Ein langer Weg - die Evolution
des Menschen
Ramapithecus
Sensationelle Fossilienfunde
Australopithecus
Der Weg zu den ersten Menschen
Der Neandertaler
Vom Höhlenmaler zum
weisen Menschen
Homo antecessor - der
erste Europäer
Der Weisheit letzter Schluss
Weitere Informationen
| |
|
| |
Die Vorfahren des Menschen lassen sich bis zu sechs
Millionen Jahre zurückverfolgen. Zunächst noch mehr Affe als Mensch,
können die ersten Hominiden zwar schon auf zwei Beinen gehen, viel
mehr Gemeinsamkeiten mit dem modernen Menschen bestehen aber nicht.
Vor 2,5 bis 1,8 Millionen Jahren tut sich dann aber einiges bei den
Zweibeinern. Die Gehirne wachsen, die Beine werden im Vergleich zu
den Armen länger und die Backenzähne sind aufgrund der
Nahrungsumstellung kleiner – die ersten Vertreter der Gattung Homo,
also der Gattung Mensch, entstehen. |
| |
|
 |
Homo habilis
vergrößern Rein äußerlich noch eher Affe als Mensch, sind die ersten
Homo habilis Funde etwa 2,4 Millionen Jahre alt. Das Gehirn dieses
Urmenschen war mit 500 bis 800 Kubikzentimetern verhältnismäßig
klein für einen Homovertreter. Ob der 1,45 Meter große habilis
tatsächlich zu den Menschenartigen zählt, ist in der Wissenschaft
umstritten. Wegen einiger äffischer Merkmale zählen ihn einige
Wissenschaftler zu den Affenartigen und nennen ihn Australopithecus
– oder Kenyanthropus Habilis. |
| |
|
 |
Homo rudolfensis
vergrößern Der "Mensch vom Rudolfsee" lebte etwa zur selben Zeit wie
der habilis, vor ca. 2,5 bis 1,8 Millionen Jahren. Auch sein
Lebensraum war auf Afrika beschränkt. Sein Gehirn war größer als das
des Homo habilis, etwa 600 bis 900 Kubikzentimeter. Der Homo
rudolfensis war der Erste, der primitives Werkzeug herstellen
konnte. Mit scharfkantig behauenen Steinen zerlegte er seine Beute.
Auch bei dieser Spezies gibt es Forscher, die bezweifeln, dass er
zur Gattung Homo gehört. |
| |
|
 |
Homo erectus
vergrößern Vor 1,8 Millionen Jahren trat der Homo erectus auf. Er
soll der erste echte Menschenartige gewesen sein. Sein Gehirn war
deutlich größer als das der affenartigen Vorgänger: bis zu 1.250
Kubikzentimeter. Er benutzte das Feuer, stellte Faustkeile her – der
Beginn einer kulturellen Evolution. Der erectus war nach gängiger
Theorie der erste Homo, der Afrika verließ. Vertreter dieser Spezies
wurden in Europa und Asien gefunden. |
| |
|
 |
Unterkieferknochen des "Homo heidelbergensis"
vergrößern Vor 500 bis 100.000 Jahren traten einige Zwischenformen
auf, die Wissenschaftler gerne zusammenfassend als Homo
heidelbergensis bezeichnen. Der einzige gesicherte Fund dieser Art
ist ein Unterkiefer aus dem Ort Mauer bei Heidelberg. Der
Heidelberger soll Afrika, Europa und Asien bewohnt haben. Sein
Gehirnvolumen war mit 1.200 bis 1.350 Kubikzentimetern bereits
beträchtlich. Werkzeuge oder sonstige Hinterlassenschaften wurden
bisher nicht gefunden. |
| |
|
 |
Homo neanderthalensis
vergrößern Der Neandertaler ist wahrscheinlich vor etwa 220.000
Jahren in Europa entstanden – aus dem heidelbergensis, wie
Wissenschaftler wegen einiger Ähnlichkeiten vermuten. In seinem
Schädel war Platz für bis zu 1.600 Kubikzentimeter Gehirn, mehr als
bei manchen heutigen Menschen. Er stellte kunstvoll bearbeitete
Werkzeuge her und soll seine Toten beerdigt haben. Vor etwa 27.000
Jahren verschwand er allerdings wieder von der Bildfläche |
| |
|
 |
Homo sapiens
vergrößern Der Homo sapiens entwickelte sich über eine Zwischenform
aus dem Homo erectus. Das geschah vor etwa 200.000 Jahren. Die
ersten Menschen besaßen ein Gehirnvolumen von bis zu 1.600
Kubikzentimetern. Die Überaugenwülste verschwanden immer mehr und
Stirn und Schädelwölbung wurden höher. Allgemein ist der Homo
sapiens größer und feiner gebaut als seine Vorgänger. Die Werkzeuge
sind feiner bearbeitet, Knochen und Elfenbein wurden als neue
Werkstoffe entdeckt. |
| |
|
| |
Herkunft umstritten
Die Herkunft des Homo sapiens ist umstritten. Die meisten
Wissenschaftler glauben, dass sich der Homo erectus in Afrika über
Zwischenformen zum Homo sapiens entwickelte, um dann in mehreren
Auswanderungswellen die Erde zu erobern — die so genannte "Out of
Africa"-Theorie. Andere sind der Ansicht, dass sich der moderne
Mensch in mehreren Regionen der Welt parallel entwickelte und dann
durch genetischen Austausch langsam homogenisierte —
"Multiregionalisten"-Theorie genannt. Egal wie, vor etwa 200.000
Jahren trat die Spezies Homo sapiens zum ersten Mal auf und hat als
einzige bis heute überlebt. |
|
|
|
Quelle |
Auf dieser Seite von Quarks&Co weitere Links
zum Neandertaler - mehr muss man zu diesem Thema nicht
recherchieren! |
Tipp |
Schöne Seite bei "Helles
Köpfchen" |
Empfehlung: Das Brockhaus-Video Kassette 299 "Die Entwicklung des
Menschen" aus der Schulbibliothek (VAAL BRO )
Die
ersten Schritte auf dem Weg zur Menschwerdung
"Licht wird auch fallen auf den Menschen und seine Geschichte."
Charles Darwin, 1859Vor 30 Millionen Jahren lebten in den tropischen Regenwäldern
Afrikas die Affen nicht viel anders als heute. Sie verbrachten
den Tag hoch oben im Laubwerk der Bäume, kletterten von Ast
zu Ast und benutzten ihre langen Schwänze, um das
Gleichgewicht zu halten, wenn sie auf allen Vieren stehen
blieben oder wenn sie auf der Suche nach Früchten von Baum zu
Baum sprangen. Etwa zur gleichen Zeit nutzte eine andere
Affenart, die wesentlich größer war, die größere Spannweite
ihrer Arme. Sicherlich zunächst rein zufällig entwickelten sie eine
neue Methode der Futtersuche. Ihre Technik war das Hangeln.
Indem diese Tiere sich mit einer Hand an einen Ast hängten und
dann in die entsprechende Richtung schwangen, konnten sie
Früchte erlangen, die zuvor außerhalb ihrer Reichweite waren.
Damit konnten sie einen neuen Nahrungsraum erobern, den die
anderen Affen nicht nutzen konnten.
Allmählich gingen diese "Erfinder" der luftigen Methode des
Pflückens von Nahrung vom passiven Baumeln zum aktiven
Schwingen über. Im Laufe der Evolution entwickelten sie
beweglichere Handgelenke und noch längere Arme. Und da sie
jetzt ihr Gleichgewicht auf neue Weise halten konnten, wurden
ihre Schwänze überflüssig und verschwanden letztlich. Aus ihnen
war ein neuer Zweig im Stammbaum des Lebens entstanden -
die Vorfahren der Menschenaffen.
Über zahlreiche Generationen führte ihre neue Lebensweise zu
weiteren Anpassungen. Weil die andere Ernährung
wahrscheinlich intensiveres Kauen und Zermalmen erforderte,
entwickelten diese Affen festere Backenzähne mit fünf- statt
bisher vierhöckrigen Kronen. Allmählich wurde auch ihre
Körperhaltung aufrechter als die ihrer Vorgänger. Durch ihre
zunehmende Fähigkeit zu sitzen statt zu kauern, behielten sie
ihre Hände frei für wichtigere Aufgaben wie Pflücken, Stoßen,
Halten, Schlagen und Untersuchen. Damit erhielten sie einen
deutlichen Vorsprung vor den primitiven Affen, die eine Nuss
oder eine kleine Frucht zwar auch ergreifen konnten, sie aber
beispielsweise fallen lassen mussten, wenn sie zur Flucht
gezwungen waren, weil sie dazu alle vier Extremitäten
brauchten. Die neue Affenart konnte aber entkommen und die
Beute dennoch mit einer Hand fest halten. Als bedeutende
Anpassung kam hinzu, dass die Affen umso intelligenter wurden,
je mehr sie ihre Hände gebrauchten. Die zunehmende
Geschicklichkeit der Hände erforderte ein angepasstes
Wachstum ihres Gehirns. Das wiederum stattete sie mit der
Intelligenz aus, immer schwierigere Aufgaben durchzuführen.
Ungefähr vor 15 Millionen Jahren wurde das Klima auf der Erde
allmählich trockener. In den großen, üppigen Regenwäldern, wo
stets Nahrung zu finden war, dominierten jetzt Laubbäume. In
vielen Teilen der Erde verwandelte sich der Wald in eine
Savanne, die nur noch aus offenem Grasland mit vereinzelten
Bäumen bestand.
Plötzlich mussten sich die Wald bewohnenden Tiere diesen neuen
Umweltbedingungen anpassen. Solche, die auf dem Boden
lebten, brauchten nur ihre Nahrung umzustellen. So fraßen
Antilopen und Wildpferde anstatt Blätter nun Gras. Aber Tiere,
die in den Bäumen zu Hause waren, mussten sich radikaler
umstellen.
Ramapithecus
Der erste Affe, der sich nach unserem heutigen Wissensstand
erfolgreich dem Leben außerhalb der Wälder anpasste, war
höchstwahrscheinlich der Ramapithecus. Versteinerte Überreste
des Ramapithecus fand man in so weit von einander entfernt
liegenden Regionen wie Spanien und China. Die zahlreichsten
Funde kommen aus den Vorbergen des Himalajas in Pakistan.
Dort haben 13 Millionen Jahre Erosion eine fast 3000 Meter dicke
Sedimentschicht hinterlassen. In diesen Sedimenten wurden
mehrere 10 bis 12 Millionen Jahre alte Kiefer und Schädel von
verschiedenen Arten des Ramapithecus gefunden.
Der Ramapithecus war von bescheidener Statur und maß nicht
mehr als 1,20 Meter. Am deutlichsten unterscheiden ihn seine
Zähne von den anderen Affen. Die bei früheren Primaten
dolchförmigen Eckzähne hatten sich verkleinert, bis sie nicht viel
größer als die Schneidezähne waren. Die Kronen der
Backenzähne hatten dicke, widerstandsfähige Schichten von
Zahnschmelz entwickelt. Durch diese Anpassungen war der
Ramapithecus nun in der Lage, seinen Unterkiefer unbehindert
von vorspringenden Eckzähnen seitlich hin und her zu bewegen
und die Nahrung zwischen den jetzt verstärkten Backenzähnen
zu zermalmen. Dies war nun nicht mehr das Gebiss eines
Lebewesens, das sich von weichen, matschigen Tropenfrüchten
ernährte, die es von Bäumen pflückte, sondern das eines Tieres,
das von harter Nahrung wie Grassamen und Körnern lebte. Der
erste Affe, so erscheint es heute, war somit endgültig von den
Bäumen heruntergestiegen.
Lange klaffte eine riesige Lücke von immerhin rd. 5 Millionen
Jahren zwischen den Überresten des Ramapithecus und den
zeitlich darauf folgenden Fossilfunden. So existieren keine
Fossilbelege, die den Übergang vom Affen zum ältesten
Vorfahren des Menschen belegen könnten. Analysen der
Erbsubstanz DNA lassen allerdings darauf schließen, dass die
Aufspaltung zwischen dem Menschen und dem ihm am nächsten
verwandten Schimpansen vor ca. 5-7 Millionen Jahren erfolgt sein
dürfte.
Sensationelle Fossilienfunde
Im Jahr 2000, zur Jahrtausendwende, stoßen Forscher in Kenia
auf Knochenfunde, die die Fachwelt aufhorchen lassen: Sie
gehören zu einem Wesen, das etwa so groß wie ein Schimpanse
gewesen sein muss und das zumindest zeitweise bereits aufrecht auf zwei
Beinen ging. Seine Nahrung kaute es mit
Kiefern und Zähnen, deren Struktur der unseren recht ähnlich
ist. Kurzum, es handelte sich um die Überreste eines Hominiden,
also eines Vormenschen. Nun hatte man davon bereits viele
gefunden, aber die Überraschung war, dass die Datierung ein
Alter der Knochenfunde von ca 6 Millionen Jahren ergab. Damit
schien dieser rasch “Millennium-Mensch“, mit wissenschaftlichem
Namen Orrorin tugenensis, getaufte Hominide unser ältester
Vorfahr zu sein, und der überlieferte Stammbaum der Hominiden
konnte plötzlich weiter als je zuvor zurückverfolgt werden. Bis
dahin hatte ein Fund aus dem Jahr 1994 als der älteste
Hominidenfund gegolten: Ardipithecus ramidus, 4,4 Millionen
Jahre alt bzw. vergleichsweise jung. Inzwischen hegen einige
Wissenschaftler jedoch Zweifel, ob Orrorin tugenensis überhaupt
in unsere Ahnenreihe gehört.
Doch schon ein Jahr später, 2001, wird in Äthiopien, auf dem
Gebiet der heutigen Afar-Senke, ein weiterer Vorfahre gefunden:
Ardipithecus ramidus kadabba. Sein Alter wird auf 5,2 - 5,8
Millionen Jahren geschätzt. Er teilt viele Merkmale mit
Ardipithecus ramidus. Da der neue Fund viel älter ist und zudem
affenähnlichere Zähne aufweist, stellt er vorerst eine Subspezies
dar. Derzeit herrscht die Meinung vor, dass sich Ardipithecus
ramidus kadabba kurz nach der Trennung von Mensch und Affe
am menschlichen Stammbaum entwickelte.
Die Verwirrung ist perfekt, seit im Jahr 2002 im Tschad weitere
fossile Hominiden-Überreste entdeckt wurden. Sie sind sogar
fast 7 Millionen Jahre alt und weisen zur Überraschung der
Wissenschaftler eine Mischung aus äffischen und menschlichen
Merkmalen auf. Sahelanthropus tchadensis, so der
wissenschaftliche Name des Fossils, stellt die gängigen Theorien
zur Menschheitsgeschichte auf den Kopf. Er beendet die
Vorstellung der Anthropologen von der Wiege der Menschheit in
Ostafrika, denn der zentralafrikanische Sahelanthropus ist älter
als alle ostafrikanischen Fossilien, und er lässt alle entworfenen
Stammbäume fragwürdig erscheinen, die auf der Vorstellung
einer linearen Ahnenreihe basieren. Denn gerade das
Merkmalsmosaik des Sahelanthropus weist darauf hin, dass sich
die Stammesgeschichte der Menschheit nicht als ein beständiges
Fortschreiten von primitiven Formen zu höher entwickelten
abgespielt hat. Vielmehr scheint es ein unübersichtliches
Geflecht von Entwicklungswegen gegeben zu haben. Die
endgültige Bewertung diese Fundes steht also noch aus, aber
dass es sich um einen außerordentlich bedeutenden Fund
handelt, steht außer Frage.
Australopithecus
Schon einmal, im Jahr 1925, hatte es so einen außerordentlichen
Fossilienfund gegeben, der die Wissenschaft der Anthropologie
förmlich aufblühen ließ: Der Anthropologe Raymond Dart fand in
Südafrika einen verhältnismäßig gut erhaltenen Schädel, das “
Kind von Taung“. Er beschrieb ihn zunächst als Schädel eines
Affenmenschen, doch stellte sich bald heraus, dass dieser
Schädel mehr menschliche als äffische Merkmale aufwies, und er
erhielt den wissenschaftlichen Namen Australopithecus africanus
(“Afrikanischer Südaffe“). Das Ungewöhnliche an diesem Schädel
war, dass, obwohl nur Stirnbein, Gesichtspartie und die beiden
Kiefer erhalten sind und der größte Teil des Schädeldaches fehlt,
der gesamte Hirnraum erhalten ist. Die obere und unter
Zahnreihe waren auch noch erhalten: Die meisten Zähne sind
Milchzähne, doch die zweiten Zähne wachsen bereits nach.
Hätte man vom Australopithecus nichts anderes gefunden als
den Schädel von Taung, so wäre dieser nur von geringer
Bedeutung gewesen. Denn die Schädelform ändert sich mit dem
Heranwachsen beträchtlich und erst dann bilden sich die
markanten Muskelansätze aus. Doch man fand auch erwachsene
Vertreter des Australopithecus. Der kleine Schädel des
Australopithecus besitzt ein wohlgerundetes Schädeldach. Die
Gesichtspartie springt in auffallender Weise vor. Oberflächlich
betrachtet ähnelt sie der eines jungen Schimpansen. Untersucht
man den Schädel jedoch genauer, so stellt man immer mehr
Ähnlichkeiten mit dem Menschen fest.
Inzwischen werden mehrere Arten Australopithecinen anerkannt:
Australopithecus ramidus und anamensis, wobei sich aus dem
Letzten der Australopithecus afarensis ableitet, der
höchstwahrscheinlich unmittelbarer Vorfahre der Gattung Homo
ist. Vom Australopithecus afarensis wurden in der Laetoli-Ebene
in Tansania etwa 3,6 Millionen alte Fußspuren freigelegt, die
seinen aufrechten Gang bestätigten. Seine Körpergröße betrug
etwa 1 bis 1½ Meter bei einem Gewicht von 30 bis 70
Kilogramm. Er benutzte noch keinerlei Steinwerkzeuge und hat
sich wahrscheinlich überwiegend pflanzlich ernährt.
Der Weg zu den ersten
Menschen
Verschiedene Fossilienfunde legten eine Vermutung nahe: Entweder war
Australopithecus viel älter, als man ursprünglich angenommen hatte, oder
er war gar nicht der unmittelbare Vorfahre des Homo erectus, sondern
stellte nur den Endpunkt einer Evolutionslinie dar, die zu einem viel
früheren Zeitpunkt mit der von Homo erectus durch einen gemeinsamen
Ahnen verbunden war. Den Verlauf der menschlichen Entwicklung skizzierte
man nun bis zu den 50er Jahren folgendermaßen: Hominide und Anthropoide
trennten sich etwa im Miozän, und der heutige Mensch entwickelte sich
über eine Reihe von Zwischenstufen:
Australopithecus, Homo erectus, Neandertaler, Homo sapiens.
Dieses klare Bild wurde jedoch durch die Funde der letzten Jahre arg in
Unordnung gebracht.
Der Neandertaler
1856 fanden Arbeiter in einem Kalksteinbruch im Neandertal bei
Düsseldorf einen Schädel, Rippen, Teile eines Beckens und andere
Knochen. Zuerst behauptete man, dies seien die Überreste eines
Schwachsinnigen, was pathologische Merkmale am Schädel hinreichend
beweisen sollten. Beinahe hundert Jahre war die Bezeichnung Neandertaler
deswegen gleich bedeutend mit Unbeholfenheit und Dummheit. Die
wissenschaftliche Streitfrage wurde 50 Jahre später durch die Entdeckung
des ersten vollständigen Skeletts eines Neandertalers in La
Chapelle-aux-Saints in Südwestfrankreich neu belebt. Dieser Fund zeigte,
dass die Neandertaler eine gebeugte Haltung und einen schwerfälligen
Gang hatten. Heute jedoch weiß man, dass die Haltung des Menschen von La
Chapelle-aux-Saints nicht auf natürliche Unbeholfenheit, sondern auf
eine Gelenkerkrankung zurückzuführen ist. Das Aussehen des
Neandertalers, des Homo neanderthalensis, war von langen Wülsten aus
festen Knochen über seinen Augen geprägt. Er hatte eine niedrige
Schädeldecke, die sich nach hinten und zu den Seiten erweiterte. Die
untere Gesichtshälfte schob sich weit von seinem Hals hervor und zeigte
große Vorderzähne, die er für viele Zwecke brauchte: um Tierhaut zu
kauen, damit sie weich wurde, oder um Holzstücke einzuklemmen, damit er
die Hände für ihre Bearbeitung frei hatte. Der Neandertaler besaß eine
platte Nase mit großen Nasenhöhlen, in denen die eingeatmete, damals
recht kalte Luft erwärmt wurde, bevor sie in die Lungen einströmte.
Seine vorgeschobene Gesichtsform schützte das Gehirn vor der kalten
Außentemperatur. Seine Knochen waren fester und etwa 10 bis 20 Prozent
schwerer als die des heutigen Menschen. Stummelige Füße, kurze Beine und
ein massiver Brustkasten sowie ein Körpergewicht von bis zu 100
Kilogramm vervollständigten das Bild von einem rückschrittlichen
Muskelmenschen. Der Grund für so einen stämmigen und robusten Körperbau
war wahrscheinlich
die Anpassung an das damalige eiszeitliche Klima (100000 bis 30000 Jahre
v.Chr.). Trotz ihres unproportionierten, muskulösen Äußeren konnten es
die Neandertaler in Bezug auf die Gehirnkapazität mit späteren Menschen
aufnehmen. Ob sie genauso intelligent waren, ist nicht sicher, aber aus
den Fundstätten von Neandertalern geht klar hervor, dass sie die Kunst
der Werkzeugfertigung sehr verfeinert hatten. Wo der Homo erectus nur
ein Gerät hergestellt hatte, schaffte der Neandertaler gleich mehrere
nahezu identische Geräte - erste Formen der Massenproduktion. Er
fertigte außerdem auch ausgezeichnete Kleidung und Hütten, kümmerte sich
um verletzte Artgenossen und bestattete sogar seine Toten bereits mit
Grabbeigaben - alles erste Anzeichen eines Kulturwesens.
Auch die Jagd gestalteten die Neandertaler zu einem viel erfolgreicheren
Unternehmen als ihre Vorgänger. Großräumig geplante Treibjagden waren
für ihn typisch. Er trieb Wildpferde, Mammuts und andere große
Säugetiere in schlammiges, morastiges Terrain, wo sie aus der Nähe
angegriffen werden
konnten. Auf diese Weise sicherte er sich riesige Fleischmengen, wie sie
die früheren Hominiden nie zur Verfügung gehabt haben. Was über den
unmittelbaren Bedarf hinausging, wurde in Erdlöchern gelagert. Jüngste
Forschungsergebnisse von Genetikern aus München (veröffentlicht im Juli
1997) werfen den Homo neanderthalensis inzwischen allerdings aus unserem
Stammbaum heraus. Untersucht wurden Reste der DNA, der Erbsubstanz, aus
einem Stück Oberarmknochen des ältesten Neandertalfundes von 1856. Das
sensationelle Ergebnis legt auf Grund des Ähnlichkeitsvergleichs der
Bausteine die Neandertal-DNA entwicklungsgeschichtlich genau in die
Mitte zwischen den Schimpansen und den Homo sapiens.
Die Gen-Analysen der Münchener Wissenschaftler deklassieren
den Neandertaler zu einem fernen Ururgroßonkel, dessen Linie
sich bereits vor 600000 Jahren von unserem Stammbaum
abzweigte. Der Neandertaler wird durch diese genetischen
Befunde auf eine seitliche Entwicklungslinie der Menschwerdung
abgeschoben. Sie verlief lediglich parallel zur Ahnenreihe des
modernen Menschen und endete vor rund 30000 Jahren. Doch
Genetiker und klassische Paläontologen liegen bislang noch im
Widerstreit über die Aussagekraft dieser neuesten Befunde.
Bislang unbeantwortet ist auf jeden Fall die letztlich hoch
interessante Frage: Warum ist der Neandertaler ausgestorben,
wo er doch kulturell schon so weit fortgeschritten war?
Vom Höhlenmaler zum weisen
Menschen
Der so genannte Cro-Magnon-Mensch wurde als Erstes 1868 in Südfrankreich
bei Les Eyzies entdeckt, daher auch der französische Name "Cro-Magnon".
Die umliegende Landschaft und die Felsen schienen sich für menschliche
Wohnungen besonders gut zu eignen. Die Cro-MagnoN-Menschen waren nicht
die ersten Bewohner dieses schönen Fleckchens Erde. Neandertaler und
noch ältere menschliche Vorfahren hatten viele dieser Höhlen und
Felsüberhänge vor ihnen benutzt. Der Cro-Magnon-Mensch wird, wie alle
heute auf unserer Erde lebenden Menschen, von Wissenschaftlern zu der
Gruppe des Homo sapiens ("kluger oder verständiger Mensch") gerechnet.
Die ältesten Funde datieren auf ungefähr 40000 Jahre vor unserer Zeit.
Die Cro-Magnon-Menschen waren in jeder Beziehung modern und
unterschieden sich von ihren heutigen Artgenossen in Europa nicht mehr,
als sich vielleicht die Iren von den Österreichern unterscheiden. Der
Cro-Magnon-Mensch war nicht so hoch gewachsen wie der heutige Europäer.
Er hatte jedoch einen größeren Kopf und wahrscheinlich sogar auch ein
größeres Gehirn. Das Aussehen des Mannes war von einer hohen Stirn und
einem vorstehendem Kinn sowie einer Adlernase und kleinen regelmäßig
angeordneten Zähnen geprägt. Der Mann war durchschnittlich 1,70 m groß
und somit auch sicherlich größer als die Frau. Die meisten
Wissenschaftler vermuten zur Ähnlichkeit der Bauweise des Skeletts mit
dem heutigen Europäer auch eine annähernd gleiche Hautfarbe und
Behaarung. Salopp formuliert
könnte man heute sagen, der Cro-Magnon-Mensch war der Großvater des
Europäers. Der Cro-Magnon-Mensch besaß die Voraussetzungen, in seiner
Zeit große Veränderungen in die Wege zu leiten, da er sich von seinen
Vorgängern nicht nur in der äußeren Erscheinung unterschied, sondern er
auch intelligenter war. Als erstes Wesen auf der Erde besaß er die
geistigen und körperlichen Fähigkeiten, wie der moderne Mensch zu
sprechen. Die Entwicklung einer Sprache war von unschätzbarem Wert, denn
damit bahnten sich umwälzende Veränderungen in der menschlichen
Gesellschaft an:
der Ausbau und die Verfeinerung menschlicher Kommunikation und Kultur.
Die Cro-Magnon-Menschen waren vermutlich die ersten Lebewesen mit
technischem Verstand. Sie erfanden die ersten rohen Formen gebrannter
Keramik, sie bauten Brennöfen und heizten mit Kohle. Die Verfeinerung
ihrer Werkzeuge, Waffen und Gebrauchsgegenstände, die sie aus Knochen,
Elfenbein, Geweihen und Holz herstellten, war eine große Errungenschaft.
Sie kleideten sich besser, legten heißer brennende Feuerstellen an,
bauten sich größere Wohnungen und ernährten sich abwechslungsreicher als
die Menschen vor ihnen. Eine weitere wichtige Errungenschaft des
Cro-Magnon-Menschen ist sicherlich die Kunst, die uns auf Höhlenwänden
und -decken, in Tonfiguren und verzierten Gegenständen so vollendet
überliefert ist. Nie zuvor hatten Menschen so viel Sinn für das
ästhetische Schöne wie die Cro-Magnon-Künstler entwickelt. Ihre besten
Malereien und Skulpturen gehören noch heute zu den bedeutendsten der
Welt. Gegen Ende ihrer Zeit vor rund 10000 Jahren hatten sie den Boden
bereitet für die letzten Streckenabschnitte auf dem Weg zum heutigen
Menschen, für den Ackerbau, die Viehzucht, die Metallbearbeitung, die
Religion, die Schrift und die komplexen Formen des gesellschaftlichen
und politischen Lebens. Man hat allen Grund anzunehmen, dass der
Cro-Magnon-Mensch bei entsprechender Ausbildung selbst mit den
Schwierigkeiten der modernen Welt von heute fertig geworden wäre. Ihre
Intelligenz hätte vermutlich gereicht, sich dem Stand unserer
Zivilisation anzupassen - wenn auch mit einigen Problemen.
Homo antecessor - der
erste Europäer
Die beiden spanischen Anthropologen Antonio Rosas und J.M. Bermudez de
Castro haben in den Jahren 1995 bis 1997 bei Burgos in Nordspanien die
versteinerten Überreste mehrerer Urmenschen ausgegraben. Das Alter der
versteinerten Knochenfragmente wird mit 780.000 Jahren angegeben. Auf
Grund der gefundenen anatomischen Kombinationen ursprünglicher und
moderner Merkmale glauben die Wissenschaftler, eine neue Art Mensch
entdeckt zu haben. Dieser jüngste Fund aus der Hominidenfamilie wird
deshalb Homo antecessor ("Vorläufer") genannt. Auf Grund anatomischer
Vergleichsstudien halten die Wissenschaftler den Fund von Gran Dolina
für den Letzten gemeinsamen Vorfahren des modernen Menschen (Homo
sapiens) und des Neandertalers (Homo neanderthalensis), der heute als
ein an Kälte angepasster Seitenzweig der Menschheit gilt. Bislang ist
noch nicht geklärt, ob der Homo sapiens nur in Afrika entstanden ist und
sich von dort über den europäischen und asiatischen Kontinent verbreitet
hat (Modell: "Out-of-Africa") oder ob sich in verschiedenen Teilen der
Welt mehrfach diese Weiterentwicklung vom ausgewanderten Homo erectus
oder einer archaischen Urform des Homo sapiens zum Homo sapiens
vollzogen hat (multiregionales Modell). Einige Forscher glauben heute,
mit dem Homo antecessor sei diese Lücke geschlossen worden. Der Homo
antecessor soll das fehlende Übergangsstadium ("missing link") im
Stammbaum der menschlichen Entwicklung sein. Bislang hat der Homo
erectus den zentralen Platz in der Besiedelung Europas eingenommen. Nun
könnte der Homo antecessor den Ursprung aller europäischen Hominiden
darstellen. Auch der "Heidelberg-Mensch" soll sich danach aus dem
Menschen von Gran Dolina entwickelt haben. Dann hätte der Homo erectus
niemals europäischen Boden betreten und konnte sich ausschließlich nach
Asien ausbreiten. Jedoch nicht alle Anthropologen halten den Homo
antecessor für eine eigene Art. Noch wird er in den
meisten Stammbäumen als gemeinsamer Ahne vom Heidelberger, Neandertaler
und Homo sapiens mit einem Fragezeichen versehen.
Der Weisheit letzter Schluss
Letztlich bleibt die Rekonstruktion der Menschheitsgeschichte bis heute
eine Art Denkspiel, bei dem zunächst nahezu alles erlaubt ist. Je
nachdem, wer, wann, wo und wie sich an der Deutung der jeweils
gefundenen menschlichen Fossilien versucht, fallen die Ergebnisse recht
unterschiedlich aus. So ist es bis heute eher eine Glaubensfrage
beziehungsweise eine Frage der anthropologischen Schule, ob der Homo
erectus als Nachfahre des Homo ergaster erst vor rund einer Million
Jahren Afrika verließ oder ob bereits der älteste Vertreter der Gattung
Homo, der Homo rudolfensis, vor rund 2 Millionen Jahren erstmals seinen
Fuß auf einen anderen Kontinent gesetzt hat. Für den letzteren
Geschichtsverlauf spräche die jüngste Neudatierung des Homo
erectus-Fundes von Java auf ein Alter von 1,8 Millionen Jahren. Somit
wird die vollständige Entschlüsselung des Werdegangs des denkenden
Aufrechtgehers auch weiterhin eine spannende Denksportaufgabe für den
Homo sapiens sapiens sein.
Service:
Internetlink(s)
Die
Evolution des Menschen
Neanderthal Museum
Basiswissen Steinzeit
Quelle: wissen.de - Universallexikon 2004
Video "Der Ursprung des Menschen" (4201839)- 23 Minuten. Inhalt:
 |