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Wer einmal eine Reise tut....
Eigentlich, lange geplant und vorbereitet, wollten wir mit unserem nicht
mehr ganz neuen Wohnwagen und einem ebensolchen Auto nach Mittelitalien an
einen – nach Erzählungen guter Freunde – wunderbaren See nördlich von Rom
reisen. Rom, da waren wir noch nie – das wäre doch was.
Dann
kam die große Hitze – und die Vorstellung, bei eben dieser mit einem
schweren Gespann über die Alpen und noch viel weiter reisen zu sollen, wurde
uns immer unheimlicher. Bis eines Morgens ein lange gehegter, aber tief
verborgener Wunsch an die Oberfläche drängte: Im Sommer einmal nach Lesbos
fliegen, auf jene Insel, die wir dreimal im Herbst schon lieben gelernt
haben.
Was
dann innerhalb von zwei Stunden Gestalt annahm, danken wir der modernen
Kommunikationstechnik! Per Internet, Reisebüro und Handy waren zwei
preiswerte Flüge gebucht, ein Appartement in Petra – bei unseren Freunden
auf Lesbos – bestellt – alles nicht ganz undramatisch: Zwei Superflüge waren
eben noch da, aber nach dem neuerlichen Kontakt mit Petra wieder weg –
Urlaub verschoben – aber letztlich alles prima – 13. August Abflug
Düsseldorf und am 27. 8. wieder eben dort.
Wenn
man zu Freunden nach Griechenland reist – wahrscheinlich auch, wenn man ganz
woanders hin reist – wollen Gastgeschenke, Mitbringsel, wie wir früher
sagten, gut überlegt sein. Die jungen Leute, die das Restaurant und das
Reisebüro in Petra betreiben, wollen heiraten und haben bei ihrem letzten
Deutschland-Besuch eine Vorliebe für Ikea-Wäsche, insbesondere Handtücher,
entwickelt. Nun, dann fährt man bei 34 Grad eben zu Ikea und besorgt zwei
farblich hinreißende Badetücher – ach ja, den Tiroler Schinkenspeck für
Leandros, den Vater – und die Mutter? Verwöhnen mit Weleda-Produkten. Nun,
eine Flugreise will auch sonst gut vorbereitet sein, schließlich geht in der
Regel einer von zwei Koffern verloren, es muss also sinnvoll so gepackt
werden, dass man notfalls gemeinsam aus einem leben kann. Blumengießdienst,
Müllentsorgungsabsprachen, Postannahme – alles ist schließlich geregelt.
Der
Empfehlung des Reisebüros, möglichst früh die Reise nach Düsseldorf
anzutreten, sind wir gerne gefolgt, niemand weiß ja so genau, welche
Überraschungen das Leben – und insbesondere die Bahn – für einen bereit
hält. Also 7.47 ab Eschwege West – das sind rund 8 Stunden bis zum Abflug –
reichlich Spielraum um entspannt und voller Zuversicht die Reise anzutreten.
Pünktliche Abfahrt, reibungsloser Regionalverkehr nach Bebra. Bebra, jener
einstige Weltknotenpunkt für Bahnreisende, jener Bahnhof, wo wir früher, als
Rotenburger Bürger, alle unsere Besucher abholten – und natürlich vorher
Bahnsteigkarten lösen mussten.
Nun,
die erste Durchsage auf dem Bahnsteig ist schon nicht ohne: „Der ICE nach
Düsseldorf hat voraussichtlich 60 Minuten Verspätung.“ Naja, Zeit ist ja
genügend eingeplant. 10 Minuten später allerdings, als es heißt, der Zug
entfalle ganz – wegen technischer Probleme, wird schon zwischen den
Reisepartnern ein vorsichtig fragender Blick getauscht. Ganz? Der
eilends aufgesuchte Bahnangestellte (Service-Point-Manager?) am Schalter
(ja, gottseilobunddank gibt es einen solchen in Bebra noch, wie hätte man
wohl einem Fahrkartenautomaten das Problem erklärt?) – absolut routiniert
und ohne Zögern - schreibt die Fahrkarte um – nun also über Hersfeld,
Frankfurt und Köln-Deutz nach Düsseldorf, ICE-Neubaustrecke, alles kein
Problem, Ankunft Düsseldorf 12 Uhr noch was! Reichlich Zeit, kein Grund zur
Aufregung.
Planmäßig und wieder guter Dinge reisen wir munter über Hersfeld nach
Frankfurt, besteigen dort den ICE nach Düsseldorf. Nicht weit hinter
Montabaur allerdings verlangsamt sich die Reise, der Zug bleibt auf freier
Strecke stehen. Ja nichts Besonderes, kennt man ja, satte vier Stunden noch
bis zum Abflug. Dann allerdings kommt eine Durchsage des Zugführers, von
dem, der uns kurz vorher mit seinem freundlichen Team eine erholsame
Bahnfahrt gewünscht hatte, der Zug würde nun hier „auf unbestimmte Zeit“
stehen bleiben. Diese Formulierung sorgte zunächst nur für kurzes Herzrasen
und vorübergehende Atemnot, was soll das heißen: „Auf unbestimmte Zeit“?
Wenig später dann eine Erklärung: Es habe einen Personenunfall (für
Vielreisende wohl nichts Neues, in Bahndeutsch kurz „PU“) gegeben, die
Strecke sei von Polizei und Staatsanwaltschaft auf unbestimmte Zeit in
beiden Richtungen gesperrt. So etwa nach eineinhalb Stehstunden fragen wir
mal vorsorglich beim LTU-Schalter in Düsseldorf nach, wann man denn wohl
spätestens da sein müsse, wenn man denn noch mitfliegen wolle. Eine halbe
Stunde, das sei das Äußerste. Also halb vier, dann müsse man den Flug
definitiv schließen. Reichlich Zeit also noch. Nach zweieinhalb Stehstunden
allerdings breitet sich so eine eigenartige Mundtrockenheit aus. Aber gerade
da gibt es Neuigkeiten! „Wir fahren nun zurück über Frankfurt Airport nach
Frankfurt Hauptbahnhof. Sie können dann von dort ihre Reise fortsetzen...
wir bitten um Verständnis...“ Sofort rufen wir unser Eschweger Reisebüro an
und bitten zu erkunden, ob nicht von Frankfurt aus ein Flug nach Lesbos
möglich sei. Und wahrhaftig, nach 10 Minuten die Rückmeldung, 15.50 ab
Frankfurt, beim Aerolloyd-Schalter melden, 185 Euro pro Person nach Mytilene
(Flughafen auf Lesbos). Wahnsinn! Der Zug nimmt langsam Fahrt auf – und
wieder ab, bleibt stehen. Ratlose Gesichter, der Nachbar, der von Düsseldorf
nach Kreta fliegen will (Abflug 15.20 Uhr) hat seinen Urlaub abgeschrieben,
dafür aber das Rauchen wieder angefangen. Was für erbärmliche
Tauschgeschäfte.
Neue
Meldung: „Wir setzen jetzt die Fahrt nach Düsseldorf fort, die Strecke ist
wieder freigegeben.“ Anruf beim Reisebüro: Fehlalarm, wird nichts mit
Frankfurt. „Können Sie denn nicht raus aus dem Zug, einen Mietwagen nehmen,
andere Verkehrsmittel?“ Der Mann hat wohl noch nie in einem ICE auf freier
und einsam verlassener Neubaustrecke gestanden! Aber wahrhaftig, es geht
wirklich weiter, wir passieren die Unfallstelle (eine Frau hatte sich vor
den uns voraus fahrenden Zug geworfen, ca. 1500 Fahrgäste in beiden
Richtungen waren betroffen, das konnte man später in der Zeitung lesen), das
Tempo lässt nach, der Zug bleibt stehen, Durchsage: „Ein Signalschaden,
erfahrungsgemäß setzen wir die Fahrt in wenigen Minuten fort.“ Diese
Minuten, so kann rückschauend gesagt werden, waren vermutlich die
entscheidenden. Im Reisebüro wird bereits vorausschauend nach Alternativen
gesucht. Nicht alkoholische Getränke im Bistro gibt es jetzt umsonst – und
einen Reisegutschein im Wert von sageundschreibe Euro 10 hat man uns
auch schon ausgehändigt.
Ankunft in Düsseldorf kurz nach 15 Uhr. Mit dem Mut der eigentlich schon
Verzweifelten stürzen wir aus dem ICE, rennen zur S-Bahn, die kommt auch
ziemlich gleich, hechten im Flughafenbahnhof die Treppen hoch, dorthin, wo
eine kleine Magnetschwebebahn – großkotzig „Skyflyer“ geheißen, die Gäste zu
den Flugsteigen transportiert. Sollten wir vielleicht besser sagen:
transportieren soll? Das Handy am Ohr und den Abflug dran, steigen
wir in diesen gottverdammten Skyflyer: „Wir kommen sofort, sitzen schon im
Skyflyer, bitte warten Sie auf uns!!!“ „Ja, da müssen Sie aber auch jetzt
sofort kommen!“ 15.36. Der Skyflyer bummelt vom Bahnhof zum Abflug A/B.
Unser Flug geht von Flugsteig C ab. Nie in unserem ganzen Leben hat sich
irgendein Fortbewegungsmittel so langsam bewegt wie dieses Bähnchen. Noch
aber gibt es Chancen, vermutlich wissen die beim Abflug ja, dass dieses
Bähnchen eben doch nicht fliegen kann. Und dann passiert das, wovon der
Leser mit Sicherheit sagen wird: „Das gibt es nicht!“ Das Bähnchen hält auf
freier Strecke hoch oben in der Luft an, kurz vor dem Ausstieg C. Durchsage:
„Wegen technischer Probleme können wir leider nicht weiterfahren.“ 15.40.
Dann, nach vernichtenden Sekunden: „Wir fahren jetzt zurück zum Abflug A/B,
bitte begeben Sie sich zu Fuß zum Abflug C!“ Jetzt ist es schon nicht mehr
der Mut der Verzweifelten, mit dem wir unsere Koffer hinter uns herzerrend
am Flughafengebäude entlang hetzen, jetzt sind es nur noch zwei
Wundergläubige. Der Wunsch, dennoch den Abflugbereich C zu betreten, wird
uns polizeilicherseits verwehrt: Der gesamte Bereich ist wegen einer
Bombendrohung gesperrt! (Deswegen fuhr das Bähnchen auch nicht weiter!)
Feuerwehr, Polizei, THW, Hunde, Blaulichter – und Gerhard und Christa wollen
da rein! Hätten die Absperrung niedergerissen, wenn da nicht eben so viele
gewesen wären, die das verhindert haben. „Da ganz hinten ist noch ein
Eingang, der ist nicht abgesperrt!“ Eine Information, die uns rein zufällig
von irgendwoher aus dem Off erreicht. Und genau hinter dieser letzten Tür,
zu der wir – mutlos – dennoch rennen, dort wäre unser Schalter gewesen. Er
war sogar dort. Nur der Flieger, der war nicht mehr da. Wahrscheinlich war
es der einzige pünktliche Abflug in Europa an diesem Mittwoch, dem 13.
August 2003.
Die
folgenden zwei Stunden tiefster Depression – mit Telefonaten nach Lesbos,
(das Taxi zum Flughafen braucht ihr nun auch nicht mehr zu schicken)
mehrmals nach Eschwege zum Reisebüro auf der Suche, ob es nicht doch noch...
vielleicht morgen..., ein letzter Versuch beim Schalter von Olympic, die
lakonische Auskunft am Service-Point (!) der Bahn, bitte wenden Sie sich an
diese Adresse mit Ihren Sorgen und Beschwerden: DB Dialog-Kompetenzzentrum
Hannover (!!) – die Heimreise und die Ankunft um 23.45 zuhause in Aue, das
muss man nicht alles auch noch erzählen. Alles zu, alles ausgebucht, bis
Athen oder Thessaloniki gerne, aber nicht weiter auf die Insel....Die
Reiserücktrittsversicherung wird nichts zahlen, weil man ja die Reise
angetreten hat (was man angetreten hat, kann man schließlich nicht
zurücktreten...), die Bahn wird vielleicht einen weiteren kleinen
Reisegutschein rausrücken, wer weiß.
Dass
wir dann aber – nach sinnloser Alternativ-Suche im Reisebüro am Donnerstag
Vormittag – bereits Freitag Nachmittag mit einem schnell durch den TÜV
gebrachten und beladenen Wohnwagen in Immenstaad am Bodensee unsere Zelte
aufgeschlagen hatten, darauf sind wir sogar ein bisschen stolz! Übrig
geblieben sind eine verhaltene Trauer, eine tief sitzende Fassungslosigkeit
und ein anhaltendes Traum-Motiv: dauernd irgendwelche ziemlich schlimmen
Situationen zu durchleben, auf die man absolut keinen Einfluss hat. Der
tiefere Sinn dieser ganzen Sache hat sich uns bisher leider nicht
erschlossen.
Anmerkung: Die Reiserücktrittsversicherung hat schließlich doch - aus
Kulanz! - fast den gesamten Flugpreis erstattet! Auf die Antwort der Bahn
warten wir noch heute (7.1.2004)
Heute, am 14. Januar 2004, schickt uns die Bahn - mit einem richtig netten
Begleitschreiben - zwei Reisegutscheine über je 50 Euro. Damit ist nun die
Sache endgültig ausgestanden.
Gerhard Wellmann und Christa Hagemann-Wellmann
Zum Anfang
Onkel Willibald will baden
Dem Onkel Willibald hatte ein uralter Schäfer in der Lüneburger Heide
gesagt, das Geheimnis des Langlebens sei, sich nie zu waschen. Er selbst sei
seines Wissens so ungefähr hundertdreißig Jahre alt, und seit hundert Jahren
wäre kein Wasser an seinen Körper gekommen. Bei einigen alten Bauern in der
Eifel fand Onkel Willibald die gleiche Gepflogenheit. Ihr hohes Alter und
ihre Rüstigkeit bewiesen, daß sie mit ihrer Theorie nicht so ganz unrecht
hatten. Onkel Willibald hatte weiter von einem alten Landstreicher aus dem
Thüringischen erzählen hören, der sich auch seit Jahren nicht gewaschen
hatte, dann aufgegriffen wurde und polizeilicherseits ein Bad verabreicht
bekam und, obwohl kerngesund, darnach sofort in Siechtum verfiel und starb.
Das gab zu denken.
Onkel Willibald war praktischer Philosoph. Er hatte das Prinzip, sein Leben
auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen einzurichten. Er war stolz, wenn
er im Volke so eine schlichte Lebensweisheit fand, einen nützlichen Brauch;
gleich war diese neue Erkenntnis auch für ihn maßgebend und bestimmend.
Indessen war die letzte Entdeckung nur so lange sein Evangelium, bis er
wieder auf etwas Neues stieß.
»Ich bin ein verflixt heller Kopf. Ich halte die Augen offen!« sagte er
und warf sich selbstgefällig in die Brust.
Er galt allenthalben für einen Sonderling. Seine Verwandten sagten, er
sei verrückt. Mit Benders, seinen nächsten Verwandten, wohnte er im gleichen
Hause, Benders auf der ersten, er auf der zweiten Etage; im Unterhaus war
das Kolonialwarengeschäft von Wiehbendülle. Benders sprachen hinter dem
Rücken Onkel Willibalds sehr respektlos über ihn. Ihm ins Gesicht waren sie
dagegen widerlich devot und hofierten ihn in schmachvoller Weise. Sie gaben
seinen fixen Ideen recht, soweit sie kein Geld kosteten. Onkel Willibald war
begütert, und Benders die nächsten Erben.
Der Onkel hatte eine eigene Haushaltung, der seine Köchin Amöne
Schmalspurbahn vorstand. Amöne Schmalspurbahn war eine Eskimo, die
versehentlich nach Deutschland geraten war. Geld zur Rückreise fehlte ihr,
sie nahm kurz entschlossen die in der Zeitung ausgeschriebene Stellung bei
Onkel Willibald an.
Als er von der Reise zurückkam, auf welcher er den alten Schäfer und die
Eifelbauern getroffen hatte, und als er das mit dem Landstreicher erfuhr,
beschloß er, sich von Stund an nicht mehr zu waschen und dem Beispiel dieser
Leute zu folgen. Seine Köchin, die er seit Jahren hatte, verließ ihn darauf
Knall auf Fall. Andere folgten, aber schon nach wenigen Tagen gingen auch
sie wieder. Keine war zu halten. Onkel Willibald war verzweifelt. Da
erschien eines Tages Amöne Schmalspurbahn, und die blieb.
Der Onkel begann, nach einiger Zeit sich selbst nicht mehr zu mögen. Es
war schon schlimm.
Er reiste eines Tages in die Bretagne und fand dort in dem am Meere
gelegenen Dorfe Oeuf à la Coque unter den Einwohnern einen außergewöhnlichen
Wasserfanatismus. Von früh bis spät lagen diese Leute im Meer. Und zu Hause
wurden die Seebäder noch durch Duschen und Abwaschungen ergänzt. In Oeuf
à la Coque gab es vierzig Einwohner über hundertundachtzig Jahre, die alle
noch Rad fuhren und Rollschuh liefen. Eine hundertfünfundsiebzigjährige Frau
leistete Erhebliches auf dem Drahtseil. Das gab zu denken.
Onkel Willibalds Grauen vor sich selbst wuchs von Tag zu Tag. Er merkte
zu seinem Schrecken, wie er mählich körperlich und auch geistig verkam. Die
Lebensweise des uralten Schäfers war nichts für ihn.
Die Leute in Oeuf à la Coque wiesen ihm den richtigen Weg. Die kannten
das Geheimnis des langen Lebens. Wasser, Wasser war die Parole!
Im Zuge zurück in die Heimat, lernte er den berühmten Wasserheilmenschen
Unglimpf Knobbe kennen, der ihm sein Buch »Hupf mein Mädle« schenkte, in dem
er sein Wasserheilverfahren überzeugend darlegte und unzählige verblüffende
Resultate aufführte.
Sofort schrieb Onkel Willibald an die größten Geschäfte für
Badeeinrichtungen und bat um Prospekte.
An Amöne Schmalspurbahn, die auch eine Anhängerin der Theorie des uralten
Schäfers war, nicht aus Überzeugung, sondern aus heimatlicher Überlieferung
und Faulheit, wuchs Moos, und auf dem verfilzten Kopf nisteten Rotkehlchen.
Onkel Willibald entließ sie. Er bekam einen Abscheu vor ihr, außerdem
fehlten ihm zwei Teelöffel.
Die Kataloge kamen zu Stößen ins Haus. Natürlich galt es erst zu
probieren, ehe man sich zur Anlage einer kostspieligen Einrichtung entschloß.
Auch Benders rieten ihm an, es vorläufig mal mit einer billigen Sache zu
versuchen.
Da gab es die Reisewanne »Plitsche-Platsche« aus Segeltuch. »In fünf
Minuten ein erquickendes Bad«, »Das Ostende des kleinen Mannes«, so wurde
diese herrliche Wanne zum Preise von dreißig Mark angepriesen. Mit Dusche
zwanzig Mark mehr. Als Dampfbad eingerichtet fünfzig Mark mehr. Mit prima
Aluminiumgestell. Eine Kaffeetasse Wasser genügt zum erfrischenden Vollbad!
Onkel Willibald ließ sich eine »Plitsche-Platsche«-Reisewanne, das
Ostende des kleinen Mannes mit Dusche und Dampfbadeeinrichtung kommen. Als
die Kiste glücklich ausgepackt war, lag vor ihm ein Stück Segeltuch, ein
Bündel Stangen, ein kleines Öfchen, eine Schachtel mit Schrauben, Muttern
und komischen Dingen und ein Gießkannenausguß. Eine Gebrauchsanweisung war
beigefügt.
Zwei Wochen quälte sich Onkel Willibald Tag und Nacht mit dem Tuch und
den Stangen und dem Öfchen ab, ohne seine Badeeinrichtung
zusammenzubekommen. Die Schrauben hatte er bereits verloren. Die Muttern
waren unter die Möbel gerollt. Immer wieder vertiefte er sich in die
Gebrauchsanweisung, er bekam es nicht zusammen.
Bis er eines Abends endlich glaubte, das Problem gelöst zu haben. In dem,
was er aufgebaut hatte, konnte man schon baden.
Schnell Wasser herbei. Das Öfchen angesteckt. Den Krahnen aufgemacht: das
war ein köstliches Bad. Onkel Willibald dehnte und streckte sich, grunzend
vor Behagen. Er merkte dabei nicht, wie sich die mit Gummi verklebten Nähte
der Segeltuchwanne lösten. Jetzt eine Dusche! Er zog an der Schnur. Die
Dusche funktionierte nicht. Er zog stärker. Räng, päng! Das Gestell brach
zusammen. Die Nähte des Segeltuchs waren jetzt völlig aufgeweicht. Aus der
Wanne war ein flaches Tuch geworden. Onkel Willibald rang mit dem
Stangengewirr, glitschte auf dem nassen Segeltuch aus, kam zu Fall und
wälzte sich hilflos am Boden. Mit dem linken Bein geriet der Unglückliche in
den brennenden Ofen und schwenkte diesen wie einen Klumpfuß strampelnd in
der Luft. Das ausgelaufene Wasser stand im Zimmer, wurde aber von den
Dielenritzen eingezogen.
Bums, bums! Schauerlich klang es durchs Haus. Benders, die unter Onkel
Willibalds Baderaum ihr Schlafzimmer hatten, war ein großes Stück
Zimmerdecke ins Bett gefallen, gefolgt von einem Guß Wasser.
Das war ein Spektakel im Hause! Mit einem Gipskranz von der
Deckenverkleidung um den Hals stürzte Vater Bender im Nachthemd, gefolgt von
Weib und Kind, nach oben.
Das undefinierbare Gewirr am Boden, vom Mond beleuchtet, machte Bender
graulen. Mit Schwierigkeit erkannte man erst nach einer Weile als den Kern
des Gewirrs den Onkel. Er schrie plötzlich jäh nach einem Ofen auch für das
rechte Bein, da er daran friere.
Trotz dieses Ungemachs ließ der Onkel seine Bademanie nicht fallen. Mit »Plitsche-Platsche«
war es nichts. Man sollte in so was nicht sparen. Er verschenkte die
Bruchstücke des transportablen Bades an einen blinden Indianer.
Jetzt wollte er eine ordentliche Badeeinrichtung haben, die was kosten
durfte. Für Unsummen legte er sich die patentierte, häufig preisgekrönte
Badeeinrichtung »Schleiermacher« mit Emaillewanne, Gasofen und allen
Schikanen der modernen Installation zu.
Auch die so ungemein hygienische Wellenbadschaukel »Meeresersatz« und die
patentierte Sitzwanne »Karl der Große« war mitgeliefert worden.
Fränze Kaldaunentrost, die neue Köchin, hatte in dem Baderaum die
eingemachten Gurken in Gläsern stehen. Sie war sehr sittenstreng. Sie deckte
über die Gurkengläser aus Vorsicht Tücher, damit sich die unschuldigen
Gurken an Onkel Willibald im Bade nicht versahen.
Onkel Willibald hatte nicht gern Handwerker im Hause. Er bat seinen
Freund Philipp Motternich, der früher bei der Eisenbahn war und für alles
eine geschickte Hand hatte, ihm beim Aufbau der Badeeinrichtung zu helfen.
Acht Tage lang quälten sich die beiden von früh bis spät an der
Montierung des Bades. Sie gerieten schon gleich im Anfang, da jeder alles
besser wissen wollte als der andere, in Streit. Dann sengte aus Versehen
Onkel Willibald beim Anschluß des Wasserleitungsrohres mit der Lötlampe
Philipps Bart halb ab. Es kostete Willibald Mühe, seinen wütenden Freund,
der behauptete, Willibald habe das absichtlich getan, zu beruhigen. Als
Willibald nun noch beim Einschlagen eines Hakens mit dem Hammer Philipps
Daumen traf, wurde es Philipp zu viel, und er verließ in der feindlichsten
Stimmung den Onkel.
Onkel Willibald besah sich, was sie bisher installiert hatten, und kam
zur Überzeugung, daß alles wohl gerichtet und sein Bad nun gebrauchsfertig
sei.
Eine genaue Anweisung über die Inbetriebsetzung war am Ofen angebracht.
So, hier war der Gashahn a. Der mußte geöffnet werden. Da war der
Gashahn b, und dann gab es noch den Hauptgasabsperrhahn c. Von
diesen beiden Hähnen stand nichts auf der Gebrauchsvorschrift, ob sie zu
schließen oder zu öffnen seien. Der Hahn d sollte nach der Anweisung
unbedingt offen bleiben, während der Hahn f unter allen Umständen
geschlossen werden mußte. Die Ventile g und m mußten im Auge
gehalten werden. Das war sehr wichtig. Der Brenner k, ein
schreckliches Röhrenwirrwarr mit vielen kleinen Löchern, sollte in der
Pfeilrichtung gedreht werden. Das alles und noch mehr stand auf der
Instruktion, die Onkel Willibald immer und immer wieder las. Er wurde durch
die Unmenge von Hähnen und Ventilen völlig verwirrt. Er hantierte hin und
her hupfend, an dem Badeofen. Er erinnerte an einen Musikalclown, der sich
an einem Gestell mit Glocken produziert.
An welchen Hahn und welches Ventil er auch rührte, immer wurde die Dusche
in Tätigkeit gesetzt und er meuchlings von einem kalten Guß getroffen. Die
Dusche reagierte auf alle Hähne. Es gelang ihm endlich, die Dusche
abzustellen. Er zog den Brenner heraus, öffnete die Gashähne und hielt ein
brennendes Streichholz so lange an die kleinen Löcher, bis das verglimmende
Streichholz ihm die Fingerspitzen verbrannte. Der Brenner trug seinen Namen
mit Unrecht, er brannte nicht.
Hätte er doch Philipp nicht auf den Daumen geschlagen! – Der hätte die
Sache in Ordnung gebracht! ärgerte sich jetzt Onkel Willibald.
Plötzlich kam ihm die schreckliche Erkenntnis, daß der Ofen überhaupt
nicht an eine Gasleitung angeschlossen war. Eine derartige Leitung lag nicht
im Hause.
Dieser Philipp, dieser Nichtswisser! Das hätte er doch wissen müssen!
schnaubte Onkel Willibald.
Was war zu machen? Gebadet mußte jetzt werden. Gut, badete er kalt. Das
war noch viel gesünder als ein warmes Bad. Gewiß, viel abhärtender. Knobbe
schrieb auch kalte Bäder vor. Die Gasleitung konnte man gelegentlich für
alle Fälle anlegen lassen.
Er öffnete den Hauptwasserhahn der Wanne. »Plätscher, plätscher«, ging es
munter in die Wanne. Es konnte eine Weile dauern, bis die Wanne gefüllt war.
Vielleicht vor dem Vollbad noch ein Wellenbad in »Meeresersatz!« Gesagt,
getan. Das Wellenbad war schnell gefüllt. »Plätscher, plätscher« – lustig
sprudelte es aus dem Haupthahnen in die Wanne.
Der Onkel nahm ein Wellenbad. Hei, war das fein und köstlich. Feste,
feste, dachte der Onkel, je stärker der Wellenschlag, je heilsamer.
»Plätscher, plätscher« – die Wanne war mittlerweile fast voll gelaufen.
Im Sicherheitsablauf steckte ein Zigarrenstummel.
Die Wellenschaukel stand schon einige Male auf der Kippe. Den Onkel
packte ein wilder Taumel.
Dann war es geschehen. Die Wanne kippte um, und Willibald lag darunter,
eingeklemmt von den Seitenwänden. Wie eine Schildkröte kroch er ächzend
durchs Zimmer. Alles Abmühen und Strampeln hatte keinen Erfolg. Er kam nicht
los.
»Plätscher, plätscher« – die Badewanne lief jetzt über; das Wasser stand
fußhoch im Zimmer.
Der Onkel stieß die Tür ein. Er mußte zu Menschen, die ihm helfen
konnten. Allein konnte er sich nicht befreien.
Er kroch die Treppe hinunter mit großen Schwierigkeiten. Grauen und
Entsetzen packte die Leute bei seinem Anblick.
»Ein Untier naht, eine Riesenschildkröte! Flieht, rettet euch!« Alles
floh in wilder Panik.
»Plätscher, plätscher«, die zweite und erste Etage stürzten ein.
Der bekannte Löwenjäger Fürchtegott Pöhzlapp selbst wagte nicht, dem
Untier entgegenzutreten.
»Plätscher, plätscher« – das Haus fiel zusammen.
»Plätscher, plätscher« – die ganze Stadt ertrank.
Onkel Willibald strandete auf einem hohen Berge. Er war mittlerweile
abgemagert und fand sich eines Tages von der Wanne befreit.
Er tat einen heiligen Schwur, nie wieder zu baden.
Zum Anfang
Hermann Harry Schmitz
O Gott, bei Benders ist Hausputz!
Aus: Düsseldorfer General-Anzeiger vom 7.5.1911;
Der Säugling und andere Tragikomödien, Leipzig 1911
Alljährlich im Frühjahr bekam Frau Meta Bender, wie jede echte gute deutsche
Hausfrau, ihren Koller: den Hausputzkoller.
Das war immer eine schlimme, eine äußerst schlimme Zeit für das Haus und die
Lieben von Meta Bender. Die sonst wirklich ziemlich umgängliche und gütige
Frau war während dieser Zeit nicht wiederzuerkennen, sie war wie
umgewandelt, grausam, rücksichtslos und brutal.
Ich halte diesen Hausputzkoller für eine ganz bestimmte psychologische
Erscheinung, und zwar für eine entgleiste Frühlingsregung, die sich nur noch
an der Politur von Mahagonimöbeln, an frisch gestärkten Gardinen, in
Atmosphären von schwarzer Seife und Bohnerwachs zur höchsten Ekstase
begeistern kann. Ja, ja, so was muß es schon sein.
Es ist ein Zustand, der vor den Nervenarzt gehört, wirklich, denn die fast
unheimliche Willenskraft der Aktivität, die die von dem Koller betroffenen
Hausfrauen entwickeln, trägt absolut ein pathologisches Gepräge.
Hier liegt noch eine Aufgabe für die bakterologische Wissenschaft, den
Bazillus, den Erreger dieser seltsamen Erkrankung zu entdecken und ein
entsprechendes Gegenmittel zu finden.
Vater Rizinus Bender hatte ohnehin zu Hause verflucht wenig zu sagen.
Höchstens schlug er mal, wenn es ihm zuviel wurde und seine Frau gerade
nicht im Zimmer war, sehr vorsichtig mit der geballten Faust auf den Tisch
und sagte bestimmt, aber sehr leise, daß er es leid sei und er der Herr im
Hause sei. Heute beim Frühstück sei das Graubrot trocken gewesen, und er
werde in jeder Richtung, in jeder Richtung gründliche Remedur schaffen.
Und die alte Tante Hülsenkuff mit dem Holzbein und dem großen Kropf, die bei
Benders das Gnadenbrot genoß und auf welche das Wort »Remedur« einen enormen
Eindruck machte, bat zitternd Vater Bender, nicht zu weit zu gehen, und
außerdem höre sie seine liebe Gattin kommen.
Dann dämpfte Rizinus schleunigst seinen Zorn und machte die Wutfaust schön
flach und ergeben.
Wenn er schon in friedlichen, normalen Zeiten nicht recht wagte, den
Ansichten und dem Tun seiner Gattin wirksamen Widerstand entgegenzusetzen,
wie viel weniger hätte er daran gedacht, gegen die gigantische
Unerbittlichkeit des Hausputzkollers irgendwelche Front zu machen. Das war
ein starres Verhängnis, dem er als absolut hilfloser Zwerg gegenüberstand.
In banger Erwartung sah er alljährlich dem Nahen des Frühlings entgegen. Wie
ein Damoklesschwert hing der Gedanke an den großen Hausputz über seiner
Seele.
Der arme Mensch wurde von Tag zu Tag sichtlich unruhiger; er irrte durch die
Wohnung. Keine Pfeife, keine Zigarre wollte ihm mehr schmecken. Bis dann mit
dem ersten abgehangenen Bild und den leeren, gardinenlosen Fenstern der
Schrecken des Hausputzes seinen Einzug hielt in sein friedliches Heim.
Heuer sah er mit ganz besonders gemischten Gefühlen dem dräuenden Ereignis
entgegen. Frau Bender hatte so ganz nebenbei verlauten lassen, daß sie
dieses Mal eine besonders eingehende und gründliche Reinigung vorzunehmen
gedenke. So alle paar Jahre sei das dringend nötig. Sie habe bereits
genügend Hilfspersonal engagiert.
Da war ja Entsetzliches zu erwarten.
Und eines Tages war es dann losgegangen.
Herr Bender hatte nach dem Frühstück harmlos im Wohnzimmer gesessen und die
Zeitung gelesen, als plötzlich seine Frau, gefolgt von drei bis an die Zähne
mit Eimern, Besen, Putztüchern und sonstigen seltsamen Geräten bewaffneten,
ihm gänzlich unbekannten, gar nicht sehr liebreizend aussehenden weiblichen
Wesen entschlossen mit schweren Schritten in das Zimmer trat. Die
Begeisterung der Krieger, die unter dem Einfluß einer großen, göttlichen
Idee in die Schlacht ziehen, lag auf ihren Stirnen.
Wie gebannt starrte Rizinus aus seinem Sessel diesem Aufzug entgegen.
Vor allem wurden sämtliche Türen und Fenster geöffnet und Durchzug
hergestellt.
Wie ein Feldherr vor dem Angriff gab Mutter Bender bestimmt und kalt ihre
Befehle.
Auf den Ruf »Franz«, den sie gellend ausstieß, kam ein breitschulteriger
Mann in Arbeiterkleidung, in den besten Jahren und mit einer Leiter. Das
gleiche Leuchten einer eigentümlichen Ekstase lag auf seinem Gesicht.
Die Leiter wurde an die Wand gelehnt, und der Mann, den die Frauen »Franz«
nannten, kletterte behende hinauf. Bild auf Bild wurde heruntergeholt.
Gierig griffen die roten beefsteakähnlichen Hände der drei Frauen nach den
Kunstwerken.
Mutter Bender stand wie aus Bronze mit übereinandergeschlagenen Armen mitten
im Zimmer und erinnerte an Napoleon.
Von Rizinus Bender nahm kein Mensch Notiz.
Jetzt hatte der Mann, den man Franz nannte, die Leiter ausgerechnet schräg
über den Sessel Rizinus' gestellt. Geduckt, zitternd zog sich der Hausherr
in seinem Sessel zusammen.
»Päng, päng, klirr, klirr!« Der Franz hatte schwitzige Hände, und der schöne
Farbendruck »Genesung« war ihm entglitten. Rizinus Bender hatte ihn jetzt
wie einen Halskragen übergestülpt.
»Hoppla«, meinte Franz, nahm gelassen ein anderes Bild von der Wand und
reichte es den Frauen. Niemand nahm Notiz von diesem Vorfall oder machte gar
Anstalten, den armen Rizinus zu befreien.
Mama Bender stand wie aus Bronze mit übereinandergeschlagenen Armen mitten
im Zimmer und erinnerte an Napoleon.
Wie unter dem Bann einer furchtbaren, dämonischen Macht vermochte Vater
Bender sich nicht zu rühren. Seine Augen verfolgten mit Grausen das Tun
dieser furchtbaren Menschen.
Plötzlich stieß Frau Bender einen hellen Schrei aus. Alle stürzten sich mit
Sturmgebärden auf das Vertiko und trugen dieses Möbel mit lautem Jauchzen
aus dem Zimmer auf den Hausgang. Manches schöne Nippes, das auf dem
Muschelaufsatz stand, fiel zu Boden und zerbrach.
Wie ein wilder Taumel kam es über die fünf. Mutter Bender verlor jede
Beherrschung und wütete gegen die Möbel, so wild wie ihre Mannen.
Möbelstück auf Möbelstück wurde ergriffen und draußen auf dem Flur
barrikadenartig aufgestapelt.
Und mit jedem Möbelstück, auf welches sich diese merkwürdigen Fanatiker
stürzten, wuchs in ihren Augen ein wildes Feuer von übermenschlicher
Begeisterung.
Rizinus lag starr in seinem Sessel, »Genesung« um den Hals.
Dann plötzlich wurde sein Sessel gepackt, ohne Rücksicht auf ihn
hinausgetragen und auf einen polierten Tisch gestellt. Man stellte ihn zu
sehr an die Kante. Der Sessel kam ins Rutschen und fiel nebst Rizinus
herunter. Der Sessel brach ein Bein. Rizinus nicht, er stieß sich nur
schauerlich das Schienbein, was eine gewisse Reaktion aus der starren
Lethargie zur Folge hatte und ihm Kraft gab, sich in die gute Stube zu
flüchten.
Das Geräusch von Wassersalven, die in das Wohnzimmer gefeuert wurden, drang
an sein Ohr. Dazwischen vernahm er kurze, scharfe Kommandorufe seiner
Gattin. Ab und zu ein Klirren, Knacken und Brechen als Zeichen, daß solch
ein Feldzug seine Opfer forderte.
Einen ganzen Tag saß er klopfenden Herzens in der guten Stube und horchte
auf das Toben draußen.
Das wußte er aus früheren Jahren, daß während der Hausputzepoche nicht
gekocht wurde und daß er zur Stillung seines Hungers lediglich auf Brot und
amerikanisches Büchsenfleisch angewiesen war.
Als die Nacht niedersank und es ruhig im Hause wurde, schlich sich Herr
Bender mit einer Büchse Corned beef, nicht ohne furchtbare Stürze über die
im Flur aufgebauten Möbel, in sein Schlafzimmer.
Laute Stimmen weckten ihn bei Morgengrauen schon aus dem Schlaf. Er fuhr
auf, und sein verschlafener Blick ruhte voll Entsetzen auf den gräßlichen
Frauen und dem Manne mit der Leiter, die sich anschickten, ihre furchtbare
Mission auch in diesem Zimmer zu erfüllen. Frau Bender stand wie aus Bronze
mit übereinandergeschlagenen Armen mitten im Zimmer und erinnerte an
Napoleon.
Dürftig bekleidet rettete sich mit knapper Not Vater Bender in die gute
Stube.
Und mit jedem neuen Tag wuchs der Fanatismus der Truppen seiner Frau. Von
Zimmer zu Zimmer wurde er getrieben. Der Hausgang, das Treppenhaus, der
Vorgarten, die Straße war angefüllt mit Möbeln. Ausräumen, ausräumen! war
die Devise.
Benders hatten neun Kinder. Eins nach dem andern war bei dem Tohuwabohu des
Hausputzes zugrunde gegangen. Auf Anton war ein Kleiderschrank gefallen und
hatte ihn platt gedrückt, daß er nur noch als Lesezeichen zu verwenden war.
Erich war, eingeklemmt zwischen ein Bett und einen Säulenofen, verhungert.
Die Kleineren waren in dem Gewirr spurlos verschwunden. Der Jüngste, Pepi,
war vom Vakuum-Reiniger, den man auch zur Unterstützung herbeigerufen hatte,
aufgesaugt worden.
Schrecken, o Schrecken!
Das Klavier, das auf der Bleiche stand, fletschte die Tasten. Man hatte
seinen Bauch geöffnet und auf Befehl Metas die Saiten herausgenommen, damit
sie mit Schmirgel gereinigt wurden. Endlich mal.
Entsetzen füllte das Haus.
Auf das Dach flüchtete sich in seiner Bedrängnis und Not Vater Bender, wo er
an den Schornstein geklammert die unglückliche Tante Hülsenkuff fand, die
sich mit ihren letzten Kräften hier hinauf gerettet hatte.
Die wilden Truppen, die im Hause tobten, hatten es auf ihr Holzbein und den
Kropf abgesehen. Ersteres sollte abgeseift und frisch lackiert und letzterer
bronziert werden. Lieber tot, als das zugeben, war der Entschluß der Tante.
Und sie hatte sich aufs Dach geflüchtet.
Im Hause aber wütete Mutter Benders Wille zum Hausputz.
Dann geschah das Schreckliche, das dem Tun der Wahnwitzigen ein jähes Ende
bereitete.
Der Maschinist, der den Vakuum-Reiniger bediente, ging auf einen Augenblick
weg, um gegenüber einen Schnaps zu trinken. Mutter Bender benutzte seine
Abwesenheit und stürzte sich auf den Apparat. Sie drehte an den Ventilen,
stellte die Regulierung auf die höchsten Ziffern und entfesselte in ihrer
wilden Ekstase die ganze ungebundene Kraft der Maschine.
Ein furchtbares Brausen und Sausen erhob sich, das von Sekunde zu Sekunde
anschwoll. Mit Sturmwindskraft und Schnelligkeit saugte die Maschine die
Luft in sich hinein. Bilder und Spiegel wurden von der Wand gerissen.
Gardinen flogen durchs Zimmer und verschwanden im Schlund des entsetzlichen
Saugers. Dann wurde plötzlich Mutter Bender wie von unsichtbarer Hand
gepackt. Sie mochte sich sträuben und mit den Gliedern strampeln, nach einem
Stützpunkt verzweifelt die Hände strecken, – vergebens, der Vakuum-Reiniger
sog sie heran und verschlang sie. Die drei Putzfrauen und den Franz traf das
gleiche schreckliche Geschick.
Franz eilte, als er Frau Bender im Vakuum-Reiniger verschwinden sah, herbei,
und es gelang ihm noch, das linke Bein der Frau zu fassen. Aber, wie er sich
auch stemmte mit allen Kräften und die drei Putzfrauen sich an ihn
klammerten, sie wurden alle hineingerissen in die entsetzliche Maschine.
Tante Hülsenkuff hatte sich auf dem Dach erkältet und starb an einer
Influenza.
Vater Bender war trotz allem Zureden nicht zu bewegen, das Dach zu
verlassen.
Zum Anfang
Wettervorhersage
It was autumn, and the
Indians on the remote reservation asked their new Chief if the winter was
going to be cold or mild.
Since he was Indian Chief in a modern society, he had never been taught the
old secrets, and when he looked at the sky, he didn`t have the faintest idea
what the weather was going to be like.
Nevertheless, to be on the safe side, he replied to his tribe that the
winter was indeed going to be cold and the members of the village should
collect wood to be prepared.
But also being a practical leader, after several days he got an idea. He
went to the phone booth, called the National Weather Service and asked , “Is
the coming winter going to be cold?” – “It looks like this winter is going
to be quite cold indeed,” the meteorologist at the weather service responded.
So the chief went back to his people and told them to collect even more wood
in order to be prepared.
A week later he called the National Weather Service again. “Is ist going to
be a very cold winter?” - “Yes,” the man at the National Weather Service
again replied, “it`s going to be a very, very cold winter.”
The chief again went back to his people and ordered them to collect every
scrap of wood they could find.
Two weeks later he called the National Weather Service again. “Are you
absolutely sure that the winter is going to be very cold?” - “Absolutely,”
the man replied. “It`s going to be the coldest winter ever.”
“How can you be so sure?” the chief asked.
The weatherman replied. “The Indians are collecting wood like crazy.”
Zum Anfang
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Room Service: |
"Morny.
Ruin sorbees" |
|
Guest: |
"Sorry, I thought I dialed room-service" |
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Room Service: |
"Rye..Ruin
sorbees..morny! Djewish to odor sunteen??" |
|
Guest: |
"Uh..yes..I'd
like some bacon and eggs" |
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Room Service: |
"Ow
July den?" |
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Guest: |
"What??" |
|
Room Service: |
"Ow
July den?...pry, boy, pooch?" |
|
Guest: |
"Oh, the eggs! How do I like them? Sorry, scrambled please." |
|
Room Service: |
"Ow
July dee bayhcem...crease?" |
|
Guest: |
"Crisp will be fine." |
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Room Service: |
"Hokay.
An San toes?" |
|
Guest: |
"What???" |
|
Room Service: |
"San toes. July San toes?" |
|
Guest: |
"Uhh...
I don't think so" |
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Room Service: |
"No? Judo one toes??" |
|
Guest: |
"I feel really bad about this, but I don't know what 'judo one toes'
means." |
|
Room Service: |
"Toes! toes!...why djew Don Juan toes? Ow bow singlish mopping we bother?" |
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Guest: |
"Oh, English muffin!! I've got it! You were saying 'Toast.'
Fine." Yes, an English muffin will be fine." |
|
Room Service: |
"We bother?" |
|
Guest: |
"No. Just put the bother on the side." |
|
Room Service: |
"Wad?" |
|
Guest: |
"I mean butter...just put it on the side." |
|
Room Service: |
"Copy?" |
|
Guest: |
"Sorry???" |
|
Room Service: |
"Copy...tea...mill?" |
|
Guest: |
"Yes. Coffee please, and that's all." |
|
Room Service: |
"One Minnie. Ass ruin torino fee, strangle ache, crease baychem,
tossy singlish mopping we bother honey sigh, and copy....rye??" |
|
Guest: |
"Whatever you say." |
|
Room Service: |
"Tendjewberrymud." |
|
Guest: |
"You're welcome |
Eine kleine
Pisa-Geschichte
Vor einiger Zeit verabredete die bundesdeutsche Schulgemeinschaft ein
jährliches Wettrudern gegen die finnische Schulgemeinschaft, welches auf dem
Rhein ausgetragen werden sollte.
'Als der große Tag kam, waren beide Mannschaften topfit, doch die Finnen
gewannen das Wettrudern mit einem Vorsprung von einem Kilometer.
Nach dieser Niederlage war das bundesdeutsche Team sehr betroffen und die
Moral sank auf den absoluten Tiefpunkt. Die Schulverantwortlichen
entschieden, dass der Grund für diese blamable Niederlage unbedingt
herausgefunden werden musste.
Ein Länder
übergreifendes Projektteam wurde eingesetzt, um das Problem zu untersuchen
und um geeignete Abhilfemaßnahmen zu empfehlen.
Nach langwierigen Analysen fand man heraus, dass bei den Finnen acht Mann
ruderten und ein Mann steuerte, während es im deutschen Ruderboot genau
anders herum war. Die Schulverantwortlichen engagierten nun internationale
Experten, die eine Studie über die Struktur des bundesdeutschen Teams
anfertigen sollten. Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kamen die
Experten zu dem Schluss, dass im bundesdeutschen Team zu viele Leute
steuerten und zu wenige ruderten.
Um einer weiteren Niederluge gegen die Finnen vorzubeugen, wurde die
Teamstruktur geändert. Es gab nun vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute,
einen Steuerdirektor und einen bundesministerialen Steuerdirigenten - und
einen Ruderer.
Um dem Ruderer mehr Leistungsanreize zu geben, wurde ein völlig neues
Leistungsbewertungssystem eingeführt und es wurde herumerzählt, dass man in
höheren Kreisen in Erwägung zöge,den Aufgabenbereich des Ruderers zu
erweitern und ihm mehr Verantwortung zu übertragen.
Im nächsten Jahr gewannen die Finnen mit einem Vorsprung von zwei
Kilometern. Folgen:
Die Schulverantwortlichen versetzten den Ruderer wegen schlechter Leistung,
verkauften die Ruder und stoppten alle Investitionen für ein neues Boot. Den
Schulverantwortlichen wurde dafür durch die Landesregierung Lob
ausgesprochen und das eingesparte Geld den Experten als Leistungsprämie
ausbezahlt. Es wird daran gearbeitet, die Studiengänge für Steuerleute
inhaltlich völlig neu zu gestalten, die Qualifikationsebene des zukünftigen
Ruderers nach unten zu korrigieren und gleichzeitig eine Arbeitszeiterhöhung
um 100% für ihn durchzusetzen.
Verfasser unbekannt
Vorschulkindern wurde das gleiche Bild gezeigt
und genau die gleiche Frage gestellt.
90% von ihnen gaben diese Antwort:
"Der Bus fährt nach links"
Auf die Frage "Warum glaubst du, dass der Bus nach links fährt?"
antworteten sie: "Weil man die Tür nicht sehen kann, um in den Bus
einzusteigen!"
Wie fühlst du dich jetzt???

Ich weiß, ich auch...
Wader und
Wecker
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Bei
Anregungen, Ergänzungen, Verbesserungen
Gästebuch - oder
E-Mail
© gerhard wellmann, 2006 |