| Kunst
der Eiszeit (Zur Höhlenmalerei weiter
unten!) Zu den ältesten Beweisstücken für die künstlerische Begabung des Menschen gehören kleine Gegenstände aus geschnitztem Knochen, Geweih, Elfenbein oder modelliertem Ton, die mindestens 30.000 Jahre alt sind. Die bearbeiteten Kunst-, Jagd- und Gebrauchsgegenstände geben Auskunft über Geist, Stil und Umgebung. Sie stammen aus den verschiedenen Epochen der Steinzeit. Die Namen dieser Epochen entsprechen den Orten, an denen für die jeweilige Zeit charakteristische Funde gemacht wurden.
Der Neandertaler
fertigte Ritzzeichnungen auf Felsplatten und Knochen an, der Cro-Magnon-Mensch aber verwendete bereits vor ca.19.000 Jahren die ersten
Farben und bearbeitete Horn- und Knochenstücke. Er schnitzte und gravierte
die Tiere, die er in freier Wildbahn sah, als Zierelemente an Lochstäbe,
Dolche, Speere oder Wurfstangen. Aber auch als freie Skulpturen traten sie
aus seiner Hand. Schöne Belege für die frühe plastische Tierbildkunst
lieferte in Süddeutschland die Vogelherdhöhle. Als ein Zentrum plastischen
Gestaltens hat sich neben anderen besonders Mähren mit seinen großen
Mammutjägerlagern erwiesen.
Venusstatuetten (Statuette: kleine, zierlich gebildete Statue) waren in drei unterschiedlichen Perioden des Paläolithikums in verschiedenen Regionen Eurasiens verbreitet. Sie tauchten erstmals vor etwa 31.000 Jahren in Mitteleuropa auf und blieben dort bis vor ca. 24.000 Jahren in Gebrauch. Während in Westeuropa zwei Epochen mit Venusstatuetten existierten (vor 26.000 bis 21.000 Jahren und noch einmal vor 12.300 bis 9.000 Jahren), wurden die Figuren in der Ukraine über einen langen ununterbrochenen Zeitraum von 24.000 bis 10.500 v. Chr. hergestellt. In Sibirien fand man Venusstatuetten, die zwischen 21.000 und 19.000 Jahre alt sind. Daneben gab es aber im jüngeren Paläolithikum Europas auch Kulturen, die in ihrer Kunst keinerlei Darstellungen von menschlichen Körpern hervorgebracht hatten wie etwa die Schöpfer der Höhlenmalereien in Nordspanien. Über etwaige Bedeutung und Symbolgehalte der altsteinzeitlichen Figuren besteht keine Einigkeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man das Interesse auf die weiblichen Statuetten beschränkt und in ihnen Muttergottheiten gesehen. Da diese Theorie weder den großen Teil der nicht weiblichen Darstellungen beachtet, noch auf Fundzusammenhänge, Herstellungsweisen sowie regionale und zeitliche Unterschiede Bezug nimmt, wird sie heute weitgehend abgelehnt.
Der
bedeutendste Fundort der Altsteinzeit in Österreich ist Willendorf in der
Wachau. Als die Donauuferbahn gebaut wurde, fand bei Ausgrabungen des
Naturhistorischen Museums am 7.Juli 1908 ein Arbeiter die berühmte Venus von
Willendorf. Die Figur ist 11 cm hoch und etwa 27.000 Jahre alt. Sie ordnet
sich in die Reihe der Statuetten (kleine Statuen), die fettleibige
Fruchtbarkeitsidole zeigen und die typisch für diese Kulturstufe waren. Die
Statuette besteht aus Kalkstein und war ursprünglich mit Rötel überzogen.
Sie ist eine etwas dickliche, vollbusige, nackte Frau, die ihre kleinen
Hände auf ihre Brüste gelegt hat. Das Gesicht ist nicht dargestellt, die
Frisur ist kunstvoll ausgeführt. Kleine Knötchen, die ringförmig um den Kopf
angeordnet sind, stehen für eine geflochtene Frisur. Die Figur ist
detailreich ausgeführt: Der Nabel, die kleinen Fingerchen, die Scham und
auch die etwas wulstigen Kniescheiben. Von den über 100 derartigen
Figürchen, die im Gebiet von Ost- und Mitteleuropa auftauchten, ist die
Venus von Willendorf eine der schönsten und berühmtesten.
Die nicht näher
bezeichneten Bilder sind Nachbildungen von Höhlenzeichnungen, eingeritzt in
Stein.
Fragen zum Text
(Klasse 5A, AFS - Konrad und Martin, 5F) Antworten, die du nicht brauchen solltest!
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Kunst in Höhlen Die Höhlenmalerei entwickelte sich über einen sehr langen Zeitraum. Die meisten Höhlenbilder entstanden vor 17.000 bis 12.000 Jahren. Die Malereien und Ritzungen entstanden weitab vom Tageslicht, beim Schein von Fackeln und Fettlampen in den dunklen und kalten Gängen schwer zugänglicher Höhlen. Die geheimnisvollen unterirdischen Räume übten sicher eine starke Wirkung auf die Phantasie der einstigen Menschen aus und waren für sie von besonderer Bedeutung. Vielleicht waren die bemalten Gänge und Säle für sie Stätten an denen sie Verbindung mit unbekannten Kräften der Natur aufnahmen um diese zu bitten, ihnen Glück bei der Jagd zu sichern, ausreichend Wild für ihre Ernährung, Unglück von ihrem Stamm abzuwenden und immer mehr tüchtige Jäger heranwachsen zu lassen. Auf den meisten Bildern, Gravuren und Reliefs ist Jagdwild abgebildet, wie etwa Rentiere, Wisente, Hirsche, Pferde, Auerochsen, Steinböcke, Mammute und Wollnashörner. Man findet aber auch Höhlenbären, Höhlenlöwen, Fische und Vögel. Abbildungen von Menschen gibt es nur wenige. Vermutlich handelt es sich dabei um Schamanen bei ihren kultischen Handlungen, da sie häufig in Tierfelle gekleidet sind und Hufe, Hörner oder andere tierische Merkmale tragen. In einigen Höhlen findet man rätselhafte schematische Symbole oder Zeichen: mit roter Farbe gemalte Punktreihen, pfeilförmige Zeichen, Dreiecke, schachbrett- und gitterähnliche Gebilde. Besonders bemerkenswert sind die Negativdarstellungen von Handschablonen, wie beispielsweise in der Höhle Gargas/Frankreich. Mit einem Blasrohr wurde Farbe über einer auf die Felsoberfläche gelegten Hand versprüht.
Farbpulver verwendeten bereits die Neandertaler, wie ein Grabfund bestätigt. Die beiden Toten waren mit Ockerfarbpulver bestreut und somit für das Jenseits geschmückt. Die Farben der paläoIithischen (altsteinzeitlichen) Künstler bestanden aus gemahlenem Gestein. Hauptsächlich Eisenoxid, das den roten Farbton gab und Manganoxid, das mit Tierfett vermischt eine zähe schwarze Paste ergab. Auch Pinsel aus Tierhaaren und Blasrohre aus Röhrenknochen fand man in zahlreichen Höhlen. Ebenso entdeckte man in einigen Höhlen, so auch in Lascaux, Löcher im Höhlenboden. Sie stammen von Gerüsten mit deren Hilfe die Maler das Höhlendach oder Stellen hoch an der Wand erreichten. Unter den zahlreichen bekannten Höhlen gibt es einige, die durch ihre Größe oder Art und Weise, wie die Künstler sie nutzten, herausragen. Dazu gehören beispielsweise Lascaux, Rouffignac und Font-de-Gaume in der Dordogne, Pech-Merle bei Cahors im Südwesten Frankreichs und Niaux in den Pyrenäen. Pech-Merle gehört zu den ältesten bekannten Höhlen, berühmt durch die beiden gesprenkelten, einfarbigen Pferde aus einer relativ frühen Zeit der paläolithischen Kunst. Die weltberühmte Höhle von Lascaux repräsentiert mit ihrer Fülle an mehrfarbigen Bildern den Höhepunkt der eiszeitlichen Kunst. Eine Kunst, die mit dem Ende der Altsteinzeit, vor etwa 10.000 Jahren unterging.
Mit Höhlenmalerei werden meist die zahlreichen Höhlen in Frankreich und Spanien verbunden. Besonders nach den spektakulären Entdeckungen der Grotte Chauvet an der Ardeche und der Grotte Cosquer bei Marseille würde wohl niemand bei eiszeitlicher Höhlenkunst an den Ural denken. Das Uralgebirge verläuft ca. 2000 km östlich von Moskau in Nord-Süd-Richtung auf einer Länge von mehr als 2100 km von den kaspischen Steppen im Süden bis zur Kara-See im Norden. Der Ural und der in das Kaspische Meer fließende Ural-Fluss bilden die Grenze zwischen Europa und Asien. Der Ural ist ein schmales Gebirge, nur an einigen Stellen breiter als 150 Kilometer und nirgends höher als 2000 m NN. Es sind etwa 2000 Höhlen bekannt, Hinweise auf den Aufenthalt des paläolithischen Menschen gibt es bisher nur aus etwa zwanzig Höhlen. Neben Holzkohlen und verstreuter Knochen eiszeitlicher Tiere fanden sich dort auch verschiedene Steinwerkzeuge, die auf eine intensivere Besiedlung schließen lassen. Eine der größten und schönsten Höhlen des Urals ist die Kapova-Höhle, im Südural am Oberlauf der Belaja. Die erste fundierte Beschreibung stammt aus dem Jahre 1760 und wurde zehn Jahre später um wichtige Aspekte ergänzt. Die Malereien an den Wänden wurden aber erst 1959 von A. V. Rjumin entdeckt. Heute kennt man über 50 farbige Darstellungen unterschiedlichster Art. Überwiegend Bilder von Tieren, besonders häufig vom Mammut, aber auch eindrucksvolle Pferde und Nashörner. Alle Darstellungen sind Malereien auf Kalkstein, meist ockerfarbig. Gravierungen, wie in vielen westeuropäischen Höhlen, sind nicht zu finden.
Eine weitere bedeutende Höhle ist die Ignatievka-Höhle, etwa 200 km nördlich der Kapova-Höhle, im Tal des Sim, einem Nebenfluss der Belaja. Bislang bekannt sind etwa 60 Stellen in der Ignatievka-Höhle, an denen Darstellungen oder Reste erhalten sind. Es handelt sich ausschließlich um schwarze und rote Malereien, Gravierungen wurden nicht entdeckt. Neben Tierzeichnungen, wie in der Kapova-Höhle besonders häufig vom Mammut, finden hier sich auch schematisch und stilisiert gehaltene figürliche Darstellungen. Untersuchungen ergaben, dass die meisten Bilder aus dem Späten Jungpaläolithikum (20.000-12.500 v. Chr.) stammen. Bilderhöhlen in Ost und West
sind von unschätzbarem Wert. Nur sie geben einen Eindruck von der geistigen
Vorstellungswelt der damaligen Menschen, unserer Vorfahren. Einen besonderen
Stellenwert in der Höhlenkunst hat neben der Mammutdarstellung die Gruppe
der phantastischen Wesen. Gestalten, die es so nicht in der Natur gab und
die ganz der Vorstellungswelt entsprangen. |
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