gästen wusch der Hausherr selbst die Füße. Die
Fußwaschung durch Jesus ist einerseits als ein Akt der Demut
gegenüber seinen Jüngern zu sehen, anderseits als Zeichen der
Sündenvergebung - er wäscht sie rein von ihren Sünden. Im Laufe des
Mittelalters wird die Fußwaschung immer mehr ein Zeichen der
Sündenvergebung.
Christus am Ölberg
Nach
dem Letzten Abendmahl will Jesus alleine sein und sich auf sein
Leiden vorbereiten. Er geht zum Garten Getsemane am Ölberg, um zu
beten. Begleitet wird er nur von Petrus, Johannes und Jakobus dem
Älteren. Die anderen Jünger bleiben am Eingang des Gartens zurück.
Während Christus im Gebet an seinen nahen Tod denkt, schlafen die
drei Jünger immer wieder ein. Jesus betet zu seinem Vater, dass der
"Kelch" (des Leidens ) an ihm vorübergehen möge. Kelch oder Becher
wird wie im Alten Testament als Sinnbild für den Zorn oder das
Gericht Gottes verstanden, im Neuen Testament zum Symbol der
göttlichen Gnade.
Oft findet sich ein
Engel, der den Kelch zu Jesus bringt. Jesus rinnt in seiner
Todesangst der Schweiß wie Blutstropfen von der Stirn. Die Hand
Gottes, die aus den Wolken hervorkommt, bedeutet die Annahme des
Opfers.
Jesus wird grundsätzlich
kniend, mit aufgerichtetem Oberkörper dargestellt, Gesicht und
Gewand mit Blutstropfen bedeckt.
Verrat
durch Judas
Nach dem Gebet am Ölberg
in der Nacht wird Jesus im Kreis seiner Jünger verraten und gefangen
genommen. Judas, einer der Begleiter Jesu, verrät ihn durch einen
Kuss auf die Wange (Judaskuss = Verräterkuss) an die Tempelwache.
Petrus zieht dabei sein Schwert und schlägt dem Knecht Malchus ein
Ohr ab. Jesus lässt Petrus das Schwert wegstecken und fügt Malchus
das Ohr wieder an. Alle Jünger fliehen und verlassen Jesus.
Christus vor Pilatus
Nach dem Verrat durch Judas und der Gefangennahme Jesu wird Jesus
dem römischen Statthalter Pilatus vorgeführt. Dieser verhört Jesus,
kann jedoch keine Schuld finden.
Pilatus stellt den geschundenen und gegeißelten Jesus dem jüdischen
Volk vor mit den Worten "Ecce homo!" (Seht, welch ein
Mensch!). Auf die Frage, was er mit Jesus tun solle, antwortet das
Volk: "Kreuzige ihn!".
Die Kreuzigung galt bei den Römern als die unehrenhafteste aller
Strafen und wurde nur für Schwerverbrecher verwendet. Das Volk hatte
entschieden, Pilatus wusch seine Hände in Unschuld. Auf Verlangen
der Juden gibt Pilatus den Verbrecher Barrabas frei und lässt Jesus
zur Kreuzigung abführen.
Verleugnung durch Petrus
Vor seiner Gefangennahme sagt Jesus zu seinen Jüngern, dass alle ihn
im Stich lassen werden. Zu Petrus sagt er: "Ehe der Hahn kräht,
wirst du mich dreimal verleugnet haben." Während des Verhörs
Jesu im Hause des Hohenpriesters Kaiphas wartet Petrus im Hof. Als
Mägde und Knechte ihn als Anhänger Jesu bezeichnen, verleugnet er
dreimal. Als danach der Hahn kräht, weint Petrus vor Reue.
Die Geißelung
Die Geißelung ist eine
Folterung, die nach römischen Recht als Einleitung der Kreuzigung
galt. Sie kann vor oder während des Verhörs von Pilatus durchgeführt
worden sein.
Christus ist fast nackt
an eine Säule gebunden, zwei oder mehrere Knechte schlagen mit
Geißeln auf seinen blutüberströmten Körper ein. Vor allem die
Geißelknechte sind brutal dargestellt. Es geht dabei um den wilden
Gesichtsausdruck und um die Aktion des Schlagens. So wurde es auf
einem alten Gemälde dargestellt.
Verwandt mit diesem
Thema ist die Darstellung von "Jesus an der Geißelsäule", die
sich in vielen Kirchen befindet.
Dornenkrönung und
Verspottung
Es geht dabei um die
Krönung Jesu als "König der Juden" vor der Kreuzigung. Der römische
Statthalter Pilatus fragt die Juden wiederholt, ob sie ihren König,
wie Jesus bezeichnet wird, kreuzigen lassen wollen. Nach der Verurteilung zum Kreuzestod
und der von Pilatus befohlenen Geißelung verhöhnen und verspotten
die römischen Soldaten Jesus, legen ihm als Zeichen des Königs einen
Purpurmantel um, setzen ihm eine Dornenkrone auf das Haupt und geben
ihm statt eines Zepters ein Rohr in die Hand.
Kreuzigung
Nach der Kreuzannagelung
erfolgt die Kreuzaufrichtung. Jesus wird zugleich mit zwei Räubern
auf dem Hügel Golgatha (Schädelhöhe) gekreuzigt. Diese beiden
Schächer sind im Unterschied zu Jesus meist an zwei T-förmige Kreuze
gefesselt. Beim Kreuz stehen die Mutter Maria, drei weitere Frauen
mit dem Namen Maria und Johannes der Evangelist. Als
Lieblingsjünger von Jesus erhielt er von ihm den Auftrag, sich um
Maria zu kümmern, weshalb er bei der Kreuzigung und beim Marientod
zu finden ist. Es könnten auch eine Menge Zuschauer zugegen gewesen sein.
Mittags verdüstert eine
Sonnenfinsternis für drei Stunden das Land. Jemand gibt Jesus mit
einem mit Essig getränkten, auf ein Schilfrohr gesteckten Schwamm zu
trinken.
Um drei Uhr nachmittags
stirbt Jesus. Genau in diesem Moment reißt der Vorhang im Tempel zu
Jerusalem entzwei und die Erde bebt. Als Erinnerung daran läuten bei
uns an jedem Freitag um 15.00 Uhr die Glocken.
Der Legende nach stößt
der römische Soldat Longinus seine Lanze in die Seite, und das
herabtropfende Blut heilt angeblich seine kranken Augen. Aus der
Seitenwunde Jesu fließt Blut und Wasser.
Am oberen Ende des
Kreuzes befindet sich eine kleine Tafel mit den Buchstaben INRI
(lat. Jesus Nazarenus Rex Judaeorum - Jesus von Nazareth, König der
Juden).
Grablegung
Josef von Arimathäa und
Nikodemus, zwei angesehene Bürger, die Jesus nahe standen, hüllen den
Leichnam in ein Leinentuch, dann legen sie ihn in ein Felsengrab
oder in ein Steingrab in einem Garten in der Nähe von Golgatha. Diese
Graböffnung verschließen sie mit einem großen Stein.
Bei dieser Szene sind
meist auch Maria Magdalena, Johannes der Evangelist, die Mutter
Maria und eine andere Maria dabei, oft auch noch weitere trauernde
Frauen.
Auferstehung
Am dritten Tage stand
Jesus von den Toten auf. Diese Szene gilt als Kernstück des
christlichen Glaubens - beim Fest der Auferstehung handelt es sich
um das Osterfest. Die Evangelien berichten nur von einem oder zwei
Engeln am leeren Grab und von den Erscheinungen des auferstandenen
Christus, sie sagen aber nichts über die Auferstehung selbst. Am
Ostersonntag kommen jedoch Frauen zum Grab und finden es leer. Je
nach Evangelium werden verschiedene Frauen genannt.
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Dies ist die
Leidensgeschichte Jesu, frei nacherzählt
nach dem Text des Evangelisten Lukas (Lukas 19 – 24)
Jesus
zieht in Jerusalem ein
Jesus
zog weiter und ging nach Jerusalem hinauf. Als er in die Nähe von Betfage
und Betanien am Ölberg ankam, schickte er zwei Jünger voraus mit dem
Auftrag: „Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet
ihr ein Eselsfohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen
hat. Bindet es los und bringt es her! Wenn jemand euch fragt: Warum bindet
ihr es los? , dann antwortet: Der Herr braucht es.“ Die beiden Jünger
machten sich auf und fanden es so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das
Fohlen losbanden, sagten die Leute, denen es gehörte: „Warum bindet ihr das
Fohlen los?“ Sie antworteten: „Der Herr braucht es.“ Dann führten sie es zu
Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf.
Während
er dahin ritt, breiteten die Menschen ihre Kleider auf dem Weg aus. Als er
an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger
freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die
sie gesehen hatten:
„Gepriesen sei der König, er kommt im Namen des Herrn!
Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“
Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: „Meister, bring deine
Jünger zum Schweigen!“ Er erwiderte: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen,
werden die Steine schreien.“
Eine
alte Witwe opfert
Als er
eines Tages im Tempel das Volk lehrte, blickte er auf und sah, wie die
Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme
Witwe, die zwei Kupfermützen hineinwarf. Da sagte er: „Wahrhaftig, ich sage
euch: Diese arme Witwe hat mehr als alle anderen hineingeworfen. Denn sie
alle haben nur etwas von ihrem Reichtum in den Opferkasten gelegt. Die Frau
aber, die nur das Nötigste zum Leben hat, ihre ganze Habe gegeben, alles,
was sie besaß.“
Schreiber: Patrick Schmidt
Judas
verrät Jesus
Das
Fest der Ungesäuerten Brote, das Pascha genannt wird, war nahe. Und die
Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus
unauffällig zu beseitigen; sie fürchteten nämlich das Volk. Der Satan aber
ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte. Judas
ging zu den Hohenpriestern und Hauptleuten und beriet mit ihnen, wie er
Jesus an sie ausliefern könnte. Da freuten sie sich und kamen mit ihm
überein, ihm Geld dafür zu geben. Er sagte zu und suchte von da an nach
einer günstigen Gelegenheit, um ihn an sie auszuliefern, ohne dass das Volk
es merkte.
Schreiberin: Dominique
Jesus feiert das Paschamahl
Dann kam
der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem das Paschalamm geschlachtet werden
musste. Jesus schickte Petrus und Johannes in die Stadt und sagte: „Geht und
bereitet für uns das Paschamahl vor. Sie fragten ihn: „Wo sollen wir es
vorbereiten?“ Er antwortete ihnen: „Wenn ihr in die Stadt kommt, wird euch
ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm in das Haus, in das
er hineingeht, und sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich
fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschamahl essen
kann? Und der Hausherr wird euch ein großes Obergemach zeigen, das mit
Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles vor!“ Sie gingen und fanden
es so, wie er ihnen gesagt hatte, und bereitet das Paschamahl vor.
Schreiberin: Annika Gleim
Als die
Stunde gekommen war, setzte er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte
zu ihnen: „Wie sehr habe ich mir gewünscht, vor meinem Leiden dieses
Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr
feiern, bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes.“ Dann nahm er einen
Becher, sprach das Dankgebet, und sagte: „Nehmt ihn und reicht ihn unter
euch weiter! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der
Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.“ Dann nahm er
Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den
Worten: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem
Gedächtnis!“ Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: „Dieser Kelch
ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. – Doch sehr,
der Mann, der mich verrät, sitzt mit mir am Tisch. Der Menschensohn muss
zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist; aber wehe dem Menschen, durch den
er verraten wird.“ Da fragte einer den anderen, wer von ihnen das wohl tun
werde. Petrus beteuerte: „Herr, ich bin bereit, dir auch ins Gefängnis und
in den Tod zu folgen.“ Jesus antwortete: „Ich sage dir, Petrus, ehe heute
der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.“
Jesus
betet im Garten Getsemani
Dann
verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine
Jünger folgten ihm. Als er dort war, sagte er zu ihnen: „Betet darum, dass
ihr nicht in Versuchung geratet!“ Dann entfernte er sich ungefähr einen
Steinwurf weit, kniete nieder und betete:“ Vater, wenn du es willst, nimm
diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Da
erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm die Kraft. In seiner Angst
betete er noch inständiger, und sein Schweiß tropfte wie Blut zur Erde. Nach
dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern und fand sie schlafend; denn sie
waren vor Kummer erschöpft. Er sagte zu ihnen: „Wie könnt ihr schlafen?
Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“
Jesus
wird gefangen genommen
Noch
während er redete, kam eine Schar Männer, und einer der Zwölf, nämlich
Judas, ging ihnen voran. Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber
sagte zu ihm: „Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?“ Als
seine Begleiter merkten, was vorging, fragten sie: „Herr, sollen wir mit dem
Schwert dreinschlagen?“ Und einer von ihnen schlug auf den Sklaven des
Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber rief: „Lasst
das! Hört auf!“ Und er berührte das Ohr und heilte den Mann. Zu den
Hohenpriestern, den Hauptleuten der Tempelwachen und zu den Ältesten, die
auf ihn zukamen, sagte Jesus: „Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr
ausgezogen wie gegen einen Räuber. Als ich Tag für Tag bei euch im Tempel
war, habt ihr nicht gewagt, mir etwas anzutun. Aber das ist eure Stunde,
jetzt hat die Finsternis die Macht.“
Schreiberin: Sophia
Unterstein
Sie
nahmen ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des
Hohenpriesters; Petrus folgte von weitem. Mitten im Hof zündeten sie ein
Feuer an und setzten sich ringsum; Petrus setzte sich zu ihnen. Eine Magd
sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte „Der war auch mit
zusammen“ Petrus aber leugnete: „Frau, ich kenne ihn nicht.“ Kurz danach
bemerkte ihn ein anderer und sagte: „Du gehörst auch zu ihnen.“ Petrus aber
sagte: „ Mensch, nein!“ Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer:
„Ganz sicher, der war auch mit ihnen zusammen Außerdem ist er ein Galiläer.“
Petrus aber erwiderte: „Mensch ich weiß nicht, wovon du redest!“ In diesem
Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr
um und blickte Petrus an. Jetzt erinnerte sich Petrus an das, was der Herr
zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal
verleugnen. Und er ging hinaus und begann bitter zu weinen.
Schreiber: Konrad Braach
Der
Hohe Rat verhörte Jesus
Die
Wächter trieben ihren Spott mit Jesus. Sie schlugen ihn, verdeckten ihm das
Gesicht und fragten: „Sag uns, Prophet, wer hat dich geschlagen?“ Und noch
viele andere Lästerungen musste er über sich ergehen lassen .Als es Tag
wurde, versammelte sich der Ältestenrat des Volkes, die Hohenpriester und
Schriftgelehrten, und man führte ihn vors Gericht. Sie sagten: „Wenn du der
Messias bist, dann sag es uns!“ Er antwortete ihnen: „Wenn ich es euch sage,
werdet ihr mir nicht glauben; von nun an wird der Menschensohn zur Rechten
des allmächtigen Gottes sitzen. Da fragten alle: „Du bist also der Sohn
Gottes?“ Er antwortete ihnen: „Ihr sagt es, ich bin es.“ Da riefen sie: „Was
brauchen wir jetzt noch Zeugenaussagen? Wir haben es selbst aus seinem Mund
gehört.“
Schreiberin: Charlotte Götting
Jesus
steht vor Pilatus
Daraufhin erhob sich die ganze Versammlung, und man führte Jesus zu Pilatus.
Dort erhoben sie Anklage gegen ihn und sagten: „Wir haben festgestellt, dass
dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuern zu
zahlen, und sich als Messias und König ausgibt.“ Pilatus fragte ihn: „Bist
du der König der Juden?“ Er antwortete ihm: „Du sagst es.“ Da sagte Pilatus
zu den Hohenpriestern und zum Volk: „Ich kann bei diesem Menschen keine
Schuld feststellen.“ Sie aber blieben hartnäckig und sagten: „Er wiegelt das
Volk auf und verbreitet seine Lehre in ganz Judäa, von Galiläa bis hierher.“
Pilatus
rief die Hohenpriester und andere Mitglieder des Hohen Rats und das Volk
zusammen und sagte zu ihnen: „Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und
behauptet, er wiegle das Volk auf. Ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart
verhört. Ich habe keine eurer Anklagen bestätigt gefunden. Ihr seht also: Er
hat nichts getan, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn nur
auspeitschen lassen und dann frei geben.“ Da schrieen sie alle miteinander:
„Weg mit ihm, lass den Barabbas frei!“ Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs
in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Pilatus aber
redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus frei lassen. Doch sie
schrieen: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ Zum dritten Mal sagte er zu ihnen:
„Was für ein Verbrechen hat er denn begangen. Ich habe nichts feststellen
können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen
und dann frei geben.“ Sie aber schrieen und forderten immer lauter, dass
Jesus gekreuzigt würde, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch.
Pilatus entschied, dass ihre Forderung erfüllt werde. Er gab den Mann frei,
der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß, und den sie gefordert hatten.
Mit Jesus aber verfuhr er, wie sei es gewollt hatten.
Jesus
wird gekreuzigt
Als die
Soldaten Jesus abführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene mit Namen
Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es
hinter Jesus hertrage. Es folgte eine Menge Menschen, darunter auch Frauen,
die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte:
„Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure
Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die
unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben! Dann wird man
zu den Bergen sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn
wenn das schon am grünen Holz geschieht, was wird dann erst am dürren
geschehen?" Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung
geführt.
Sie
kamen zu der Stelle, die „Schädel“ genannt wird. Dort kreuzigten sie ihn und
die Verbrecher, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber
betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Sie
warfen das Los und verteilten seine Kleider. Das Volk stand dabei und
schaute zu. Die Mitglieder des Hohen Rats spotteten: „Anderen hat er
geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der von Gott erwählte
Messias ist." Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin,
reichten ihm Essig und sagten: „Wenn du der König der Juden bist, dann hilf
dir selbst!"
Über ihm
war eine Tafel angebracht mit der Aufschrift: Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, lästerte ihn: „Bist du denn
nicht der Messias? Dann hilf dir und uns!" Der andere aber wies ihn zurecht
und sagte: "Fürchtest du Gott nicht? Du erleidest doch die gleiche Strafe.
Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat
nichts Unrechtes getan." Dann sagte er: „Jesus, denk an mich, wenn du in
deiner Macht als König kommst!" Jesus erwiderte ihm: "Amen, ich sage dir:
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein."
Es war
etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land kam. Sie
dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im
Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: „Vater, in deine Hände lege
ich meinen Geist." Und alle, die sahen, was sich ereignet hatte, schlugen
sich an die Brust und gingen betroffen weg. Alle seine Bekannten aber
standen fern vom Kreuz, auch die Frauen, die ihm von Galiläa gefolgt waren
und alles mit ansahen
Jesus
wird begraben
Zu den
Mitgliedern des Hohen Rates gehörte ein Mann namens Josef, der aus der
jüdischen Stadt Arimathäa stammte. Er wartete auf das Reich Gottes, hatte
dem, was die anderen beschlossen und durchgeführt hatten, nicht zugestimmt,
weil er gut und gerecht war. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam
Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn
in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Das war am
Rüsttag, kurz bevor der Sabbat begann. Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa
gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das
Grab gelegt wurde. Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Öle
und Salben zu. Am Sabbat aber ruhten sie, wie es vom Gesetz vorgeschrieben
war.
Engel
erscheinen den Frauen am leeren Grab
Am
ersten Tag der Woche gingen sie mit den wohlriechenden Salben in aller Frühe
zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war. Sie gingen
hinein, fanden aber den Leichnam Jesu, des Herrn, nicht. Als sie ratlos
dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Sie
erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: „Was
sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Erinnert euch an das, was er euch
gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Händen der
Sünder ausgeliefert und gekreuzigt werden, und am dritten Tag muss er
auferstehen." Da erinnerten sie sich an seine Worte. Sie verließen das Grab
und berichteten alles den Elf und den übrigen Jüngern. Es waren Maria aus
Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus. Auch die anderen Frauen,
die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. Doch die Apostel hielten das
alles für Geschwätz und glaubten den Frauen nicht. Petrus aber stand auf und
lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort
liegen. Dann ging er nach Haus, voll Verwunderung über das, was geschehen
war.
Der
Auferstandene erscheint den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus
Am
gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens
Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen
miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und während sie
miteinander redeten und sich besprachen, kam Jesus dazu und ging mit ihnen.
Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht
erkannten. Er fragte sie: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf dem Weg
miteinander redet?" Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen,
der Kleopas hieß, antwortete ihm: „Bist du der einzige in Jerusalem, der
nicht gehört hat, was sich in diesen Tagen dort ereignete?" Er fragte sie:
„Was denn?" Sie antworteten ihm: „Das mit Jesus aus Nazaret; er war ein
Prophet und hat vor Gott und allem Volk Großes getan und gesagt. Doch unsere
Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilt und ans Kreuz schlagen
lassen. Wir aber hofften, dass er es sei, der Israel retten werde. Und heute
ist schon der dritte Tag, seit das geschehen ist. Einige der Frauen aus
unserem Kreis haben uns allerdings in große Aufregung versetzt. Sie waren in
der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen,
erzählten sie, ihnen seien Engel erschienen und hätten gesagt, dass er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden es so, wie die Frauen gesagt
hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht."
Da sagte
er zu ihnen: „Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu
glauben, was die Propheten gesagt haben! Musste nicht der Messias all das
erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" Und ausgehend von Mose
und allen Propheten legte
Jesus ihnen dar, was in der ganzen Schrift über ihn geschrieben steht.
So
erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er
weitergehen, aber sie baten ihn dringend: „Bleib bei uns; es will Abend
werden, und der Tag hat sich schon geneigt." Da ging er mit ihnen hinein, um
bei ihnen zu bleiben. Und als er sich mit ihnen zum Essen niedergesetzt
hatte, nahm er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen. Da
gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann war er nicht mehr zu
sehen. Und sie sagten zueinander: „Brannte uns nicht das Herz, als er
unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erklärte?"
Noch in
derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Sie
fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: „Der Herr
ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen." Da erzählten auch
sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das
Brot brach.
Jesus
erscheint den Jüngern in Jerusalem
Während sie noch darüber
redeten, trat er selbst in ihre Mitte. Vor Angst und Schrecken meinten sie,
einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum
lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und
Füße an: Ich bin es wirklich. Fasst mich doch an und seht." Dabei zeigte er
ihnen seine Hände und Füße. Freude und Staunen erfüllte sie; doch konnten
sie es immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu
essen hier?" Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch. Er nahm es und aß es
vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: „Ich werde zu euch herab senden,
was mein Vater verheißen hat. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus
der Höhe ausgerüstet seid!"
Der
Vater nimmt seinen Sohn in den Himmel auf
Dann führte er sie hinaus
in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und
während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.
Sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach
Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel, um Gott zu preisen.
Quelle: Bibel
für die Grundschule, Kevelaer 1979
Osterquiz
Förderstufe - Klasse 6
Die Bibel und ihre Entstehung
Die
Entstehung des Alten Testaments
Bevor die ersten Teile des Alten Testaments niedergeschrieben wurden, waren
sie schon Jahrhunderte lang mündlich weitergegeben worden. Ab dem 9.
Jahrhundert v. Chr. sind die Texte dann schriftlich niedergelegt worden. Es
ist jedoch sehr schwer, die genaue Entstehungszeit der alttestamentlichen
Bücher anzugeben. So gehen andere Bibelforscher davon aus, dass die Bücher
Mose im Urtext schon etwa 1450 v. Chr. verfasst worden sind. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. haben jüdische Gelehrte
die heiligen Schriften gesammelt und zu größeren Einheiten zusammengefügt,
beginnend mit der Tora. Die jüngsten Bücher wurden erst im 2.
Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben. So sind von den Anfängen
mündlicher Überlieferung bis zu den letzten schriftlichen Aufzeichnungen des
Alten Testaments etwa tausend Jahre vergangen. Die Geltung einzelner
Bücher war im Judentum lange umstritten. Vermutlich stand der genaue Umfang
der hebräischen heiligen Schriften gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr.
fest. In den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels und Jerusalems
durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. fixierten jüdische Gelehrte die
Gestalt des Textes bis in kleinste Einzelheiten. Der so bearbeitete
hebräische Text wird "masoretischer Text" genannt, weil er in seiner
heutigen Gestalt auf der "Masora" genannten Überlieferungstätigkeit
jüdischer Gelehrter (Masoreten) beruht. Er ist bis heute die Grundlage für
die Übersetzung des Alten Testaments.
Der von uns »Altes
Testament« genannte Teil der Bibel ist die »Heilige Schrift« der Juden.
Zusammen bilden Altes und Neues Testament die »Heilige Schrift« der
Christen. Das Alte Testament beschreibt die Geschichte des Volkes Israel mit
seinem Gott. Es zeigt Jahwe, der mitzieht, führt und befreit, der aber auch
Übertretungen bestraft. Es zeigt Jahwe, der seinem Volk aus Liebe
Lebensregeln gibt, damit die Menschen gut miteinander auskommen können.
Diese Regeln sind in den fünf Büchern Mose, der Tora,
zusammengefasst. Tora heißt Weisung, die Weisung Gottes an sein Volk.
Hier wird von Abraham,
Jakob, Josef und Mose erzählt.
Die Entstehung des Neuen Testaments
Die frühesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe des Apostels
Paulus. Die Worte Jesu und die Erzählungen über sein Wirken wurden
zunächst mündlich weitergegeben; erst als der zeitliche Abstand zu den
Ereignissen wuchs, entstand das Bedürfnis nach schriftlicher Auszeichnung.
Auf diesem Weg sind die Evangelien entstanden. Fast alle
neutestamentlichen Schriften wurden noch im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst.
Damals wie auch später gab es daneben noch eine Vielzahl von Schriften, die
im Titel vorgaben, Evangelien, Apostelgeschichten oder Jüngerbriefe zu sein,
aber die Botschaft von Jesus Christus oder die Lehre der Apostel aus eigener
Sicht wiedergaben. Deshalb musste die frühe Kirche eine Entscheidung fällen,
welche Schriften als verbindlich galten. Dabei gab es, durch örtliche oder
personelle Gegebenheiten bestimmt, Unterschiede in der Auswahl. Am Ende des
2. Jahrhunderts n. Chr. stand jedoch das Neue Testament im wesentlichen in
seinem heutigen Umfang fest. Die Auseinandersetzungen der Folgezeit
führten im 4. Jahrhundert zur endgültigen Festlegung eines "Kanons" (d.h.
wörtlich "Richtschnur") von 27 Schriften, der seitdem in allen großen Kirchen
Geltung hat. In den 27 Schriften des Neuen Testaments wird entfaltet, was
Jesus Christus für den einzelnen Menschen und für das Heil der ganzen Welt
bedeutet. |