Besuch des Landesmuseums in Kassel - Abteilung Steinzeit - 22.03.2005

|
Altsteinzeit (Paläolithikum)2,5
Millionen bis 125.000 |
||||
![]() |
Bevor die Menschen gezielt Knochen, Steine oder Holz bearbeiteten, um Waffen oder Geräte herzustellen, benutzten unsere allerersten Vorfahren Knüppel, Stöcke und unbearbeitete Steine als Waffe und Wurfgeschoss. Dieser hier zu sehende Chopper ist das früheste "Werkzeug" des Menschen. Er hat einen Stein zerschlagen, um eine scharfe Bruchkante zu erhalten. Es folgen dann grobe und immer deutlicher bearbeitete Faustkeile. | |||
Die ältere Altsteinzeit (Altpaläolithikum) begann mit den ersten
Steinwerkzeugen und dauerte bis zum Ende des mittleren Eiszeitalters (Mittelpleistozän)
vor etwa 125.000 Jahren. In der ausgehenden Altsteinzeit sah die
Landschaft in Mittel- und Nordeuropa (also auch bei uns) etwa so aus:
Weite Wiesenlandschaften, wenig bis kaum bewaldet, reichlich Nahrung für Großsäuger... Die Menschen lebten vom Sammeln und Jagen, zuerst sicher nur in Höhlen und unter Felsvorsprüngen, später dann in Hütten und Zelten. Mehr zu dieser Zeit hier. |
||||
| Mittlere Steinzeit (Mesolithikum) 125.000 - 12.000 | ||||
|
Die meisten Menschenreste
des Mesolithikums (Mittlere Steinzeit) gehören zur Gruppe der
Neandertaler. Sie lebten während der letzten Warmzeit und zu Beginn der
letzten Kaltzeit (Würm- Eiszeit). Das war etwa von 100.000 bis 30.000 vor unserer Zeitrechnung. Verschiedener Gruppen verwenden unterschiedliche Gerätearten. Als wichtige Kulturzeugnisse dieser Zeit ist eine größere Zahl von Bestattungen bekannt. Die Neandertaler müssen also der Existenz des Menschen nach dem Tode eine Bedeutung zugemessen haben. Vereinzelt haben sich in diesen Gräbern Steingerätbeigaben, roter Farbstoff oder Spuren von Blumen nachweisen lassen. Durch verheilte schwere Knochenbrüche an Skelettfunden wissen wir, dass auch Verletzte, die ohne Hilfe wohl gestorben wären, gepflegt worden sind. Im Bereich der Waffen und Werkzeuge zeichnet sich der technische Fortschritt nicht nur durch eine feinere Steinbearbeitung, sondern auch durch nachweisbare Schäftungen für Steinwerkzeuge aus. Lederbekleidung ist indirekt durch Fellschaber und Pfrieme zum „Nähen" erschließbar. Für das Ende des Mittelpaläolithikums sind die ersten Schmuckobjekte nachgewiesen. In der ausgehenden Altsteinzeit und in der mittleren Steinzeit haben die Menschen schon in Hütten oder Zelten aus Tierhäuten und Holzstangen oder Knochen gelebt. Auch ein bereits ziemlich aufwändiges Rundzelt gehört in diese Zeit: |
||||
|
|
||||
| In der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), die in Afrika und Südeuropa etwa um
125.000 v. Chr., in Nordeuropa etwas später begann, änderte sich das Klima
abrupt. Es wurde in großen Gebieten zunehmend wärmer, teilweise auch
feuchter. Aus den Alpen zogen sich die Gletscher zurück und das
skandinavische Festland hob sich unter abtauenden Eisblöcken an. Vor 8000
Jahren begannen sich in Nord- und Mitteleuropa Kiefern und Birken
anzusiedeln, ehe bei weiterer Erwärmung gegen Ende des Mesolithikums
Laubmischwälder mit reichem Tierbestand entstanden. Die Landschaft in
unserer Region hat etwa so ausgesehen: |
||||
![]() |
![]() |
|||
|
Die Menschen des
Mesolithikums lebten in der Tradition altsteinzeitlicher Jäger,
allerdings in der veränderten Umwelt der Nacheiszeit. Sie setzt in
verschiedenen Schüben mit dem Abschmelzen der nordischen Inlandeisgletscher
ein, wobei sich zunächst ein Mischwald aus Kiefern, Birken und Haselbüschen
ausbreitet. Später wandern die bekannten mitteleuropäischen Laubhölzer ein
und verhelfen unserem Raum zu einer dichten Walddecke, die nur durch
Niederungen mit sich dahin schlängelnden Flüssen und durch seltene
Brandflächen unterbrochen wird. Die Lebensweise der Bevölkerung richtete sich nach den jagdbaren Waldtieren (besonders Hirsch, Wildschwein, Ur und Reh) und den übrigen tierischen und pflanzlichen Nahrungsquellen (Fischfang, Sammeln von Wildfrüchten und Wildgemüsen). Das „Ernten" von Haselnüssen spielte eine besondere Rolle. Ihre Weiterverarbeitung zu „Kuchen" oder Brei kann vermutet werden; ihre Konservierung durch Anrösten ist archäologisch belegt. Man wohnte in ovalen Hütten, die leicht eingetieft waren, kannte aber auch rechteckige, aus Holz gebaute Behausungen. Der schon in der ausgehenden Altsteinzeit gezüchtete Hund war Begleiter des Menschen. Man jagte mit Pfeil und Bogen, mit Fischspeeren, Reusen, Netzen und Schlingen. Die Pfeilspitzen waren mit winzigen Steinschneiden (Mikrolithen) besetzt.
Zusammenfassung Mittelsteinzeit
|
||||
|
Achtung! Am Ende dieses Abschnitts gibt es Fragen, die du nach genauem Lesen
beantworten können musst! |
||||
|
Jungsteinzeit
(Neolithikum) 12.000 - 2.000 (Mitteleuropa) Die entscheidende Veränderung in der Geschichte der Menschheit ist der Übergang vom Nomaden- oder Teilnomadenleben zur Sesshaftigkeit. Um sesshaft werden zu können, muss die Ernährung durch Ackerbau und Viehzucht gewährleistet sein. |
||||
![]() |
||||
|
Entstehung der
bäuerlichen Wirtschaftsweise Mit dem Ende der Eiszeit zwischen 10.000 und 8000 v. Chr. vollzog sich in einigen Regionen der Türkei und des Nahen Ostens, dem sog. „Fruchtbaren Halbmond", ein entscheidender Wandel in der Lebensweise der Menschen: aus umherstreifenden Jägern und Sammlern wurden sesshafte Ackerbauern. Die Ursache hierfür lag in der Erschließung neuer Nahrungsquellen. Die stetige Erwärmung und der damit verbundene Rückzug der Eismassen schufen ein besonders günstiges Klima für bestimmte Wildgräser - die Vorläufer der heutigen Getreidesorten. Ihr hoher Nährwert und die Möglichkeit, begrenzt Vorräte anzulegen, waren Vorteile, die die Menschen bald nutzten. Die Beobachtung auskeimenden Getreides gab den Anstoß zur eigenen Aussaat. Einerseits war man nun von den Zufälligkeiten des Sammelns unabhängig, andererseits machten die Pflege und der Schutz des Getreides eine gewisse Sesshaftigkeit notwendig. In den gleichen Gebieten des Nahen Ostens begegneten die Menschen auch den Wildformen unserer heutigen Schafe und Ziegen. Schon zuvor hatte man ab und zu Tiere als „lebendigen Fleischvorrat" gehalten, Schaf und Ziege jedoch pflanzten sich in Gefangenschaft fort. Diese Beobachtung eröffnete die Möglichkeit, einen sich selbst ergänzenden Bestand von Tieren zu halten und in der Folge planvoll zu züchten (Domestikation). Eine solche Veränderung der Ernährungsgewohnheiten hatte erhebliche Folgen. So nahm die Bevölkerungszahl zu, da die Menschen in größerem Maß als zuvor von Mangelkrankheiten verschont blieben. Überall entstanden zwischen 9000 und 7000 v. Chr. im Nahen Osten und der Türkei kleine Dörfer und zum Teil sogar stadtähnliche Anlagen (Jericho, Catal Hüy-ük). Ab 7000 v. Chr. wurden Vorrats- und Kochgefäße aus gebranntem Ton üblich. Zu Schaf und Ziege traten als weitere Haustiere Schwein und Rind. Die bäuerliche Lebensweise breitete sich rasch aus: entlang der Mittelmeerküste bis nach Spanien, über Griechenland und den Balkan bis nach Mitteleuropa (Mitte 6. Jahrtausend). Ob und wann hier Menschen gewandert sind oder inwieweit vielmehr Handel und Austausch eine Rolle spielten, ist noch nicht geklärt. Eines aber steht fest: Sowohl Saatgut als auch Schaf und Ziege stammen letztlich aus dem Nahen Osten und sind von dort kultiviert und domestiziert schrittweise verbreitet worden, da überall sonst entsprechende Wildformen fehlen. Diesen neuen Leitabschnitt der Menschheitsgeschichte, der jetzt begann, nennen die Archäologen „Neolithikum" oder Jungsteinzeit". Mit dem Übergang zum Neolithikum kommt eine Entwicklung in Gang, die - gemessen an urgeschichtlichen Zeiträumen - geradezu explosionsartig zur modernen Zivilisation führt. 4 Millionen Jahre war der Mensch seit seinem Entstehen als Jäger und Sammler umher gestreift - nur 10.000 Jahre trennen die ersten Bauern von unserer heutigen Zeit! |
||||
|
|
Vorratswirtschaft war sehr
wichtig für sesshafte Bauern und Viehzüchter. Im Winter konnte nichts
geerntet werden - und das Saatgut für das Frühjahr musste sicher aufbewahrt
werden. Hier sieht man Tongefäße mit Hülsenfrüchten (Linsen, Erbsen,
Bohnen), man sieht Mohn und Leinsamen, getrocknetes Obst und Pilze...
|
|||
| Ein Steinbohrer, der es erlaubt - allerdings mit viel Geduld - zum Beispiel ein Loch in eine Steinaxt zu bohren, um dann einen Stiel hineinzustecken. |
|
|||
|
|
Mit einer solchen eingestielten Steinaxt konnte man dann schon richtig dicke Bäume fällen! | |||
|
Ackerbau Bei einem Klima, das etwas wärmer und feuchter war als das heutige, bauten die jungsteinzeitlichen Bauern mehre Arten von Getreide (Emmer, Einkorn, Gerste), Erbsen, Lein und Schlafmohn an. Es ist möglich, dass neue Flächen durch Brandrodung erschlossen wurden und dass die Nährsalze der Asche zunächst für besonders gut Ernten sorgten. Insgesamt war der Boden aber so fruchtbar, dass eine besondere Düngung oder ein Wechsel des Siedlungsplatzes (Wanderbauerntum) überflüssig war. Um die Erde aufzulockern und das Saatgut einzubringen, benutzte man wahrscheinlich seit Beginn der Jungsteinzeit Hakenpflüge. Nachgewiesen ist die Benutzung von Pflügen allerdings erst in der späten Jungsteinzeit. Es ist anzunehmen, dass solche Pflüge von Rindern gezogen wurden.
Mit Sicheln, bestehend
aus Feuersteinklingen, die in einem Holzgriff eingekittet waren, wurde das
Getreide geerntet. Wahrscheinlich wurden die Körner nur in kleinen
Tagesrationen entspelzt und auf wannenförmigen Mahlsteinen je nach Bedarf zu
Schrot oder feinem Mehl zermahlen. Aus Mehl ließen sich außer Brot
Getreidebreie, dicke Suppen und eintopfartige Allerleis zubereiten. Dazu
standen Backteller und Kochtöpfe, Herde und Backöfen zur Verfügung. Aus dem
Samen von Lein und Schlafmohn wurde Öl gepresst, aus den Mohnkapseln gewann
man möglicherweise Rauschmittel. |
||||
|
Viehzucht Schon seit Beginn der Jungsteinzeit in Mitteleuropa wurden Schaf, Ziege, Schwein und Rind als Haustiere gehalten. Während Schaf und Ziege von den in Kleinasien und dem Iran beheimateten Wildformen abstammen, bestand bei Schwein und Rind die Möglichkeit, die einheimischen Wildformen (Wildschwein und Ur) zu domestizieren. Der Hauptzweck der Tierhaltung war die Fleisch- und Milchgewinnung Die Wolle des Schafes gewann erst später an Bedeutung. Die Rinder dienten darüber hinaus als Arbeitstiere, die man vor Pflug und Wagen spannte. Insgesamt muss man sich die frühen Haustiere kleiner und auch "magerer" als unsere heutigen hoch gezüchteten Formen vorstellen. Weil in den Siedlungen keine Stallhaltung nachgewiesen ist, kann man davon ausgehen, dass die Tiere in den Wald getrieben wurden, wo sie sich von Laub, Kräutern, Eicheln, Bucheckern und jungen Trieben ernährten. Der Hund, schon einige Jahrtausende vor Beginn des Neolithikums zum Haustier geworden, diente wie heute als Viehhüter, Jagdhund oder als Begleiter des Menschen. Doch auch sein Fell, Fleisch und Zähne (als Schmuck) waren in manchen Gemeinschaften beliebt. Seit dem Jungneolithikum (ca. 4000 c. Chr.) gibt es Hinweise auf die Domestikation von Pferden. Unklar ist zur Zeit noch, ob einheimische Wildformen die Grundlage bildeten, oder ob Tiere aus dem Südosten eingeführt wurden. Der Form nach handelt a sich um relativ kleinwüchsige Pferde mit einer Widerristhöhe von 120 bis 140 cm. Ergänzt wurde das Nahrungsangebot nach wie vor durch Jagd und Fischfang. |
||||
|
Textilien Für dir Bekleidung wurden Stoffe aus Wolle wie auch Pflanzenfasern verwendet (vom Wollvlies des lebenden Schafes nur die langen Deckhaare), Pflanzenfasern aus dem kultivierten (= extra angebaut, nicht wild) Flachs bzw. Lein, auch aus Brennnesselstängeln, ferner Linden- und Eichenbast. Bis zu den sauberen Flachsfasern war es ein mühevoller Weg: Erst mussten die Flachs- und Brennnesselstängel geröstet werden. Nachdem die Pflanzenteile einige Wochen im Wasser gelegen hatten, war der Holzstoff verfault und die Fasern konnten gebrochen werden. Anschließend mussten die Fasern sorgfältig gekämmt werden. Dazu hat man Hecheln (Erklärung am Ende des Textes) benutzt, die aus Rippenknochen vom Rind oder Hirsch hergestellt waren. Erst dann konnte der Flachs versponnen werden.
Spindeln mit aufgewickelten Fäden wurden mehrfach gefunden.
Webstühle sind
zwar erst aus jüngerer Zeit bekannt, dürften aber eine Erfindung des
Neolithikums sein. Vor dem Weben zwirnten die Jungsteinzeitbauern häufig
zwei Fäden zusammen, um dem Stoff eine größere Stabilität zu verleihen. Man
kennt verschiedene Geflechte und Gewebe, vom einfachen Leinwand- und
Zwirngewebe (Kettenstoff) bis zum gemusterten Zierstoff. Die Leinwandgewebe
waren oft mit Pflanzensaft von Brennnessel, Brombeere, Labkraut, Holunder
und Erle gefärbt. Gröbere Schnüre für Taschen, Körbe und Netze wurden aus
Linden- und Eichenbast gefertigt. |
||||
|
Keramik Mit dem Beginn des Neolithikums gehören erstmalig auch Tongefäße zum Inventar der Siedlungen. Jungsteinzeitliches Tongeschirr entstand ohne Töpferscheibe. Damit der Ton beim Trocknen nicht schwindet, also zusammenschrumpft und Risse bekommt, wurde er reichlich gemagert. Man mischte ihm groben, extra zubereiteten Sand bei, nach Möglichkeit zerstoßene Granite und Gneis (beides Gesteinsarten) Die Gefäße wurden im älteren Neolithikum aus Tonklumpen heraus modeliert oder mit einem hölzernen Klopfer getrieben. Seit dem Jungneolithikum sind die Gefäße in Spiralwulsttechnik aufgebaut. Die ringförmig übereinander gelegten Tonwülste wurden verknetet und verstrichen; die Nahtstellen blieben aber im Scherben erkennbar. Die Gefäße haben je nach der Mode der Zeit verschiedene Dekoration: Ritzmuster, Feinstichmuster, Stempelmuster, Fingertupfen, Schnurabdrücke oder Auflagen aus Ton. Oft füllte man die Rillen und Einstiche mit einer weißen oder farbigen Paste. Knubben, Henkelösen und Bandhenkel erleichterten die Handhabung der Gefäße. Die Keramik wurde reduzierend gebrannt, das heißt ohne Zufuhr von Luft. in Grubenöfen oder backherdartigen Lehmkuppelkonstruktionen. Auf diese Weise wurden immerhin Brenntemperaturen von bis zu 600°C erreicht. Töpfer im Sinne eigenständiger Handwerker gab es in der Jungsteinzeit wohl noch nicht.
Keramik
|
||||
| Hechel
[die], kammartiges oder
aus einer mit spitzen Stiften besetzten Fläche bestehendes Werkzeug zum
Aufbereiten der Flachsfasern, die mit der Hechel von Hand durchgekämmt
werden, wobei die Fasern parallel gerichtet und die Holzteile des Flachses (Scheben)
entfernt werden. Das Erzeugnis ist Hechelflachs bzw. Hechelhanf, der Abfall
Hechelwerg. |
||||
|
zurück zur Eiszeitseite (Naturkundemuseum) zurück zur Steinzeitseite zurück zu GL-Übersicht Schule Home |
||||
| Auf Anregungen, Ergänzungen, Verbesserungen - Erfahrungen mit diesen Materialien im Unterricht -bin ich angewiesen. Nur damit kann die Sache immer besser werden. Also: Eintrag ins Gästebuch - oder eine E-Mail schreiben! | ||||