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 Zur Geschichte des Geldes

 

Die Geschichte des Geldes lässt sich in mehrere Stufen einteilen, die zwar sachlich deutlich verschieden, zeitlich aber nicht gegeneinander abzugrenzen sind. Im wesentlichen unterscheiden wir folgende Stufen:

Naturaltausch und Naturalgeld

Zur Zeit der Naturaltauschwirtschaft war Geld im heutigen Sinne unbekannt. Die Güter wurden unmittelbar "Ware gegen Ware" eingetauscht. Der Naturaltausch brachte jedoch für die Tauschpartner Schwierigkeiten mit sich, wie z.B. Transport der Waren, Finden eines geeigneten Tauschpartners, Beschaffung der benötigten Tauschgüter, unterschiedliche Bewertung der Waren, ferner Verderblichkeit und Unteilbarkeit mancher Güter. Die Verwendung von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen (z.B. Beile, Äxte, Spieße, Trommeln, Ringe, Muscheln, Perlen), aber auch von Lebensmitteln, Bekleidung und Vieh (wie Zucker, Kakao, Tee, Stockfisch, Mandeln, Salz, Tabak, Leinwand, Felle, Seide, Baumwolle) als Zwischentauschmittel (= Naturalgeld) war ein wesentlicher Schritt in der Entwicklung des Geldes. Das Naturalgeld brachte gegenüber dem direkten Warentausch mehrere Vorteile: Der Wert der Tauschgegenstände war allgemein bekannt und anerkannt. Sie waren in der Regel leicht transportierbar, teilbar und konnten aufbewahrt werden. Der Wert zu tauschender Güter konnte durch das Naturalgeld leichter verglichen werden - der Tausch wurde somit wesentlich erleichtert. Naturaltausch und Naturalgeld beschränken sich nicht nur auf die Steinzeit, sondern reichen in ihrer Anwendung bis in unsere jüngste Vergangenheit. Anfang des 15. Jahrhunderts gab es beispielsweise eine englisch-isländische Marktordnung mit folgenden "Preisen" (Tauschwerten):

Die bekannteste Form des Naturalgeldes dürfte die Kaurimuschel sein, die auch heute noch unter den Namen "Diwarra" und "Tambu" in Melanesien (Südsee) gültiges Zahlungsmittel ist.
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird auch in unseren Breitengraden manchmal wieder auf die Urform des Geldes zurückgegriffen (z.B. "Zigarettenwährung" nach dem Zweiten Weltkrieg). Dieses Beispiel mag nochmals verdeutlichen, wie fließend die Grenzen beim Thema Geld sind.

Metallgeld und Münzgeld

Als besonders geeignetes Zwischentauschmittel wurden schließlich die Metalle (wie Gold, Silber, Kupfer) erkannt. Aus den Anfängen dieser Entwicklung stammt der Begriff des Wägegeldes, d.h., die zur Zahlung verwendeten Metalle wurden abgewogen (vgl. Geldnamen wie Pfund, Lire). Später erhielten die Metalle bestimmte Formen, sie wurden in Ringe, Stäbe und Barren gegossen (vgl. Geldnamen wie Rubel, Mark). Ungefähr 650 Jahre v.Chr. wurden die ältesten uns bekannten Münzen von den Lydern (König Krösus) in Kleinasien hergestellt. Zunächst wurden vollwertige Münzen (= Kurantmünzen) aus Gold und Silber, später durchwegs unterwertige Münzen (= Scheidemünzen) geprägt. Silber war lange Zeit das führende Münzmetall. In großen Mengen vorhanden, entwertete es sich unter Schwankungen ständig. Diese Erscheinung ließ die jeweiligen Landesfürsten an der Geldherstellung verdienen. Ja, sie förderten diese Erscheinung geradezu. In einem 1667 abgeschlossenen Vertrag zwischen Brandenburg und Preußen wurden erstmalig nebeneinander vollwertig ausgeprägte und minderwertige Münzen in Umlauf gebracht. Wie der Silbergehalt der Münzen sich im Laufe der Geschichte veränderte, zeigt folgende Aufstellung:

 

Jahr - Geldeinheit

Silbergehalt

1500 - Sächsische Taler

27,41 g Feinsilber

1566 - Reichstaler

25,98 g Feinsilber

1750 - Deutscher Vereinstaler

16,70 g Feinsilber

1903 - 3 Reichsmark

7,70 g Feinsilber

1951 - 5 Deutsche Mark

7,00 g Feinsilber

1975 - 5 Deutsche Mark

0,00 g Feinsilber

2002 - EURO

0,00 g Feinsilber

 

Zeitlich gesehen ergeben sich in diesem Abschnitt ebenfalls Überschneidungen. Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer verfügten bereits über geprägtes Metallgeld. Andererseits zahlte man 1.000 Jahre nach den Römern in Brandenburg und Mecklenburg noch mit ungeprägtem Metallgeld (vgl. Wendisches Hacksilber).

Papiergeld

Die Erfindung des Münzgeldes war zweifellos ein großer Fortschritt. Münzen aus Edelmetall besaßen den Vorteil der Wertbeständigkeit gegenüber anderen Tauschgegenständen. Die Ausweitung des Handels und damit auch des Geldverkehrs brachte jedoch die Notwendigkeit mit sich, das schwere Münzgeld durch eine bequemere Zahlungsart zu ersetzen. Andererseits mag auch die vorübergehende Geldknappheit mancher Landesherren die Erfindung des Papiergeldes beschleunigt haben. Man berichtet so vom Kommandanten der spanischen Festung Alham de Granada, der während der Belagerung 1438 n.Chr. durch die Mauren fehlendes Münzgeld durch Papierzettel mit Wertangabe und Siegel ersetzte und deren Annahme zwingend für jedermann vorschrieb. Das erste Papiergeld war also nicht Geld an sich, sondern als Anweisung zur Auszahlung von Münzgeld gedacht. Als die eigentlichen Schöpfer des Papiergeldes gelten die Chinesen. Marco Polo fand auf seinen Reisen 1276 kaiserliche Banknoten aus Papier. Wieder einer anderen Schilderung zufolge gilt der Schwede Johan Palmstruch (1661) als "Erfinder" des Papiergeldes. Papiergeld braucht Vertrauen, d.h., es muss von jedermann jederzeit in Waren oder andere Vermögenswerte umgetauscht werden können. In früherer Zeit wurde dieses Vertrauen durch eine vollständige Golddeckung - im Laufe der Geschichte nunmehr durch eine teilweise Deckung gestützt. Heute besteht keine Golddeckungspflicht der Notenbanken mehr (= freie Währung). Die Deckung besteht in der Bundesrepublik Deutschland allein im Vertrauen (= Kaufkraft).

Buchgeld/Giralgeld

In der modernen Volkswirtschaft spielt das Bargeld keine führende Rolle mehr. Das Buch- oder Giralgeld, über das man z.B. mit Scheck und Überweisung verfügen kann, ist die moderne Geldform. Nur etwa 12 % des gesamten Geldumlaufs besteht aus Münzen und Banknoten, der weitaus größere Teil befindet sich als Buchgeld auf Giro- und Termingeldkonten. Ende 1995 waren Banknoten im Wert von rund 238 Milliarden DM und Münzen im Wert von ca. 15 Milliarden DM im Umlauf.

Buch- oder Giralgeld hat bereits eine lange Geschichte hinter sich. Die Italiener bedienen sich dieser Form des Geldes bereits seit mehr als 300 Jahren durch die Übertragung von Guthaben in den Büchern der Banken. Als die vielen Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (Scheck, Überweisung, Dauerauftrag, Lastschrift) mehr und mehr erkannt wurden, führte dies Anfang der 60er Jahre zu einer raschen Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung, und der Umgang mit Buchgeld ist heute etwas Selbstverständliches.

 
Quelle:
http://www.sparkasse-bonn.de/privatkunde/jungesangebot/schulservice/schulservice426.html

 

Funktionen des Geldes

 

Mit Hilfe des Geldes können wir Waren oder Dienstleistungen verschiedenster Art miteinander vergleichen, sogar ein Mofa mit einem Brötchen. Jeder wird natürlich sagen, dass das Mofa mehr wert ist als das Brötchen. Um wie viel es aber mehr wert ist, das können wir erst mit Hilfe des Geldes ausdrücken. Geld dient also als Wertmaß.

 

Was aber ist das Geld, und wie entsteht es? Sachlich betrachtet ist Geld lediglich ein Mittel, um eine Leistung gegen eine andere einzutauschen. Wir können auch von einem allgemeinen Tausch‑ oder Zahlungsmittel sprechen. Ohne Geld müssten wir umständlich im Tauschhandel Güter und Dienstleistungen gegen andere Güter oder Dienstleistungen eintauschen. Das wäre ziemlich zeitraubend. Deshalb haben die Menschen das Geld erfunden, mit dem sie anstelle des Tauschhandels Kaufhandel betreiben können.

 

Die Einführung des Geldes ver­änderte nicht nur die Handels­formen, sondern förderte auch die Entstehung einer Vielzahl von spezialisierten Berufen. Der Familienvater, der bisher alles selber herstellen musste, was er für sich und seine Familie benötigte, konnte nun vieles gegen Geld "eintauschen". Er hatte jetzt auch Zeit, sich auf eine einzige Tätigkeit zu spezialisieren: Er fertigte beispielsweise nur noch Schuhe. Die verkaufte er gegen Geld, und mit diesem Zahlungsmittel kaufte er Nahrung, Getränke, Kleider, ein Haus, natürlich auch Material und Werkzeug. Damit war die arbeitsteilige Wirtschaft geschaf­fen, in der sich jeder auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierte. Denn Geld und Arbeitstei­lung bedingen sich gegenseitig.

 Ein weiterer Vorteil des Handels "Ware gegen Geld" ist: Niemand muss dabei erworbenes Geld sofort wieder gegen andere Ware eintauschen. Es kann aufbewahrt werden. Wir nennen das Geld‑Aufbewahren "sparen". Geld ist also auch ein Wertaufbewahrungsmittel.

 

Geld ist auch Wertübertragungsmittel

Nehmen wir folgenden Fall an: Die Großmutter möchte ihrem Enkelkind gerne etwas in einem ganz bestimmten Wert zum Geburtstag schenken. Sie weiß aber nicht recht, ob sie dem Enkel z. B. einen Kassettenrecorder, einen Plattenspieler, ein Kofferradio oder etwas anderes von gleichem Wert schenken soll.

Was tut sie? Sie schenkt statt einer Ware Geld (= Kaufkraft). Sie überträgt damit den in Aussicht gestellten Wert in Form von Geld.

Mit der Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wurde Geld auch ein Mittel des Kapitaltransportes. Man kann heute bequem vom Schreibtisch aus Zahlungen über jede Entfernung leisten.

All die bisher genannten Funktionen kann das Geld freilich nur dann zufrieden stellend erfüllen, wenn jeder bereit ist, jederzeit seine Waren oder Dienstleistungen gegen das Geld herzugeben. Deshalb waren die ersten Geldstücke überhaupt aus edlen, wertvollen Metallen, die schon immer sehr begehrt waren. Denken wir nur an den Dukaten aus Gold, den Golddollar oder die Goldmark des Deutschen Kaiser‑Reiches, mit der man bei uns bis zum Ersten Weltkrieg bezahlte.

 

Zusammengefasst hat Geld diese Funktionen:

Wertmaß oder Wertmesser
allgemeines Tausch- oder Zahlungsmittel
Wertaufbewahrungsmittel (Wertspeicher)
Wertübertragungsmittel

Kritisch mit den Inhalten dieses Beitrags setzt sich Dr. Hans-Jörg Schlichte aus Portugal:
http://hajosli.wordpress.com/2007/09/13/zur-geschichte-des-geldes/
 

Alles über den Euro
Unser Geld (WDR Kindernetz)

WDR-Sachgeschichten: Unser Geld

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© gerhard wellmann, 2008