Theodor Storm, Schimmelreiter

  
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Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Eine Hypertext-Interpretation der Klasse 8c - Hier kannst du dich einlesen: Lebenslauf von Storm - Was ist eine Novelle? - Wovon handelt die Geschichte? - Wer erzählt die Geschichte? usw.
Schimmelreiter, Wikipedia
Umfangreiche Materialien bei der Storm-Gesellschaft (auch zu den Verfilmungen)
Der Text der Novelle beim Gutenberg-Projekt
Kurzlebenslauf, Werke beim Gutenberg-Projekt
Ein Volljurist beschäftigt sich mit dem Schimmelreiter
Storms Gedichte
Fachleute, die sich mit der deutschen Literatur beschäftigt haben, sind zu der Überzeugung gelangt, dass man das Schaffen deutscher Autorinnen und Autoren in bestimmte EPOCHEN einteilen kann - vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Für jede Epoche sind bestimmte Merkmale (wie wer über was geschrieben hat) erkennbar.

Hier findest du einige Hinweise zu den Epochen der deutschen Literatur!

Theodor Storm ist demnach ein Vertreter des (poetischen) Realismus. Diese Epoche kann kurz so skizziert werden:

(Poetischer) Realismus

Beim poetischen Realismus handelt es sich um eine Epoche der deutschen Literaturgeschichte, zu der zum Beispiel Fontane und Storm gehören. Zeitlich geht es dabei um die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (1848 und 1890), inhaltlich geht es um eine Vorform des Naturalismus: Man wendet sich der Realität zu, will diese aber nicht ungeschmückt, eben poetisch darstellen. Zum Teil - vor allem aus linker Perspektive - wird auch vom "bürgerlichen" Realismus gesprochen. Dass daran etwas, zeigen die folgenden Punkte:

Der geschichtlich-politische Kontext:

Nach dem Scheitern der Märzrevolution von 1848 begnügen sich die Bürger in Deutschland mit Herstellung der nationalen Einheit durch Preußen, von oben, sie verzichten weitgehend auf das Durchsetzen von Verfassungs- und Freiheitsrechten, konzentrieren sich auf wirtschaftlichen Erfolg. Im Übrigen gab es durchaus eine Bereitschaft, mit der Obrigkeit zu paktieren, um sich die nachdrängenden unteren Klassen (Arbeiter, Sozialisten, Kommunisten) vom Leibe (und vom Eigentum!) zu halten. Im geistigen Bereich war der Materialismus an die Stelle der Metaphysik (Glaube an höhere Zusammenhänge, Ideale) getreten.

Künstlerische Eigenart des Realismus:

Hinwendung zur Realität, aber Bemühung um Darstellung eines Ganzen, einer verborgenen Gesetzlichkeit statt reiner Wiedergabe - hier wird denn auch das Attribut "poetisch" bei der Bezeichnung dieser Epoche deutlich: Die Wirklichkeit wird künstlerisch überhöht. Hang zu Resignation und Ironie. Mittel: insbesondere Natur- und Landschaftsschilderungen: Natur als Ort der Ruhe und der Ordnung gegenüber der Problematik der Figuren und Ereignisse. Verzicht auf Kritik, Revolution: Der Mensch hat sich nach den Gesetzen der Natur zu richten, hier zeigt sich ein Rest von Weltvertrauen

Forderungen der Realismus-Programmatik

Wahrscheinlichkeit des erzählten Geschehens. Zusammenpassen der einzelnen Elemente des Erzählten. Herstellung einer geschlossenen Einheit, Komposition. Dies entspricht den Grundsätzen der klassischen Erzählkunst. Quelle

 



Resignation und Rückzug ins Private




Wiedergabe der Realität mit dichterischen Mitteln





Gesellschaftliche Regeln bestimmen das Leben














Gesellschafts- und Bildungsromane








Novellen



Autobiografische Romane







Hebbel als wichtiger Dramatiker




Gedichte


Satiren
Der Realismus

Das Scheitern der Revolution von 1848 erschüttert das bürgerliche Selbstverständnis, die großen politischen Ziele verlieren an Bedeutung. Man zieht sich in seine private Welt zurück und besinnt sich auf traditionelle Werte wie Familie, Ordnung, Harmonie und Religion. Ernüchterung macht sich breit, die auch das literarische Schaffen prägt.

Die Autoren wollen keine Gegenwelt zur Realität, keine zukunftsorientierte Perspektive entwickeln. Aber es geht ihnen auch nicht, wie Theodor Fontane (1819-1898) schreibt, um das nackte Wiedergeben alltäglichen Lebens, am wenigsten seines Elends und seiner Schattenseiten, sondern um dessen literarische Gestaltung und seine Poetisierung, um die Verbindung der erzählerischen Elemente wie Motiv, Figur, Ort und Zeit zu einer harmonischen Einheit.

Dazu bietet sich der Roman mit der Möglichkeit zur Milieuschilderung, zur Landschaftsbeschreibung und zur Wiedergabe längerer Unterhaltungen besonders an. Die handelnden Figuren und ihre Konflikte erscheinen abhängig von den sie bestimmenden gesellschaftlichen Normen. Die Grundhaltung ist pessimistisch: Das Leben ist, wie es ist, das Schicksal ist unabänderlich, eine freie Verantwortung des Einzelnen gibt es nicht. Das Individuum wird von der Gesellschaft tyrannisiert und kann daran nichts ändern.

Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest" (1895) erzählt die Geschichte der Titelfigur, die als junges Mädchen mit dem wesentlich ältern Baron Geert von Innstetten verheiratet wird. Effi setzt auf seine Karriere, langweilt sich aber in der Provinz und hat eine kurze Affäre mit dem charmanten Major Crampas, die nach über sechs Jahren entdeckt wird. Im Duell tötet Innstetten Crampas. Effi ist als Geschiedene isoliert von ihrer Tochter und von ihren Eltern, die sie erst, als sie ernsthaft erkrankt, wieder aufnehmen. Die Frage nach der Schuld beantwortet Effis Vater nach ihrem Tod mit dem resignativen Satz: Das ist ein zu weites Feld.

Auch in seinen anderen Romanen widmet sich Fontane der Familie, der Keimzelle der Gesellschaft mit all ihren Konflikten. Wilhelm Raabe (1831-1910) beschreibt in „Die Chronik der Sperlingsgasse" (1857) die idyllische Provinz. Der Bildungsroman „Der Hungerpastor" (1864) erzählt die unterschiedlichen Schicksale eines Schuster- und eines Trödlersohnes. In seinem Kaufmannsroman „Soll und Haben" (1855) zeichnet Gustav Freytag (1816-1895) den Aufstieg des tüchtigen Lehrlings Anton Wohlfart zum angesehenen Kaufmann und Teilhaber eines Handelshauses nach.

Großer Beliebtheit erfreut sich die Novelle. Theodor Storm (1817-1888) schreibt Werke wie „Pole Poppenspäler" (1874) und „Der Schimmelreiter" (1888), die Geschichte des geheimnisvollen Deichgrafen Hauke Haien. Der Schweizer Gottfried Keller (1819-1890) greift in den „Züricher Novellen" (1878) historische Themen auf. Sein psychologisches Interesse zeigt sich in dem autobiografischen Roman „Der grüne Heinrich" (1855). Autobiografisch geprägt sind auch die niederdeutschen Romane „Ut mine Festungstid" (1862) und „Ut mine Stromtid" (1864) des Mecklenburgers Fritz Reuter (1810-1874). Dramen erscheinen in dieser Zeit kaum. Eine Ausnahme stellt das Werk Friedrich Hebbels (1813-1863) dar.

Hebbels bürgerliches Trauerspiel „Maria Magdalena" (1844) handelt von Klara, die unehelich schwanger wird, von ihrem Geliebten, dem karrierebewussten Leonhard, aber verlassen wird. Klara wendet sich wieder ihrer Jugendliebe Friedrich zu, der schließlich Leonhard zum Duell fordert; da hat Klara sich jedoch schon in den Brunnen gestürzt. Tischlermeister Anton, Klaras Vater, sagt am Ende: Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Als lyrische Texte sind Conrad Ferdinand Meyers (1825-_ 1898) Erlebnis- und Dinggedichte, Storms Landschafts- und Liebesgedichte wie auch Fontanes Balladen zu nennen.
Bis heute beliebt sind die humorvoll-satirischen Verserzählungen von Wilhelm Busch (1832-1908), z. B. die Bildergeschichte über die Streiche von „Max und Moritz" (1865).

Der gängigen Einteilung der deutschen Literatur in Epochen folgt dem Realismus der Naturalismus: Eine Strömung etwa zwischen 1870 und 1900, die bewusst auch Elend und Hässlichkeit im Alltag der Menschen darstellt. Quelle: Geist, Schäfer: Auf einen Blick!, Deutsch, Mentor, München 2007, S.260f

Siehe auch hier: Epochen der deutschen Literatur

Weitere Informationen zum Realismus in der Literatur

Wikipedia
Ausführlichere Darstellung mit historischem Hintergrund und Autoren
Informationen, Links und mehr beim Lehrerfreund
Schülerreferate über Storm, Schimmelreiter und Realismus

Literaturangaben (Welche Ausgabe für Schüler und Schülerinnen?)


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