Theodor Storm ist demnach ein Vertreter des (poetischen) Realismus. Diese
Epoche kann kurz so skizziert werden:
(Poetischer) Realismus
Beim poetischen Realismus handelt es sich um eine Epoche der deutschen
Literaturgeschichte, zu der zum Beispiel Fontane und Storm gehören. Zeitlich
geht es dabei um die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (1848 und 1890),
inhaltlich geht es um eine Vorform des Naturalismus: Man wendet sich der
Realität zu, will diese aber nicht ungeschmückt, eben poetisch darstellen.
Zum Teil - vor allem aus linker Perspektive - wird auch vom "bürgerlichen"
Realismus gesprochen. Dass daran etwas, zeigen die folgenden Punkte:
Der geschichtlich-politische Kontext:
Nach dem Scheitern der Märzrevolution von 1848 begnügen sich die Bürger
in Deutschland mit Herstellung der nationalen Einheit durch Preußen, von
oben, sie verzichten weitgehend auf das Durchsetzen von Verfassungs- und
Freiheitsrechten, konzentrieren sich auf wirtschaftlichen Erfolg. Im Übrigen
gab es durchaus eine Bereitschaft, mit der Obrigkeit zu paktieren, um sich
die nachdrängenden unteren Klassen (Arbeiter, Sozialisten, Kommunisten) vom
Leibe (und vom Eigentum!) zu halten. Im geistigen Bereich war der
Materialismus an die Stelle der Metaphysik (Glaube an höhere Zusammenhänge,
Ideale) getreten.
Künstlerische Eigenart des Realismus:
Hinwendung zur Realität, aber Bemühung um Darstellung eines Ganzen, einer
verborgenen Gesetzlichkeit statt reiner Wiedergabe - hier wird denn auch das
Attribut "poetisch" bei der Bezeichnung dieser Epoche deutlich: Die
Wirklichkeit wird künstlerisch überhöht. Hang zu Resignation und Ironie.
Mittel: insbesondere Natur- und Landschaftsschilderungen: Natur als Ort der
Ruhe und der Ordnung gegenüber der Problematik der Figuren und Ereignisse.
Verzicht auf Kritik, Revolution: Der Mensch hat sich nach den Gesetzen der
Natur zu richten, hier zeigt sich ein Rest von Weltvertrauen
Forderungen der Realismus-Programmatik
Wahrscheinlichkeit des erzählten Geschehens. Zusammenpassen der einzelnen
Elemente des Erzählten. Herstellung einer geschlossenen Einheit,
Komposition. Dies entspricht den Grundsätzen der klassischen Erzählkunst.
Quelle
Resignation und Rückzug ins Private
Wiedergabe der Realität mit dichterischen Mitteln
Gesellschaftliche Regeln bestimmen das Leben
Gesellschafts- und Bildungsromane
Novellen
Autobiografische Romane
Hebbel als wichtiger Dramatiker
Gedichte
Satiren |
Der Realismus Das Scheitern der
Revolution von 1848 erschüttert das bürgerliche Selbstverständnis, die
großen politischen Ziele verlieren an Bedeutung. Man zieht sich in seine
private Welt zurück und besinnt sich auf traditionelle Werte wie
Familie, Ordnung, Harmonie und Religion. Ernüchterung macht sich breit,
die auch das literarische Schaffen prägt.
Die Autoren wollen keine Gegenwelt zur Realität, keine
zukunftsorientierte Perspektive entwickeln. Aber es geht ihnen auch
nicht, wie Theodor Fontane (1819-1898) schreibt, um das nackte
Wiedergeben alltäglichen Lebens, am wenigsten seines Elends und seiner
Schattenseiten, sondern um dessen literarische Gestaltung und seine
Poetisierung, um die Verbindung der erzählerischen Elemente wie Motiv,
Figur, Ort und Zeit zu einer harmonischen Einheit.
Dazu bietet sich der Roman mit der Möglichkeit zur Milieuschilderung,
zur Landschaftsbeschreibung und zur Wiedergabe längerer Unterhaltungen
besonders an. Die handelnden Figuren und ihre Konflikte erscheinen
abhängig von den sie bestimmenden gesellschaftlichen Normen. Die
Grundhaltung ist pessimistisch: Das Leben ist, wie es ist, das Schicksal
ist unabänderlich, eine freie Verantwortung des Einzelnen gibt es nicht.
Das Individuum wird von der Gesellschaft tyrannisiert und kann daran
nichts ändern.
Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest" (1895) erzählt die
Geschichte der Titelfigur, die als junges Mädchen mit dem wesentlich
ältern Baron Geert von Innstetten verheiratet wird. Effi setzt auf seine
Karriere, langweilt sich aber in der Provinz und hat eine kurze Affäre
mit dem charmanten Major Crampas, die nach über sechs Jahren entdeckt
wird. Im Duell tötet Innstetten Crampas. Effi ist als Geschiedene
isoliert von ihrer Tochter und von ihren Eltern, die sie erst, als sie
ernsthaft erkrankt, wieder aufnehmen. Die Frage nach der Schuld
beantwortet Effis Vater nach ihrem Tod mit dem resignativen Satz: Das
ist ein zu weites Feld.
Auch in seinen anderen Romanen widmet sich Fontane der Familie, der
Keimzelle der Gesellschaft mit all ihren Konflikten. Wilhelm Raabe
(1831-1910) beschreibt in „Die Chronik der Sperlingsgasse" (1857) die
idyllische Provinz. Der Bildungsroman „Der Hungerpastor" (1864) erzählt
die unterschiedlichen Schicksale eines Schuster- und eines
Trödlersohnes. In seinem Kaufmannsroman „Soll und Haben" (1855) zeichnet
Gustav Freytag (1816-1895) den Aufstieg des tüchtigen Lehrlings Anton
Wohlfart zum angesehenen Kaufmann und Teilhaber eines Handelshauses
nach.
Großer Beliebtheit erfreut sich die Novelle. Theodor Storm (1817-1888)
schreibt Werke wie „Pole Poppenspäler" (1874) und „Der Schimmelreiter"
(1888), die Geschichte des geheimnisvollen Deichgrafen Hauke Haien. Der
Schweizer Gottfried Keller (1819-1890) greift in den „Züricher Novellen"
(1878) historische Themen auf. Sein psychologisches Interesse zeigt sich
in dem autobiografischen Roman „Der grüne Heinrich" (1855).
Autobiografisch geprägt sind auch die niederdeutschen Romane „Ut mine
Festungstid" (1862) und „Ut mine Stromtid" (1864) des Mecklenburgers
Fritz Reuter (1810-1874). Dramen erscheinen in dieser Zeit kaum. Eine
Ausnahme stellt das Werk Friedrich Hebbels (1813-1863) dar.
Hebbels bürgerliches Trauerspiel „Maria Magdalena" (1844) handelt von
Klara, die unehelich schwanger wird, von ihrem Geliebten, dem
karrierebewussten Leonhard, aber verlassen wird. Klara wendet sich
wieder ihrer Jugendliebe Friedrich zu, der schließlich Leonhard zum
Duell fordert; da hat Klara sich jedoch schon in den Brunnen gestürzt.
Tischlermeister Anton, Klaras Vater, sagt am Ende: Ich verstehe die Welt
nicht mehr.
Als lyrische Texte sind Conrad Ferdinand Meyers (1825-_ 1898) Erlebnis-
und Dinggedichte, Storms Landschafts- und Liebesgedichte wie auch
Fontanes Balladen zu nennen.
Bis heute beliebt sind die humorvoll-satirischen Verserzählungen von
Wilhelm Busch (1832-1908), z. B. die Bildergeschichte über die Streiche
von „Max und Moritz" (1865).
Der gängigen Einteilung der deutschen Literatur in Epochen folgt dem
Realismus der Naturalismus: Eine Strömung etwa zwischen 1870 und 1900,
die bewusst auch Elend und Hässlichkeit im Alltag der Menschen
darstellt. Quelle: Geist, Schäfer: Auf einen
Blick!, Deutsch, Mentor, München 2007, S.260f
Siehe auch hier: Epochen der deutschen Literatur |
Weitere Informationen zum Realismus in der Literatur
Wikipedia
Ausführlichere Darstellung mit historischem Hintergrund und Autoren
Informationen, Links und mehr beim Lehrerfreund
Schülerreferate über Storm, Schimmelreiter und Realismus
Literaturangaben
(Welche Ausgabe für Schüler und Schülerinnen?)

Bildquelle
Deutsch
Schule
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