Hokus Pokus: Aus neu
wird alt
Es schneit in den Bergen. Unzählige Schneeflocken rieseln als Ansammlungen
von fein verzweigten Eiskristallen zu Boden und bilden eine lockere
Neuschneedecke. Solche Eiskristalle kennst du sicherlich unter dem
Namen "Schneesternchen". Im Laufe der Zeit macht die Neuschneedecke eine
Umwandlung oder so genannte Metamorphose (siehe Kasten unter
diesem Abschnitt!) durch (von griechisch metamorphóo = umgestalten).
Die fein verzweigten Strukturen der Eiskristalle der Schneedecke werden im
Laufe der Zeit abgebaut. Dies geschieht einerseits durch abschmelzen der
feinen Verzweigungen der Schneesternchen bei Sonnenschein und wieder
gefrieren, wenn es kälter wird. Hinzu kommt der Vorgang der so genannten "Sublimation".
Damit wird der direkte Übergang vom festen zum gasförmigen Zustand des
Wassers bezeichnet. Normalerweise schmelzen Eiskristalle erst einmal. Dann
verdunstet das Schmelzwasser und geht somit in den gasförmigen Zustand über.
Bei der Sublimation wird der Schritt des Schmelzens ausgelassen.
Zuvor verzweigte Kristalle erhalten durch diese Vorgänge eine Kornform und
die Schneedecke verdichtet sich allmählich zu körnigem Altschnee.
Man sagt auch, die Schneedecke "setzt" sich. Irgendwann schneit es wieder
und es entsteht abermals eine Neuschneedecke, die diesmal jedoch über dem
Altschnee liegt.

Schneemetamorphose |
Frisch gefallener Schnee ist ein verzahntes Gerüst
von Neuschneekristallen mit einem hohen Luftgehalt. Sofort nach der
Ablagerung fängt die Umwandlung der Schneedecke an. Durch
unterschiedliche Wasserdampfkonzentrationen in der Schneedecke wandeln
sich die Schneekristalle bei einem kleinen Temperaturgradienten mit der
abbauenden Metamorphose langsam zu körnigem Altschnee mit
Korndurchmessern von <0.5 mm um. Dabei setzt und verfestigt sich die
Schneedecke. Bei einem mittleren oder großen Temperaturunterschied
innerhalb der Schneedecke findet eine aufbauende Metamorphose, also eine
Vergrößerung der Schneekristalle statt. Es bilden sich eckig-kantige
Strukturen, die dann in kristalline Hohlformen, so genannte
Becherkristalle, übergehen können. Schneeschichten, die Becherkristalle
enthalten, sind schwach und wenig belastbar. Bei der
Nassschneemetamorphose, die bei einer Erwärmung auf 0°C anlaufen kann,
bildet sich ein Schmelzwasserfilm an den Körnern. Dadurch sinkt die
Festigkeit des Schnees.
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Gerangel am Hang:
kriechen, ziehen und drücken
Auf einer geneigten Unterlage setzt sich eine Schneedecke bei ihrer
Umwandlung nicht nur lotrecht, also von oben nach unten, sie kriecht auch
ganz langsam den Hang hinab. Durch den Wechsel von Mulden und kleinen
Erhebungen auf der Hangoberfläche treten innerhalb der Schneedecke Zug- und
Druckkräfte, also "Spannungen" auf. Das ist so, als wenn du eine Knetstange
verbiegst. Die Knete wird dann außen an der Biegung gezogen und auf der
gegenüberliegenden Seite zusammengedrückt.
Bei der Schneedecke kommt noch etwas hinzu: Die einzelnen Schichten, die
eine Schneedecke aufbauen, kriechen unterschiedlich schnell. Zwischen
den Schneeschichten treten somit ebenfalls Kräfte oder Spannungen auf.
Die Stabilität einer Schneedecke am Berghang hängt nun vom Verhältnis der
auftretenden Spannungen zur jeweiligen Festigkeit des Schnees ab. Anders
gesagt: Je fester der Schnee zusammenhält, desto mehr Druck- und Zugkräfte
verträgt die Schneedecke, ohne am Hang abzureißen.
Die Festigkeit zwischen zwei Schneeschichten nennt der Lawinenfachmann
Scherfestigkeit, also die Festigkeit gegen abscheren, was so viel
wie abschieben oder abreißen bedeutet. Die Scherfestigkeit der Schneedecke
beruht auf chemischen Bindungskräften zwischen den Eiskristallen oder
Eiskörnchen, der so genannten Kohäsion, und auf Reibung
zwischen ihnen. Hinzu kommt das Gewicht des Schnees, der die
Schneedecke sozusagen auf den Hang presst. Aber je steiler der Hang, um so
mehr wirkt auch die talwärts gerichtete Schwerkraft, welche die Schneedecke
den Hang hinab ziehen will. Daraus ergibt sich eine zunehmende
Lawinengefahr mit steigender Hangneigung bei gleichzeitig anwachsender
Schneedecke.
Besonders gefährlich wird es, wenn innerhalb einer Schneedecke "schwache
Zwischenschichten" auftreten, die millimeterdünn sein können. Sie entstehen
auf der Oberfläche des Altschnees, bevor er wieder von Neuschnee überdeckt
wird. Durch den Vorgang der Sublimation können sich neue Eiskristalle
bilden, die aussehen wie winzige Becher oder Plättchen. Diese neu
entstandenen Eiskristalle haften untereinander nicht und rieseln, wenn man
sie auf die Hand nimmt, wie Zucker durch die Finger. Eine Schneeschicht aus
diesen Kristallen heißt "Schwimmschnee".
Null Bock auf Bindung: Mach dich ab!
Wenn nun Neuschnee fällt, liegt die Neuschneedecke auf dem Schwimmschnee,
der sie nicht mit dem Altschnee verbinden kann. Das wäre so, als wenn du
zwischen zwei Holzbretter Murmeln legst. Der Schwimmschnee hebt die
Scherfestigkeit zwischen Alt- und Neuschnee praktisch wie ein Kugellager auf.
Eine Schneeschicht über einer schwachen Schicht aus Schwimmschnee wird dann
nur noch von der Zug- und Druckfestigkeit an ihrem oberen und unteren Ende
gehalten. Nun genügt eine Erschütterung durch einen Skifahrer, ein Reh oder
eine Gemse, und schon donnert eine Schneebrettlawine den Hang hinab.
Staublawinen
Staublawinen bestehen aus lockerem Schnee und erreichen Geschwindigkeiten
von mehr als 350 Kilometer pro Stunde. Wälder werden beim Abgang solcher
Lawinen regelrecht umgemäht, Dächer von Häusern abgerissen und Fenster
eingedrückt. Geraten Menschen in eine solche Lawine, sterben sie oft
dadurch, dass ihnen das Schnee-Luft-Gemisch mit hohem Druck in die Lungen
gepresst wird. Hier drei Fotos von Staublawinenabgängen:
Die
Kettenreaktion
Staublawinen gehören zu den Lockerschneelawinen, die immer punktförmig
beginnen. Wenn es stark geschneit hat, ist die Gefahr für Staublawinen am
größten. An irgendeiner Stelle eines Berghanges rutscht die weiße Pracht
nach heftigem Schneefall ab. Durch Luftturbulenzen an der Vorderseite der
noch kleinen Lawine wird Schnee verwirbelt und regelrecht zu Pulver
zerstäubt. Es kommt in der Folge zu immer mehr Turbulenzen, die noch mehr
Schnee aus der Umgebung der Lawine in die aufgewirbelte Schneewolke
hineinziehen. In einer Kettenreaktion wird die Lawine immer größer und
schneller. Durch den raschen Abgang einer Staublawine wird die Luft vor ihr
zusammengedrückt, also komprimiert. Das führt zur Ausbildung von so
genannten Verdichtungswellen. Sie eilen der Lawine voraus und können Fenster
und Türen eines Gebäudes eindrücken. Deutlich größer ist aber der Druck des
Luft-Schneegemisches. Er kann sieben Tonnen pro Quadratmeter erreichen.
Bilderfolge eine Staublawinenabgangs (PowerPoint)
2. Lawinenforschung
Lawinen bedrohen Menschen seit sie Hochgebirge besiedeln oder überqueren.
Lawinen nährten den Aberglauben der Menschen im Hochgebirge. Man sah in
ihnen teuflische Waffen, die nur durch das Läuten der Kirchenglocken
aufzuhalten waren. Ungeachtet dessen, sammelte sich über Jahrhunderte immer
mehr Wissen über Lawinen durch Beobachtungen und leidvolle Erfahrungen der
Bergbewohner an. Die wichtigste Aufgabe der Lwinenforschung ist die
Entwicklung von Methoden, die zum Schutz des menschlichen Lebensraumes vor
Lawinen dienen.
3.
Lawinengefahr
Höchste Lawinengefahr besteht, wenn im Gebirge sehr viel Neuschnee
fällt. Kritisch ist dabei immer der erste schöne Tag im Anschluss an eine
Schlechtwetterperiode. Wenn es während der Schneefälle windig ist,
werden die Schneemassen aufgewirbelt und im Lee, also in Windschatten von
Berghängen, abgelagert. Es entstehen gefährliche Ablagerungen von so
genanntem Triebschnee. Sie sind der ideale Ausgangsort für
Schneebretter. Schon zehn bis 20 Zentimeter Neuschnee in einer Zeitspanne
von drei Tagen können zu einem Anstieg der Gefahr durch Schneebrettlawinen
führen.
Anhaltend tiefe Temperaturen nach Neuschneefällen können die Lawinengefahr
lange Zeit aufrechterhalten, weil dadurch eine ausreichende Verfestigung der
Schneedecke verzögert wird. Im Frühjahr erhöht sich die Lawinengefahr mit
zunehmender Sonneneinstrahlung. Der Schnee wird dann schwer und nass. Auch
glatte Felsplatten, Grashänge und belaubter Boden in einem lichten Wald sind
ideale Bewegungsflächen für die Schneedecke. Bereits geringe Störungen
können hier den Abgang einer Schneebrettlawine auslösen.
Grashänge und belaubter Boden in einem lichten Wald sind ideale
Bewegungsflächen für die Schneedecke.
Die größte Lawinengefahr liegt bei einer Hangneigung zwischen 28 und 45
Grad. Auf flacheren Hängen kann der Schnee nicht in gefährliche Bewegungen
geraten. Eine seltene Ausnahme besteht bei extremem Schneedeckenaufbau mit
großen Mengen an "Schwimmschnee". Dann können Schneebrettlawinen schon bei
zehn Grad Neigung entstehen. An Wänden mit 50 bis 60 Grad Neigung bleibt
Schnee nur in geringem Umfang liegen, so dass die Lawinengefahr wieder
geringer wird.
Bei Lockerschneelawinen liegt die minimale Hangneigung, die zu ihrer
Auslösung notwendig ist, bei etwa 35 Grad. Besonders häufig treten sie bei
Hangneigungen von über 40 Grad auf.
4. Lawinenkatastrophen
Die schlimmste Lawinenkatastrophe in den Alpen seit 1945 ereignete sich bei
Garmisch-Partenkirchen im Jahre 1965. Damals kamen 100
Menschen ums Leben, als eine ungeheure Staubschneelawine ein Hotel völlig
verschüttete.
Im Februar 1999 führten gewaltige Schneemengen und stürmisches Wetter zum
Abgang von verheerenden Katastrophenlawinen im Schweizer Kanton Wallis und
im Tiroler Paznauntal. Zahlreiche Todesopfer unter den Einheimischen und
Touristen waren in den Ortschaften Evoléne und Galtür zu
beklagen. Hoch über Galtür hatte sich am Nachmittag des 23. Februar 1999 vom
2.700 Meter hohen Grießkogl ein gewaltiges Schneebrett gelöst. Es
verwandelte sich zu einer riesigen Staublawine, die mit einer Breite von
mehr als 400 Metern in den Ort hinabraste. Dort kam die Lawine nahe der
Kirche mitten im Ort zum Erliegen. Einen Tag später donnerte nahe dem Ort
eine weitere Lawine zu Tal. Insgesamt starben 38 Menschen in den
Schneemassen. Die nach den heftigen Lawinenabgängen im eingeschlossenen
Galtür verbliebenen Menschen wurden mit einer Hubschrauber-Luftbrücke
versorgt, und man begann Einheimische und Touristen zu evakuieren. Es war
die schwerste Katastrophe, die das österreichische Bundesland Tirol seit dem
Zweiten Weltkrieg erlebt hat.
5. Lawinentypen
Seit man sich wissenschaftlich mit Lawinen beschäftigt, hat man versucht,
ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen zu typisieren. Heute unterscheidet
man Lawinen nach der Form des Anrisses, der Form der Bewegung, der Lage der
Gleitfläche, der Form der Bahn, der Feuchtigkeit der abgehenden
Schneemassen, der Bahnlänge, der Art des Schadens und nach der Art des
anbrechenden Materials.
Form des Anrisses
Nach der Form des Anrisses werden Schneebrettlawinen und Lockerschneelawinen
(zum Beispiel Staublawinen) unterschieden.
Bewegungsform
Bei der Bewegungsform unterscheidet man Fließlawinen und Staublawinen.
Letztere sind Spezialformen der Lockerschneelawinen. Sie stürzen mit mehr
als 350 Kilometer pro Stunde talwärts. Fließlawinen erreichen dagegen nur
Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde.
Tiefenlage der Gleitfläche
Durch die unterschiedliche Tiefenlage ihrer Gleitflächen unterscheidet man
bei Lawinen zwischen Oberlawinen und Boden- oder Grundlawinen. Oberlawinen
haben Gleitflächen innerhalb der Schneedecke, die durch unterschiedlich
aufgebaute Schneeschichten bedingt sind. Bodenlawinen gleiten entlang der
Geländeoberfläche ab.
Form der Bahn
Es gibt flächige und kanalisierte Lawinenbahnen. Flächige Bahnen von
Schneebrettlawinen können bisweilen ganze Bergflanken umfassen. Kanalisierte
Lawinen bewegen sich in Rinnen und Gräben am Hang.
Feuchtigkeit des Schnees
Je nach der Feuchtigkeit des abgehenden Schnees unterscheidet man
Trockenschneelawinen und Nassschneelawinen.

Nassschneelawine
Bahnlänge
Nach der Länge einer Lawinenbahn werden Tallawinen und Hanglawinen, die am
Hangfuß zum Stillstand kommen, unterschieden.
Art des Schadens
Werden Skifahrer oder Alpinisten von Lawinen erfasst, so spricht man von
Touristen- oder Skifahrerlawinen. Kommt es zu Schäden an Gebäuden,
Verkehrswegen oder Wald, spricht man von Katastrophen- oder Schadenlawinen.
Material
Letztes Kriterium zur Klassifikation von Lawinen ist die Art des
abbrechenden Materials. Ist es ausschließlich Schnee, bezeichnet man die
Lawine als Schneelawine. Gletschereis, das sich unmittelbar nach einem
Eissturz oder einem Gletscherabbruch auf seiner Talfahrt völlig in
Bruchstücke und Staub auflöst, wird als Eislawine bezeichnet. (Zusammengefasste
Übersicht hier!)
Schema
Lawinenniedergang:
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Anrissgebiet:
Das Anrissgebiet ist der Ausgangspunkt einer Lawine. Lawinen lösen sich
bei Hangneigungen von ca. 30-50°. Ist der Anriss punktförmig, spricht
man von einer Lockerschneelawine, ist er linienförmig und scharfkantig,
handelt es sich um eine Schneebrettlawine.
Sturzbahn:
Die Sturzbahn ist das Bewegungsgebiet einer Lawine. Sie kann flächig
oder in Runsen konzentriert sein.
Ablagerungsgebiet:
Das Ablagerungsgebiet ist die Zone, wo die Lawine ausläuft
und schließlich zum Stillstand kommt. Dies geschieht bei Hangneigungen
unter 10-20° oder wenn die Lawine auf einen Gegenhang trifft. Die Länge
der Auslaufstrecke ist dabei abhängig von der Schneebeschaffenheit und
der Geschwindigkeit der Lawine zu Beginn der Auslaufstrecke. Der
abgelagerte Schnee wird als Lawinenkegel bezeichnet.
|
6.
Lawinenverbauung
Bergwälder stabilisieren die Schneedecke und verhindern, dass
sie als Lawine zu Tal donnert. Wälder bremsen oberhalb von ihnen abgegangene
Lawinen und bringen die Schneemassen zum Stehen. Dieser Schutz reicht aber
häufig nicht mehr aus. In den Alpen und anderen Hochgebirgen hat der Mensch
durch Kahlschläge die Lawinengefahr über Jahrhunderte
verstärkt. Zum Schutz von Siedlungen und Verkehrswegen musste man daher zu
Lawinenverbauungen greifen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden Lawinenverbauungen noch mit Rundhölzern
errichtet. Heute sollen Stützwerke aus Metall und Beton aber auch
Schneenetze verhindern, dass Lawinen entstehen, die Siedlungen und
Verkehrswege gefährden. Meist sind solche Maßnahmen, die ein Abbrechen von
Lawinen völlig unterbinden, zu teuer und daher unwirtschaftlich. So kann
eine entstandene Lawine auch mit Auffangdämmen oder Bremshöckern aus Beton
verzögert und sogar gestoppt werden.
Der
Bergwald (Bild unten links) schützt die Menschen in den Tälern vor Lawinen -
solange er gesund ist. Wälder, die wegen des dringend notwendigen
Lawinenschutzes unter strengem Schutz vor dem Abholzen stehen, nennt man
Bannwälder.
So genannte Leitdämme lenken gefährliche Schneemassen in
Bereiche um, in denen sie keinen Schaden mehr anrichten können. Straßen und
Eisenbahnstrecken können durch so genannte Lawinengalerien
geschützt werden. Die Lawinen fließen dann, ohne Zerstörungen zu verursachen
und Menschen zu gefährden, über die Verkehrswege hinweg. Schließlich können
die Mauern von Häusern derart verstärkt werden, dass sie auch größeren
Lawinen standhalten. Keilförmige und damit abweisende Schutzmauern können
Häuser auch schützen (Bild unten rechts).
|
Zusammenhang von
Klimawandel und Lawinenkatastrophen
Der Ausbau des Wintertourismus in höheren Regionen bringt Menschen näher
zu hochalpinen Gefahrenquellen
Galtür/Wien -
Greenpeace warnt vor einer zunehmenden Gefährdung der Bevölkerung des
Alpenraums und von Wintertouristen durch die Auswirkungen des
Klimawandels im Alpenraum. Obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen
der bereits beobachteten Klimaänderung und der Häufigkeit und
Zerstörungskraft von Lawinen nicht nachgewiesen werden kann, entspricht die
Zunahme von Extremereignissen den Voraussagen zum weltweiten Klimawandel.
"Natürlich eignen sich Jahrhundertereignisse wie die beobachteten
Lawinenabgänge nicht so gut wie z.B. der Gletscherrückgang, um von einer
Klimaveränderung im Alpenraum sprechen zu können", präzisiert Erwin Mayer,
Klimaexperte von Greenpeace Österreich. "Die Gefahr liegt in der Tatsache,
dass speziell die höher gelegenen Tourismusgemeinden in den letzten
Jahrzehnten die weitaus stärksten Zuwachsraten bei den Nächtigungen
aufweisen", betont Mayer.
Speziell die Gemeinden im Westen von Tirol - somit auch das Paznauntal in
dem Galtür liegt - gehören neben Salzburg zu den stärksten Gewinnern im
Wintertourismus.
Greenpeace hat die Auswirkungen des Klimawandels auf die Alpenregion, im
speziellen auf den Wintertourismus, im Rahmen einer Studie "Die Alpen im
Treibhaus" untersucht. Danach ist die "Flucht" des Wintertourismus in höhere
Regionen hauptsächlich auf den bereits beobachtbaren Klimawandel
zurückzuführen. Die Erwärmung der Alpen (1 Grad C im letzten Jahrhundert)
ist deutlich höher als im globalen Durchschnitt (0.6 Grad C) und im Winter
stärker als im Sommer. Neben den Auswirkungen höherer Temperaturen auf die (Fichten)-Wälder
und den Gletscherschwund hat sich vor allem gezeigt, dass der Tourismus in
den niedrigeren Regionen, das heißt unter 1500 m Höhe, zu den mittel- und
langfristigen Verlierern gehören wird. In höheren Regionen, also über 1500
Metern, befindet man sich aber bereits in der Nähe der Baumgrenze, die den
natürlichen Schutz vor Lawinen in den tieferen Regionen limitiert. Auch die
Exponiertheit gegenüber dem Wind, der Lawinenabgänge begünstigen kann, nimmt
mit der Höhe zu.
"Galtür, das in einer Höhe von knapp 1600 Metern liegt, ist ein typisches
Beispiel für diese Entwicklung. Allgemein lässt sich sagen, dass es aufgrund
der touristischen Entwicklung leider in Zukunft immer wahrscheinlicher wird,
dass der Alpenraum von Lawinenkatastrophen betroffen sein wird," fürchtet
Greenpeace-Experte Mayer.
Greenpeace fordert daher kurzfristige Sofortmaßnahmen zum Schutz der
Wintertouristen und der Bevölkerung des Alpenraums. Ein unbedingter
Ausbaustopp für Tourismusinfrastruktur in gefährlichen Risikozonen muss
Vorrang vor kurzfristigen Profitinteressen haben. "Die Hoffnung aber, die
Lawinengefahr mit Lawinenschutzverbauungen zu bannen, ist angesichts der
Kosten von ca. 100 000 Schilling pro Meter Lawinenverbauung vollkommen
unrealistisch" so Mayer weiter. Österreich muss, als einer der vom
Klimawandel hauptbetroffenen Staaten, endlich eine Vorreiterrolle bei der
Reduktion der Treibhausgase spielen, um dem Klimawandel in den Alpen Einhalt
zu gebieten.
Greenpeace drückt allen Opfern der Lawinenkatastrophe von Galtür seine
Anteilnahme aus. Greenpeace hatte im November 1998 mit einer sechstägigen
Aktion am Gipfel des Piz Buin auf die Gefahren des Klimawandels in den Alpen
aufmerksam gemacht. Das Basislager befand sich in Galtür. "Wir wurden bei
unserer Aktion von den Einwohnern von Galtür tatkräftig unterstützt. Wir
sind tief erschüttert", sagt Mayer abschließend.
Quelle: Greenpeace |