Hochwasser
Wie Hochwasser entsteht
Die bekannten höchsten Hochwasserstände ausgewählter Flüsse
Der Einfluss des Menschen auf die Entstehungsbedingungen von Hochwasser
Wie sich Hochwasser auf die Umwelt auswirkt
Schutzmaßnahmen vor Überschwemmungen
Hochwasserkatastrophen
Weitere Informationen
Hochwasser
Hochwasser oder Überschwemmungen sind Teil der natürlichen Abläufe auf der
Erde. Solche Naturereignisse können extrem sein mit katastrophalen
Auswirkungen, indem sie dem Menschen und auch den Landschaften schwere
Schäden zufügen. Bestimmte Gegenden in der Welt sind der Gefahr von
Hochwasser stärker ausgesetzt als andere.
Die mit Häusern und Straßen zubetonierte Landschaft erschweren das
Versickern von Wasser. Die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens hat sich
in den letzten Jahrzehnten um rund 30% verringert. Die vielerorts
begradigten Wasserläufe treten leichter über die Ufer als
naturbelassene Flüsse.
Der Mensch, darin sind sich Umweltexperten einig, hat durch seine Eingriffe
in die Natur die Häufigkeit und das Ausmaß der Schäden von
Hochwasserereignissen beeinflusst: Eindeichungen, Flussbegradigungen,
Trockenlegung von Hochmooren und die Versiegelung der Böden zählen zum
Sündenregister. Weitaus schneller als früher lässt jetzt starker Regen die
Flüsse ansteigen.
Wie Hochwasser entsteht
Hochwasser kann in unseren Breiten zu allen Jahreszeiten auftreten.
Statistisch betrachtet führt z.B. der Rhein jährlich 1,5-, die Elbe 1,7-,
die Oder 2- und die Donau 3-mal Hochwasser. Die Wissenschaftler
unterscheiden ein Sommerhochwasser und ein
Winterhochwasser. Das Sommerhochwasser kann nach sommerlichen
Starkregen, z.B. bei Gewittern, auftreten. Besonders anfällig dafür sind
kleine Einzugsgebiete, etwa Quellgebiete im Gebirge. In kurzer Zeit steigt
das Hochwasser an und fließt mit hohen Wassermengen ab. Für das so genannte
Winterhochwasser ist kennzeichnend, dass Niederschläge und/oder
Schneeschmelze große Abflussmengen verursachen und diese langsam ansteigen
und abfallen. Das Abflussgebiet im Unterlauf ist dann besonders gefährdet,
wenn die hohen Wasserstände mehrerer Flussläufe zusammentreffen.
In den verschiedenen Klimazonen und Flussgebieten sind Hochwasser
unterschiedlich häufig. In Mitteleuropa kommen Hochwasser am
häufigsten in den ersten Sommermonaten vor. Gegenden mit regelmäßiger
Schneeschmelze am Ende des Winters haben meist im Frühling Hochwasser,
während tropische Gebiete in der Regenzeit von Hochwasser heimgesucht
werden. So sind auf der Nordhalbkugel in den Tropen die größten Durchflüsse
in den Monaten Juli bis September zu verzeichnen. Der Ganges, der Blaue Nil
und der Irrawaddy haben ihre größten Durchflüsse im August. Auf der
Südhalbkugel liegen
entsprechend den Regenzeiten die Durchflussspitzen in den Monaten Februar
bis April. Der Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser ist eine völlig normale
Erscheinung. Zur unberechenbaren Gefahr wird ein Fluss, wenn er in
besiedelten Gebieten außerordentliche Hochfluten bildet, für die der Mensch
nicht oder nur unzureichend vorgesorgt hat.
Ist das Speichervolumen des Erdbodens ausgenutzt, der Boden also mit Wasser
gesättigt, z. B. in unseren Breiten nach einer längeren Niederschlagsperiode
im November/Dezember, und fällt erneut starker Niederschlag, so passiert
Folgendes: Als wäre der Boden mit Asphalt versiegelt, muss das gesamte
Niederschlagswasser oberflächig in Bäche und Flüsse abfließen. Das Wasser
sammelt sich in den Bächen, kann aber nicht so schnell abfließen, so dass es
zur Bildung einer Hochwasserwelle kommt. Eine typische Wettersituation
hierfür ist der Wechsel zwischen Schnee bringenden Kaltfronten und Schnee
schmelzenden Warmfronten mit zusätzlichen hohen Niederschlägen. Das
Weihnachtshochwasser 1993 am Rhein war zum Beispiel so entstanden. Bei jedem
Hochwasser kommt es zu einem raschen Anstieg des Wasserstandes im Fluss.
Bei Katastrophen besteht die Gefahr, dass der unzureichend regulierte Fluss
sein natürliches Überschwemmungsgebiet zurückerobern will. Im Gebirge
genügen schon räumlich sehr begrenzte Unwetter, um sogar Bäche zerstörerisch
anschwellen zu lassen. Der geringe Querschnitt des Flussbettes,
besonders in eng und tief eingeschnittenen Tälern, verleiht der Flutwelle
eine ungeheure Kraft. Aufgrund des starken Gefälles wälzt sich das Wasser
besonders schnell zu Tal. Wo es über die Ufer tritt, vermag es, unterstützt
durch die Gewalt des mitgeführten Gerölls, Häuser und Brücken rasant
hinwegzumähen. Das Unglück vollzieht sich oft blitzschnell.
Völlig anders entwickelt sich eine Hochflut in den riesigen Strömen des
Tieflandes. Die Hochflut baut sich allmählicher und in einem
größeren Einzugsgebiet auf. Eine vereinzelte Hochwasserwelle im Oberlauf
eines Nebenflusses, so verheerend sie sich lokal auswirken kann, wird im
Unterlauf des Hauptflusses kaum spürbar. Um eine Hochflut in den Unterläufen
zu erzeugen, bedarf es einer viel umfangreicheren Wasserzufuhr. Ungewöhnlich
starke Niederschläge müssen über einen längeren Zeitraum über einem weiten
Teil des Einzugsgebietes niedergehen. Hochfluten der Nebenflüsse müssen sich
im Hauptfluss sammeln. Die Gefahr für das Zustandekommen solcher Hochfluten
ist besonders dann gegeben, wenn der Fluss bereits zu einer Zeit, in der er
normalerweise Niedrigwasser führt, mehr Wasser als gewöhnlich enthält und
ihm in der nun folgenden üblichen Zeit des Hochwassers durch hohe
Niederschläge abermals überdurchschnittlich große Abflussmengen zugeleitet
werden. Durch diese schrittweise Steigerung kündigt sich das Entstehen eines
außergewöhnlichen Hochwassers bereits Wochen vorher warnend an. Kommt es
dann zur Herausbildung einer Flutwelle, überrollt sie das Tiefland nicht
schlagartig. Man kann sogar aufgrund der hydrographischen Verhältnisse in
den Ober- und Mittelläufen ihr Eintreffen recht exakt vorhersagen.
Die größten und verheerendsten Überschwemmungen gehen von Flüssen aus, die
nach anhaltenden oder plötzlichen Regengüssen oder jäh einsetzender
Schneeschmelze angeschwollen sind. Die Durchlässigkeit des Bodens, der
starke Regenfälle aufnimmt, entscheidet als bestimmender Faktor über die
Menge des den Flüssen zugeführten Oberflächenwassers. Wenn die
Bodenoberfläche noch gefroren ist, können bereits geringe Niederschläge
große Hochwasser verursachen.
Abschließend lassen sich als Ursachen für Hochwasser und
Überschwemmungen folgende Bedingungen festhalten:
-
anhaltend starke Regenfälle
-
Schneeschmelze
-
Damm- und/oder Deichbrüche
-
Küstenüberschwemmungen durch Sturmfluten und Seebeben (Tsunamis)
-
Bruch eines Gletscherbeckensees
-
Sinken der Küstenlinie infolge geologischer Landsenkung beziehungsweise
Steigen des Meeresspiegels
-
Speichervermögen des Einzugsgebietes ungünstig. Das Speichervermögen ist
abhängig von der Höhenlage, Hangneigung, Durchlässigkeit und
Wassersättigung des Bodens, Pflanzendecke
-
Wasserstau aufgrund von Erdrutschen und Eisgang im Mündungsgebiet
Der Einfluss des
Menschen auf die Entstehungsbedingungen von Hochwasser
- Oft löst der Mensch
aus Fahrlässigkeit oder in Unkenntnis der größeren Zusammenhänge
Hochwasserkatastrophen aus, verschlimmert oder beschleunigt sie:
Entwaldungen in Bergländern vernichten die natürliche Pflanzendecke, die
bisher das Erodieren des Bodens in den Hanglagen verhindert hatte, und
verschlimmern die Überschwemmungen im vorgelagerten Flachland.
- Gewässerausbau, u.a.
durch Flussbegradigungen und Wildbachverbauungen, wirkt sich dabei ebenso
verstärkend aus wie Versiegelung und Bebauung der Flussauen, der
natürlichen Überflutungsflächen, für den Bedarf an Gewerbe-, Wohn- und
Verkehrsflächen.
- Umwandlung von
Grünland in Ackerland. Der Einsatz von schwerem Arbeitsgerät und Düngung
fördert die Bodenverdichtung und führt zur Veränderung der Bodenstruktur.
Dadurch fließt Niederschlagswasser schneller in die Bachläufe ab.
- Zunehmende
Bevölkerungs- und Wohndichte in hochwassergefährdeten Gebieten, z.B. in
Bangladesch.
- Meeresspiegelanstieg
infolge Klimaerwärmung (u.a. durch Treibhauseffekt).
Wie sich Hochwasser auf die Umwelt auswirkt
Überschwemmungen haben auch positive Effekte: Dünge- und
Bewässerungseffekte (z.B. im Nildelta bis zum Bau des Assuandammes; ohne die
düngende und bewässernde alljährliche Überflutung der Felder durch den Nil
hätte sich in Ägypten wohl keine Hochkultur entwickeln können).
Je nach Bausubstanz überfluteter Gebiete und Wucht des Hochwassers entstehen
große Schäden im Siedlungsbereich und Transportwesen. Wenn
Überschwemmungen kurz vor Ernten auftreten, sind schlimmste Auswirkungen für
die Landwirtschaft und Ernährungslage zu befürchten. In der Geschichte
lösten Überschwemmungen immer wieder Hungerkatastrophen aus.
So sind häufig mehr Menschen wegen der Hungersnot gestorben als durch das
Hochwasser, besonders in China, wenn der Huang He oder der Chang Jiang über
die Ufer trat. Hochwasserkatastrophen werden zudem von Seuchengefahr
begleitet, indem verschmutztes, schlammiges Wasser eine gefährliche
Brutstätte für verschiedene Seuchen, wie Cholera, ist.
Schutzmaßnahmen vor Überschwemmungen
In Teilen Südostasiens und anderswo werden die Häuser auf Pfählen errichtet,
um sie vor den jährlichen Überschwemmungen zu schützen.
Überschwemmungen lassen sich durch Fluss- und Seedeiche eindämmen. Gräser,
Hecken und Bäume können gepflanzt werden, um den Boden zu stabilisieren. Die
Gefahr des oberflächlichen Abfließens von Regenwasser besteht überall dort,
wo die schützende Vegetationsdecke fehlt. Wald verzögert am meisten den
Abfluss und wirkt am intensivsten auf einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt
der Natur hin. Die lockere Struktur eines Waldbodens saugt die Niederschläge
wie ein Schwamm auf.
Wenn in die Flussläufe Wasserreservoire eingestreut sind, so wirken sie sich
auf das Abflussverhalten ausgleichend aus. So sammelt z.B. der Bodensee
einen erheblichen Teil des Sommerhochwassers, um sie allmählich wieder
abzugeben. In Nordamerika sind Bauvorhaben auf Überschwemmungsgebieten in
Zonen eingeteilt worden, so dass die am ehesten entbehrlichen Aktivitäten
dem Fluss am nächsten angesiedelt werden. Die kostspieligen Investitionen,
wie Industrie- und Wohnungsbau, werden in die sicherste Zone verlegt, die am
weitesten vom Fluss entfernt ist.
Hochwasserkatastrophen
Seit alters her haben die großen, verheerenden Hochwasser die Menschen
beschäftigt. Schon in alten Chroniken aus dem frühen Mittelalter kann man
Aufzeichnungen über außergewöhnliche Hochwasser finden. Auch die alten
Kulturen im Tal des Euphrat und Tigris und im Niltal haben uns solche
Angaben hinterlassen, wie in der Sintflutgeschichte der Bibel zum Ausdruck
kommt. Das Gleiche gilt von China. Auch bei uns in Mitteleuropa hat es z.B.
an der oberen Elbe zahlreiche verheerende Hochwasser gegeben. An den Ufern
der Elbe findet man in vielen Städten und Dörfern Hochwassermarken, die von
solchen Überschwemmungen künden.
Nach langjährigen Beobachtungen machen Überschwemmungen weltweit etwa
30 Prozent der Naturkatastrophen aus. Sie sind durchschnittlich mit
den meisten Todesopfern belastet.
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