Lehrkräfte

Materialien, Aufgaben, Hinweise zu Jakob Wassermanns "Das Gold von Caxamalca"
für Schülerinnen und Schüler

Übersicht:

Einführungstext (historisch) - Inka - Söhne der Sonne
Fragen zu diesem Text
Link zu einer Seite, auf der die unglaubliche Geschichte des Pizarro-Clans erzählt wird
Link zur Originalfassung der Lektüre
Kurz-Biografie von Jakob Wassermann
Zusatzmaterial - Die Pizarros im Reich der Inka
Zusatzmaterial - Der Inka-Staat
Zusatzmaterial - Der königliche Inka
Zusatzmaterial - Das Urteil des Seefahrers Sarmiento
Zusatzmaterial - Bartolome de Las Casas: Peru
Zusatzmaterial - Zerfall des Aztekenreiches
Zusatzmaterial - Mit Pizarro nach El Dorado
Materialien zur Unterrichtseinheit
Material 1 - Kreuzworträtsel zum Inhalt der Lektüre
Material 2 - Text: Das Requerimiento
Material 3 - Bilder von Atahualpa und Pizarro
Material 4 - Comic: Der Tag von Cajamrca (Caxamalca)
Material 5 - Text: Wirtschaft und Technik der Inka
Material 6 - Text: Atahuallpas Tod
Material 7 - Gedicht: Seume, Der Wilde
Material 7- Kurzbiografie Seume

Einführungstext: Die Inka - Söhne der Sonne

Fragen zu diesem Einführungstext:
1. Wie und wo lebten die "Söhne der Sonne"?
2. Welche Macht hatte der Inka?
3. Wie lebten die "einfachen Indios"?
4. In welcher Reihenfolge wurden die Äcker bestellt?
5. Wie beurteilst du dieses Leben (einerseits - andererseits)?
6. Welche Informationen erhältst du über die Verwaltung des riesigen Inka-Reichs?
7. "Der Staat regelte so das Leben eines jeden Indios bis ins Kleinste, nahm ihm die Sorge um das tägliche Brot..." Wie beurteilst du dieses Leben?
8. Wie wurden im Inka-Reich Informationen schnell befördert?
9. Was hat es mit den Quipus auf sich?
10. Wie sicherte der Inka eroberte Gebiete? Welche Rolle spielten dabei die Mitimaes?
Abschlussfragen zu dem ersten Teil des Textes:
a) Was wurde durch das perfekte Verwaltungssystem bezweckt und erreicht?
b) Weshalb konnten der Inka und die Adligen so prunkvoll leben?
Fragen zu "Der Untergang des Goldreichs" (2. Teil des Einführungstextes):
1. Wann, wie und wohin bricht Pizarro auf?
2. Wie nehmen die Inkas die Ankunft der Spanier wahr?
3. Wie geht Pizarro vor, als die Spanier Cajamarca (Caxamalca) erreichen?
4. Wie reagiert Atahualpa und wovon ist er überzeugt?
5. Beschreibe den "Auftritt" Atahualpas wie ihn der Sekretär Xerez wahrnimmt!
6. Was fordern die Spanier von Atahualpa und wie reagieren sie, als er diese Forderung ablehnt?
7. Pizarro trifft mit dem Inka eine Vereinbarung, die er dann nicht einhält. Welche ist das und was wirft Pizarro dem Inka vor?
8. Der Inka lässt sich sogar taufen. Warum?
9. Bei der Wahrnehmung der Spanier durch die Indios gibt es Parallelen zwischen Inkas und Azteken. Welche?
10. Warum verrieten Angehörige der vom Inka unterworfenen Stämme den Conquistadoren gerne alle Geheimnisse?
11. Welche Grausamkeiten beging Atahualpa im Krieg gegen seinen Bruder Huascar?
12. Was wirft Pater Montezinus der Spaniern vor?
13. Formuliere in wenigen Sätzen, wie du die Eroberung des Inka-Reichs durch die Spanier beurteilst!

   

Interessante Seite zu den Brüdern Pizarro: Wenn Konquistadoren ihre eigenen Wege gehen.
   
  Unsere Lektüre ist eine überarbeitete Fassung des 1928 erschienenen Originals, an verschiedenen Stellen gekürzt und in eine leichter lesbare Form gebracht. Das hat Vor- und Nachteile: Es ist wirklich leichter und schneller gelesen, aber von der damals üblichen Ausdrucksweise und den Eigenarten des Autors bleibt nicht mehr so viel übrig. Man hat damals eben anders geschrieben - und das hört sich auch etwas "altmodisch" an, aber es hat einen besonderen Reiz. Deswegen verbirgt sich hinter dem Symbol am Anfang dieses Abschnitts die Originalfassung als PDF-Datei. Da solltet ihr ruhig mal hineinschauen und mit eurem Text vergleichen!
   
  Materialien zur Lektüre

 

Jakob Wassermann, geb. 1873 in Fürth, war der Sohn eines jüdischen Gemischtwarenhändlers. Nach dem Besuch der Realschule wurde er Kaufmannslehrling, gab diesen Beruf jedoch schon bald auf und führte fortan ein entbehrungsreiches Leben als freier Schriftsteller. Zeitweilig war er Redakteur der Zeitschrift „Simplicissimus"  [] in München. Danach lebte er in der Nähe von Wien und zuletzt in Altaussee, wo er 1934 starb.
Als Erzähler spannender Zeitromane, als „Fabulierer von Geblüt und Instinkt" (Thomas Mann) übte er eine große internationale Wirkung aus. Seine Stärke war die eindringliche psychologische und psychoanalytische Durchdringung von Menschen und Gesellschaft der Zeit, besonders auch des jüdischen Lebens. Zugleich war er führend in der aus jüdischer Umwelt hervorgegangenen literarischen Bewegung um die Jahrhundertwende.
Bekannte Romane sind: Die Juden von Zirndorf (1897); Christian Wahnschaffe (1919); Der Fall Mauritius (1928); aus diesem Jahr stammt auch die Erzählung „Das Gold von Caxamalca".
Besondere Lebensprobleme bereitete ihm stets sein „Weg als Deutscher und Jude", wie er eine 1921 betitelte Schrift auch benennt. „Qual und Unschlüssigkeit, Verzweiflung und Selbsthass, Verlorenheit innen und Hohn außen. Der Lebensabriss hat etwas Erschütterndes ... Man hat ihm vorgeworfen, dass er, der Jude, deutscher sei als die Deutschen - sicher ist, dass er der deutschen Seele zu einem Ausdruck ihrer selbst verholfen hat." (Kurt Tucholsky: Ges. Werke, I, Hamburg 1960, S. 1233/34.) Wassermann selbst nannte den Kampf, den er führte, einen Kampf gegen die „Trägheit des Herzens" - einen Kampf gegen das eigentlich Unmoralische, was das Leben niederhält. Er war überzeugt davon, dass die Kunst zum Sieg in diesem Kampfe wesentlich beitragen könne.
Quelle: Klett Lesehefte. Das Gold von Caxamalca, Stuttgart 1984, S. 50
Eine sehr informative Seite über Jakob Wassermann
 
  Helen Miller Bailey, Abraham P Nasatir: Die spanische Eroberung Südamerikas bis 1600

Die Pizarros im Reich der Inka
...
Wie Cortez kam auch Pizarro in einem günstigen Augenblick in sein künftiges Reich. Der alte Inkaherrscher  Huayna Capac war um 1527 gestorben und hatte seine Nachfolger - Huäscar, den rechtmäßigen Erben, und Atahualpa, den Sohn einer Konkubine aus Quito - im Streit um die Krone zurückgelassen. Als die Spanier ankamen, hatte Atahualpa gerade den Bürgerkrieg gewonnen und war dabei, sein Reich durch die Errichtung einer neuen Hauptstadt in Caxamarca, auf halbem Weg zwischen Cuzco und Quito gelegen, zu befestigen. De Soto, der sich jetzt im Gefolge der Brüder Pizarro befand, hatte mit Gesandten Atahualpas in Verbindung gestanden und Pizarro die Situation geschildert. Im November 1532 erreichten sie Caxamarca, nach einem schwierigen Aufstieg mit 102 Infanteristen und 62 Pferden. Anders als Montezuma hörte Atahualpa voll Verachtung vom Herannahen dieser Eindringlinge, die Tümbez zerstört hatten; die auf Lamas reitenden Inka kannten nicht die abergläubische Furcht der Azteken vor den Pferden. Als Pizarro in Caxamarca eintraf, kam Atahualpa, der eine 40.000 Mann starke Armee in der Nähe stehen hatte, gerade mit einem großen Gefolge von einem Heilbad in den heißen Quellen außerhalb der Stadt zurück und geruhte die Spanier auf dem Hauptplatz zu empfangen. Pizarros Kaplan, Fray Vicente de Valverde, hielt durch Felipillo, den Dolmetscher, eine lange Ansprache, in der er Atahualpa wissen ließ, dass Karl V. der einzige wahre König und der christliche Gott der einzige wahre Gott sei. Als Atahualpa fragte, kraft welcher Autorität der Christengott über seinem Gott, der Sonne, stünde, zeigte man ihm die Bibel. Es war ein Buch mit Schließen; Atahualpa öffnete es mit Mühe, sah die seltsamen schwarzen Linien auf dem weißen Papier und warf es verächtlich zu Boden. Die Spanier bedurften nur dieses Sakrilegs als Vorwand, um loszupreschen, ihre Kanonen in die Menge abzufeuern und Atahualpa inmitten eines allgemeinen Gemetzels unter seinem Gefolge gefangen zu nehmen.
Der Inkaherrscher, ein schöner Mann mit ernsten Gesichtszügen und kühnen, blitzenden Augen, stand damals in der Blüte seiner Jahre; man mochte ihn auf etwa 35 Jahre schätzen. In der Gefangenschaft, während des Aufenthalts der Spanier in Caxamarca, erfuhr er weitgehend dieselbe Behandlung wie zuvor Montezuma durch Cortez. Er durfte seine Diener und Frauen behalten, lernte von de Soto das Schachspiel und wurde durch Valverde mit der Lehre des Christentums bekannt gemacht. Doch Atahualpa wusste genauer als Montezuma, was er wollte. Er bot den habgierigen Spaniern für seine Freilassung so viel Gold, wie nötig war, um den Boden seiner Gemächer damit zu bedecken. Als sie darauf mit Geringschätzung reagierten, erbot er sich, den Raum neun Fuß hoch mit Gold aufschütten zu lassen - ein wahrhaft „königliches Lösegeld". Zwei kleinere Räume sollten überdies mit Silber angefüllt werden. Pizarro ging zum Schein darauf ein und setzte ihm eine Frist von zwei Monaten.
Sofort wurden Läufer mit quipu-Botschaften an alle Enden des Reichs entsandt. Bald begannen die Schätze sich zu häufen; Träger brachten Ladungen von Vasen und Tempelgefäßen, ja sogar Throne. Man hat berechnet, dass das Lösegeld rund 13 265 Pfund Gold und 26 000 Pfund Silber betragen haben muss. Spanier, die auszogen, um noch mehr aufzutreiben, wurden auf indianischen Sänften bis nach Cuzco getragen, wo man sie gastfreundlich als Abgesandte von Atahualpas neuen Herren empfing. Hernando Pizarro begab sich in die alte Stadt Pachacamacs und erfuhr dort die gleiche Behandlung; die Masse der Inka war bereit, die neuen Herrscher ohne ein Wort der Widerrede zu akzeptieren. Dies war der Stand der Dinge, als Almagro und seine Truppe aus Panama eintrafen.
Die tatsächliche Freilassung Atahualpas stand allerdings nie zur Debatte. Die Spanier suchten nur nach einem Vorwand, um sich seiner zu entledigen. Der von Atahualpa gefangen gehaltene Halbbruder Huäscar hatte sogar noch höheres Lösegeld angeboten, aber Atahualpa ließ ihn heimlich im Gefängnis umbringen. Nun konnten die Spanier Atahualpa des Mordes beschuldigen, mit oder ohne Lösegeld. Er wurde für sein Verbrechen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Als man ihm sagte, falls er das Christentum annehme, werde er nicht verbrannt, sondern nur erdrosselt werden, bekehrte er sich. Stoisch erlitt er am 29. August 1533 auf dem Hauptplatz von Caxamarca den Tod durch die Garotte und erhielt ein christliches Begräbnis.

Aus: Kindlers Kulturgeschichte. Helen Miller Bailey/Abraham P. Nasatir: Lateinamerika - Von iberischen Kolonialreichen zu autonomen Republiken. ©Kindler: München 1969 [Kindlers Kulturgeschichte ist eine im Kindler Verlag zwischen 1962 und 1971 in 38 Bänden erschienene, breit angelegte, aus Werken international renommierter Forscher zusammengesetzte Kulturgeschichte, die sich von den Kulturen Mesopotamiens bis ins 20. Jahrhundert erstreckt. Aufgenommen wurden viele international bewährte Standardwerke, die für diese Reihe eigens ins Deutsche übersetzt wurden.]
 
  Victor W. von Hagen: Der Inka-Staat

Das ayllu war die Keimzelle des Inka-Staates, eine Schollengemeinschaft, deren Kollektivsystem für das gesamte Andengebiet bezeichnend ist. Jeder Eingeborene gehörte einem solchen ayllu an; es mochte groß oder klein sein, zu Dorf oder Stadt anwachsen - Cuzco, die Hauptstadt, war im Grunde nichts anderes als ein vergrößertes ayllu -, das Ausmaß änderte nichts an der gesellschaftlichen Struktur. Auf diesem ayllu-System beruhte das gesamte Inka-Reich.
Grund und Boden gehörten der Allgemeinheit. Dem ayllu wurde ein bestimmtes Gebiet zugesprochen, dessen Nutzrecht man an seine Angehörigen, der Größe ihrer Familien und ihren Bedürfnissen entsprechend, verlieh. Allerdings war dieses System keineswegs eine Erfindung der Inka, sondern das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, das von den Inka planvoll organisiert wurde. Jedes ayllu unterstand einem gewählten Führer, den ein Ältestengremium in wichtigen Angelegenheiten beriet. Die nächst höhere Instanz war das Distriktoberhaupt; mehrere Distrikte bildeten einen Bezirk, mehrere Bezirke, zu einem der Vier Weltteile vereint, unterstanden der Herrschaft eines Präfekten, der lediglich dem Inka-Herrscher selbst verantwortlich war.
Sobald ein junger Mann das zwanzigste Lebensjahr erreichte, hatte er sich zu verheiraten. Zögerte er zu lange, suchte man eine Frau für ihn aus. Das Ehezeremoniell war einfach: Man reichte einander die Hände und tauschte die Sandalen.
Einmal im Jahr, jeweils im Herbst, wurde das Gemeindeland der ayllu unter die Mitglieder der Siedlungsgemeinschaft verteilt. Jedes verheiratete Paar erhielt vom Dorfvorsteher einen etwa 90 x 45 Meter großen Streifen Ackerland (topo) zugeteilt. Der Umfang der zugesprochenen Landfläche richtete sich nach der Größe der Familie; für jedes Kind gab es ein zusätzliches Stück Boden. Jede Familie war für die Nutzung und Bebauung des ihr verliehenen Landes verantwortlich.
Das ayllu-Gebiet wurde nach folgenden Richtlinien verteilt: entsprechend der Personenzahl an die Dorfbewohner, an den Inka (den Staat) und an den Sonnengott (die Staatsreligion). Das dem Kult und dem Staat zugemessene Land wurde gemeinsam bestellt und abgeerntet, eine Arbeit, die im Rahmen der Steuerdienste geleistet werden musste und zu deren Verrichtung jeder ayllu-Angehörige verpflichtet war.

Aus: Victor W. von Hagen, Sonnenkönigreiche. Azteken - Maya - Inka. ©Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München/Zürich 1962.
 
  Victor W. von Hagen: Der königliche Inka

Der Sapa Inka, der Sonnenkönig von Peru, war göttlicher Abkunft, die Sonne (die bei den Inka wie bei den romanischen Völkern als männlich galt), der Schöpfergott, war sein Stammvater. Land, Menschen, Gold (Schweißtropfen der Sonne) und Silber (Tränen des Mondes) gehörten ihm; seine Macht war uneingeschränkt. Er war der Gott, das Oberhaupt einer wahren Theokratie [].
Seine Entscheidungen waren unwiderruflich. Er brauchte nur die Hand zu heben, um einen verdienten General oder einen Blutsverwandten, der sein Missfallen erregt hatte, in den Tod zu schicken.
„Ich entsinne mich", schreibt Pedro Pizarro, ein Vetter des Eroberers Francisco Pizarro, „dass der Herr von Huaylas vom Inka einst die Erlaubnis erhielt, innerhalb einer gewissen Zeit seine Güter zu besuchen und wieder zurückzukehren. Er blieb länger fort als ausbedungen. Als er zurückkam - ich war gegenwärtig - und dem Inka einen Korb voller Früchte zum Geschenk überreichen wollte, begann er so heftig zu zittern, dass er sich kaum auf den Füßen halten konnte. . ."
Wenn dies einem der mächtigsten Statthalter, einem curaca, geschah, wie stark muss die Wirkung des Inka auf den einfachen Staatsbürger, einen von Tausenden, gewesen sein? Dennoch war der Herrscher um das Wohl seiner Untertanen aus den verschiedensten Gründen der Staatsräson (Staatsvernunft) nachdrücklich bemüht - wenn auch weder so wohlwollend, wie es Garcilaso de la Vega, der einheimische Geschichtsschreiber, in seinem aus zeitlicher Ferne pathetisch inspirierten Königlichen Kommentar glauben machen wollte, noch so tyrannisch, wie es die spanischen Machthaber darstellten, um die Zerstörung des Inka-Reiches zu rechtfertigen. Die Anteilnahme des Inka beruhte auf praktischen Gründen: Gesundheit und Arbeitsfähigkeit seiner Untertanen garantierten ihm Reichtum und Macht; und nicht nur die Bodenschätze des Landes, sondern auch Charakter und Stärke der Bevölkerung verbürgten den Fortbestand seines Reiches. Ihrer nutzbringenden Entwicklung innerhalb der gesteckten Grenzen galt die Sorge des Inka-Herrschers. Seine Beamten wurden für Nachlässigkeiten oder Vergehen im Amt streng zur Verantwortung gezogen.
Sein Tageslauf war einem strengen Ritual unterworfen. Die Gold- und Silberteller, von denen er aß, standen auf kunstvoll gewebten Matten, die Speisen wurden ihm von seinen Erwählten gereicht. Was vom Mahl des Herrschers übrig blieb, wurde beiseite gestellt und später mit seinem abgelegten Gewand, das er kein zweites Mal trug, feierlich verbrannt. Er schlief auf erhöhtem, mit farbigen Wollteppichen bedecktem Bett, von zahlreichen Frauen bedient. Er ging selten zu Fuß und ließ sich auf Kriegszügen und Reisen - zuweilen blieb er ganze Jahre von seiner Hauptstadt fern - in goldener Sänfte tragen. „Die Inka-Herrscher", schreibt Pedro de Cieza de Leön, „reisten mit großem Gepränge. Ihre Sänften waren aus Edelholz gefertigt und strotzten von Gold und Silber. Zwei hohe gold- und juwelenbesetzte Bogen überspannten die Sänfte wie ein Baldachin."
Als Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru, nach Cuzco kam, fand er einen dieser prächtigen Tragsessel in den Königsgräbern; er nahm ihn an sich, vom spanischen König vertraglich dazu ermächtigt, und betrachtete ihn zeitlebens als sein kostbarstes Beutestück.
Die Krone des Inka war - verglichen mit dem kostbaren Material seiner Kleidung und den prächtigen, edelsteinbesetzten goldenen Ohrpflöcken - verhältnismäßig bescheiden: sie bestand aus einem roten, wollenen Kopfschmuck, dessen goldverzierte Fransen ihm ins Gesicht hingen und die Augen beschatteten. In der Beschreibung eines Konquistadors heißt es: „. . . auf dem Kopf trug der Inka eine runde, zackenlose, etwa handbreite, aus fingerdicken farbigen Wollsträhnen gefertigte Krone; seine Stirn war von überaus kunstvollen goldverzierten Fransen bedeckt."
Atahualpa, der letzte Inka-Herrscher - die von den Spaniern eingesetzten Marionettenfürsten nicht mitgerechnet -, ist der einzige ,König', von dem wir eine genaue Personalbeschreibung besitzen: „Er war eine wohlgebaute, hoheitsvolle Erscheinung, mittelgroß, nicht zu stark, mit schönen, ernsten Zügen und leuchtenden Augen und vom ganzen Volk gefürchtet." Besonders charakteristisch ist ein kleines Vorkommnis, von dem der Chronist berichtet: „Eines Tages saß er beim Mahl und ließ einen Bissen, den er zum Munde führen wollte, auf sein Kleid fallen. Sofort zog er sich in ein inneres Gemach des Palastes zurück und vertauschte den befleckten Poncho mit einem dunkelbraunen Mantel aus Fledermaushäuten und einem Untergewand." An seiner Macht konnte kein Zweifel herrschen: „Ich bin in ganz Peru keinem Indianer begegnet, der so kühn und herrisch gewirkt hätte wie Atahualpa."

Aus: Victor W. von Hagen, Sonnenkönigreiche. Azteken - Maya - Inka. ©Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München/Zürich 1962.
 
  Hans Baumann: Das Urteil des Seefahrers Sarmiento

Ich, Sarmiento de Gamboa, sage, dass die Inka schlechte Herrscher waren. Der Vizekönig von Peru hat mich beauftragt, zu erforschen, wie es den Völkern von Peru erging, solange diese 'Sonnensöhne' herrschten. Man hat uns Spanier als Teufel hingestellt, die Elend über alle Inkavölker brachten. Ich aber weiß, wir haben sie aus der Sklaverei befreit. Ich habe überall im Lande Verhöre angestellt und nun bin ich im Bilde, wie diese Inka wirklich waren. Sie waren Ausbeuter, Tyrannen für ihr Volk und andere Völker. Ihr Reich war groß, doch nur, weil andere Reiche diesem Reich geopfert wurden - und ungezählte Menschen. Die Inka ließen Trommeln aus der Haut der Besiegten machen. In Cuzco hatten sie ein Schädelhaus, das angefüllt war mit Trophäenköpfen. In den eroberten Gebieten wurde manches Feld zum Blutfeld, manche Lagune zur Blutlagune, mancher Berg zum Totenberg. Als Manco Capac mit der Inkasippe in das Tal von Cuzco einbrach, kam er nicht als Lehrer; die Stämme, die da lebten, hatten längst schon Felder, Tempel, Städte. Er kam als Unterdrücker, der sich Land nahm, der jeden niederschlug, der sich nicht beugte. Sogar die Inkaweiber kämpften mit. Mir haben auf den Salzterrassen bei Cuzco die Nachfahren der Unterworfenen erzählt, dass Mama Ocllo einem Feind die Lungen aus der Brust riss und sie mit ihrem eigenen Atem aufblies; entsetzt von so viel Wildheit, floh der Stamm. Die Inka schreckten auch vor Brudermord zu keiner Zeit zurück. Einer der vier ersten Inkabrüder wurde von drei anderen umgebracht. Pachacuti erschlug seinen Bruder Urco, Atahualpa ließ Huäscar grausam töten. Und auch mit ihrer Frömmigkeit war es nicht weit her. Ein Inka erschreckte die Priester mit der Frage, ob sie denn wirklich glaubten, dass die Sonne ein Gott sei, da sie doch Tag für Tag den gleichen Weg zurücklege, nicht anders als ein Tier am Zügel. Atahualpa schlug einen Orakelpriester mit der Goldaxt nieder, weil dieser ihm einen frühen Untergang geweissagt hatte. Diesem letzten Inka braucht keiner nachzutrauern. Er selbst gab zu, dass er vorhatte, alle Spanier zu töten bis auf einen: den Schmied, dem er das Geheimnis des Eisens zu entreißen hoffte. - Diese Inka logen allen Völkern vor, sie seien von der Sonne zum Heil der Menschen eingesetzt. Ich aber frage: Was waren Menschen für sie? Werkzeuge, mit denen sie verfuhren, wie sie wollten. Im Inkareiche zählte nur der Inka. Alle anderen wurden gezählt. Bis in den letzten Winkel des Reiches kamen Menschenzähler, und wehe, wenn herauskam, dass ein Curaca, um Abgaben zu ersparen, auch nur ein Kind versteckt in einem Erdloch hielt. So einer wurde erbarmungslos zur Rechenschaft gezogen. Tribut wurde nicht nur in Mais und Wolle, in Lamas und Metall erhoben, auch in Menschen, aus denen Läufer oder Sänftenträger, Tempeldienerinnen oder Opfer werden sollten. Vom Inka wurde jedermann sein Platz bestimmt. Wer nicht zum Krieg, zum Straßen- oder Terrassenbau herangezogen oder samt seiner Sippe in eine fremde Gegend umgesiedelt wurde, kam lebenslang nicht los von seiner Zelle. Lebenslang bestellte er im gleichen Dorf das Feld der Sonne, das Inkafeld, sein eigenes und das Feld des eingezogenen oder kranken Nachbarn, trank an den Feiertagen Chicha, leckte Salz und spielte das Bohnenspiel - wie alle andern. Die Puricfrau hatte für Kinder, Lamas, Mann und Haus zu sorgen, für Feld und Wasserspeicher.

Aus: Hans Baumann, Gold und Götter von Peru, Ravensburger Taschenbuch. 1971.
 
   
  Bartolome de Las Casas: Peru

Bartolome de Las Casas, 1474-1566, spanischer Geschichtsschreiber, kam in das von Cortez eroberte Mexiko, wurde Bischof von Chiapa, trat für die Indios ein und übte in seiner Denkschrift an Karl V. scharfe Kritik an den Kolonisationsmethoden.

Von unzähligen Übeltaten und Grausamkeiten, wodurch die so genannten Christen dies Volk auszurotten suchten, will ich nur einige hier anführen, die ein Mönch vom Orden des heiligen Franziskus gleich zu Anfang mit ansah. Er bekräftigte seine Erzählung mit Unterschrift seines Namens und schickte Abschriften davon in alle Gegenden des Königreichs Castilien []. Ich selbst besitze eine dieser Abschriften, die eigenhändig von ihm unterzeichnet ist und worin er sich folgendermaßen ausdrückt:
„Ich, Frater Maros de Niza, Franziskaner-Ordens, und Commissarius über die Geistlichen des nämlichen Ordens im Königreich Peru, war einer der ersten Ordensgeistlichen, der die Christen begleitete, welche zuerst in diese Provinzen kamen, und bezeuge hiermit, der Wahrheit vollkommen gemäß, einige Dinge, die ich in diesem Lande mit meinen eigenen Augen sah und welche größtenteils die dortigen Eroberungen und die Behandlung der Eingebornen betreffen. Zuerst bezeuge ich, als einer, der Augenzeuge war und hiervon vollkommene Kenntnis erlangt und eingezogen hatte, dass die Indianer in Peru die gutmütigsten unter allen Indianern sind, die ich je gesehen habe, und dass sie sich sehr freundlich und liebreich gegen die Christen betrugen. Auch sah ich, dass sie den Spaniern Gold, Silber und Edelsteine in Fülle gaben, überhaupt ihnen alles gewährten, was nur in ihren Kräften stand, und sie aufs Beste bedienten. Solange den Indianern durch Grausamkeit und üble Behandlung keine Veranlassung gegeben ward, fingen sie nie Krieg an, sondern hielten sich ruhig, nahmen die Spanier in ihren Wohnörtern mit Wohlwollen und Ehrenbezeigungen auf und gaben ihnen nicht allein Lebensmittel, sondern auch so viele Sklaven und Sklavinnen, wie man von ihnen verlangte."
„Imgleichen bezeuge und beteure ich hiermit, dass die Spanier, sobald sie in dies Land kamen, und ohne dass die Indianer die mindeste Veranlassung dazu gaben, sich vom obersten Caziquen Atabaliba mehr als zwei Millionen Goldes bezahlen ließen. Und nachdem er ihnen das Land, welches er beherrschte, ohne den mindesten Anstand unterworfen hatte, verbrannten sie besagten Atabaliba, den Herrn des ganzen Reichs, auf der Stelle. Nach ihm verbrannten sie seinen obersten Heerführer, Cochilimaca, lebendig, der doch, nebst andern Vornehmen, zum Gouverneur in Frieden kam. Auf gleiche Art verbrannten sie einige Tage nachher einen andern Caziquen, welcher Chamba hieß und die Provinz Quito beherrschte. Er hatte nicht das Geringste verbrochen, und sie wussten selbst nicht, warum sie ihn töteten."

Aus: Bartolome de Las Casas, Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder. Hrsg. von H. M. Enzensberger. ©Insel Verlag, Frankfurt a. M. 1966.
 
  Günter Kunert: Zerfall des Aztekenreiches

Als Cortez mit seinen Leuten kam, begrüßten ihn die Azteken als die lang erwarteten weißen Götter, heißt es. Kaum gelandet aber zeigte sich, wie blutgierig sie waren, und also glichen sie eher und unvermutet den einheimischen Gottheiten.
Freilich, ihre Blutgier kam von der Gier nach Gold, nach des Kaisers Montezuma Gold, an dem sie sich zu bereichern gedachten. Aber die Schätze verschwanden wie Rauch. Heimlich schafften die indianischen Krieger und Priester das Metall, von ihnen selber nicht derart hoch geschätzt, in die Wirrnis der Dschungel und ließen dafür Wertloseres zurück: den Montezuma. Und ihn völlig bargeldlos. Seiner bemächtigten sich die Spanier als Geisel. Als sie nicht genügend Lösegeld erhielten, erschlugen sie den Gefangenen.
Da erst setzten Plänkeleien zwischen der schwachen Schar des Cortez und den Massen der Azteken und Mayas ein. Und es dauerte eine überraschend lange Zeit, bis überhaupt so etwas wie ein Kampf in Gang kam, während dem es der unvorstellbaren Übermacht der Indianer nicht gelang, die Hand voll wilder Weißer zu überwältigen. Unter geringen Verlusten gelangte Cortez mit seinen Männern zu den Schiffen zurück und zurück nach Spanien.
Die Eroberer kehrten wieder und wieder, stets in absoluter Minderheit, und eigneten sich einfach das indianische Volk an und machten es sich botmäßig. Ein Wunder der Heiligen Jungfrau, heißt es; kein Wunder ist es.
Das Gerede von der Sage, der zufolge das indianische Volk weiße Götter erwartete und sie in den Spaniern zu erkennen meinte, weil diese auf Pferden ritten, unbekannten Tieren jenseits des Ozeans - dieses Gerede erscheint deutlich als Ausflucht und Ausrede der Priester und Fürsten des untergegangenen Reiches dortselbst.
Sie vertuschten damit, dass ihre eigene Herrschaft ihre eigene Herrschaft endigte: Die blutigen Götterdienste, bei denen man schlagende Herzen aus den zuckenden sterbenden Leibern der Geopferten riss, trugen nicht bei, die Spanier niederzukämpfen. Die strenge Reglementierung des Lebens, das Kastenwesen, die ständige Drohung, selber zum Menschenopfer auserwählt zu werden und mit seinesgleichen unter dem Steinmesser zu verbluten, ließ den Indianern die saufenden und randalierenden Abenteurer wenn auch nicht als Götter erscheinen, so doch als das kleinere Übel, von dem es heißt: Widerstehe ihm nicht.

Aus: Günter Kunert, Tagträume in Berlin und andernorts. © Carl Hanser: München 1972.


Alle Materialien in einem Dokument mit Zeilennummerierung (außer: G. Kunert)
     
  Landung in der "Neuen Welt"
Mit Pizarro nach El Dorado


Es war nicht gerade die Elite der spanischen Armee, die im Jahre 1532 auf die unbekannte Pazifikküste Südamerikas zutrieb. Unter dem Kommando des Hauptmannes Franzisco Pizarro sammelten sich ausgemusterte Soldaten und Gestrandete der Alten Welt, die außer ihrem Leben nichts zu verlieren hatten.

Drucken Versenden Sendung vom 30.09.2004 [Archiv] Pizarro hatte den Waffenbrüdern sagenhafte Goldschätze eines riesigen, unbekannten Reiches versprochen, doch gerade einmal 180 Mann folgten ihm.

Menschenleer anmutendes Land
Bei Túmbes im heutigen Peru betraten die Konquistadoren zum ersten Mal Festland. Tagelang marschierten sie am Ufer des Pazifik, ohne auf Widerstand zu stoßen. Noch wussten sie nicht, wer dieses fremde, menschenleer anmutende Land bewohnte: Kannibalen, gefährliche Krieger oder friedfertige Eingeborene. War "El Dorado", das sagenhafte Goldland, nur ein Hirngespinst des 53-jährigen Francisco Pizarro? Keiner der Spanier bemerkte, dass sie schon seit ihrer Landung ständig von Spähern der Inka beobachtet wurden. Staffelläufer hatten die Nachricht vom Vormarsch der Fremden längst über die Anden in ihre Hauptstadt gebracht.

Das Orakel spricht
In Cusco residierte der Gottkönig der Inka Atahualpa, von seinem Volk als Sohn der Sonne verehrt. Er hatte sich in heilige Höhlen zurückgezogen, um das Orakel zu befragen. Waren die Fremden Krieger, die ihn herausforderten oder Götter, die ihm ihre Aufwartung machten - wie seine engsten Ratgeber vermuteten. Nach einem alten Ritual streute der Priester Cocablätter, um aus ihnen die Zukunft zu lesen.
Was er sah, wurde nicht überliefert, aber Atahualpa war offenbar nicht beunruhigt. Statt die Eindringlinge mit seiner gewaltigen Streitmacht aufzuhalten, ließ er den fremden Trupp weitermarschieren. Aus dem Kriegstagebuch vom 15. Februar 1532: "Die Sonne brennt senkrecht auf unsere Soldaten, die kurz vor der Ohnmacht stehen - soweit das Auge blickt nur Sand und verbrannte Berge."

Versunkene Hochkultur
Doch das öde Hochland war keine unberührte "Neue Welt", wie Pizarro glaubte, es war die Heimat einer versunkenen Hochkultur. Seine Soldaten und er übersahen, dass dort ungeheure Schätze vergraben waren. Die Indios waren Meister der Goldschmiedekunst. Mit Blasrohren heizten sie die Glut in ihren einfachen Öfen an, um das edle Metall zu schmelzen. Gold war für sie das Blut ihres Sonnengottes Viracocha, die Kunst des Schmiedens ein religiöses Ritual. Die unstillbare Goldgier der Europäer war der indianischen Kultur fremd. Mit einfachen Mitteln schafften sie unvergleichliche Kunstwerke. Sie schmückten die Tempel des Sonnengottes und die Grabkammern edler Verstorbener. Unter den Lebenden war es allein dem König vorbehalten, Goldschmuck zu tragen - als Beweis seiner göttlichen Abstammung.
Göttlicher Pizarro
Wie die Vorgänger der Inka-Kultur, die Mochica, glaubten auch die Inka an die Rückkehr eines Schöpfergottes. Er hatte sie der Legende nach über das weite Meer verlassen. Aus der untergehenden Sonne, aus Westen sollte er eines Tages zurückkommen - ein hellhäutiger, bärtiger Gott.
Pizarro kam der Vorstellung recht nahe, doch der spanische Anführer ahnte von alldem nichts: Entschlossen führte er seine Männer durch die scheinbar unberührten Hochtäler der Anden. Doch sie waren umringt von Spionen der Inka. Über Lichtzeichen unterrichteten sie ihren König über jeden Schritt der Eindringlinge. Ungehindert erklommen die Spanier die Pässe der Anden. Atahualpa stellte sie nicht zum Kampf, er wartete lieber ab, denn seine Kundschafter teilten ihm mit, die Fremden seien tatsächlich göttlich, Pizarro sei der ersehnte weiße Gott.
Quelle mit Bildern (ZDF-Expedition)
   
Material 1 Materialien zur Unterrichtseinheit:
KWR Caxamalca (online) zum Ausdrucken
Material 2 Das Requerimiento

Am spanischen Hof wurde von Juristen und Theologen folgender Text verfasst, der den Indios das Ziel der Konquista verdeutlichen sollte:

Gott, unser Herr, der Einige und Ewige, schuf Himmel und Erde, einen Mann und eine Frau, von denen wir und ihr, alle Menschen, auf der Welt abstammen, wie auch alle, die künftig nach uns kommen werden. [...]
Unter all diesen Menschen beauftragte Gott unser Herr einen, den heiligen Petrus, dass er über alle Menschen auf Erden Herr und Meister sei, dem alle zu gehorchen hätten, und machte ihn zum Oberhaupt des ganzen menschlichen Geschlechtes, wo immer Menschen leben und wohnen, welchem Gesetz, welcher Sekte und welchem Glauben sie auch angehören. [...]
Einer der letzten Päpste, die an seiner Stelle zu dieser Würde und auf diesen Thron gekommen sind, hat kraft seiner Herrschaft über die Welt diese Inseln und dieses ozeanische Festland den Katholischen Königen von Spanien, damals Don Fernando und Dona Isabel glorreichen Angedenkens, und ihren Nachfolgern in diesen Königreichen, unseren Herren, mit allem, was darin ist, zum Geschenk gegeben, wie es in gewissen, darüber ausgestellten Urkunden geschrieben steht, die ihr einsehen könnt, so ihr wollt. [...]
Deswegen bitten und suchen wir euch nach bestem Vermögen, dass ihr auf unsere Rede hört und eine angemessene Weile darüber beratet, dass ihr die Kirche als Oberherren der ganzen Welt und in ihrem Namen den Hohepriester, Papst genannt, sowie an seiner statt Seine Majestät als Herrn und König dieser Inseln und dieses Festlandes kraft der erwähnten Schenkung anerkennt und euch einverstanden erklärt, dass die hier anwesenden Ordensbrüder euch das Gesagte erklären und verkünden. Handelt ihr danach, dann tut ihr recht und erfüllt eure Pflicht; dann werden Seine Majestät und ich in ihrem Namen euch mit Liebe und Güte behandeln, [...]. Man wird euch in diesem Fall nicht zwingen Christen zu werden; es sei denn, dass ihr in der Wahrheit unterwiesen, selbst den Wunsch habt, euch zu unserem heiligen katholischen Glauben zu bekennen, wie es fast alle Bewohner der anderen Inseln getan haben. [...]
Wenn ihr dies aber nicht tut und böswillig zögert, dann werde ich, das versichern wir euch, mit Gottes Hilfe gewaltsam gegen euch vorgehen, euch überall und auf alle nur mögliche Art mit Krieg überziehen, euch unter das Joch und unter den Gehorsam der Kirche und seiner Majestät beugen, eure Frauen und Kinder zu Sklaven machen, sie verkaufen und über sie nach dem Befehl Seiner Majestät verfügen. Wir werden euch euer Eigentum nehmen, euch schädigen und euch Übles antun, soviel wir nur können, und euch als Vasallen behandeln, die ihrem Herrn nicht gehorsam und ergeben, sondern widerspenstig und aufsässig sind. [...]
(aus: Entwicklungspolitik. 19/29. 1988. Zitiert nach: Andreas Weber: Das Ende des Sonnenkönigs. In: Praxis Geschichte. 1/1992. S.36-40. Hier 5.38.)
   
Material 3


Koloniales Ölgemälde von Atahual(l)pa
 


Portrait von Franzisco Puizarro

 
   
Material 4 Comic "Der Tag von Cajamarka"
   
  Wirtschaft und Technik der Inka

Die Verwaltung des Inkareiches war mit einer straff gelenkten Wirtschaftsform verbunden. Jede Arbeit war zentral organisiert: Alle Steuerzahler mussten beim Bau von Tempeln, Festungen und Städten helfen, in der Armee dienen, auf den Feldern und in den Bergbauminen des Herrschers arbeiten. Auch die Landwirtschaft unterstand staatlicher Kontrolle. Angebaut wurden hauptsächlich Getreide und Kartoffeln, in wärmeren Zonen Mais.
Das ganze Ackerland und dessen Ernte waren in drei Teile aufgeteilt: Ein Drittel gehörte dem Inkaherrscher, ein Drittel diente der Versorgung der Adligen und Priester und das letzte Drittel Land stand den Dorfgemeinden zur Verfügung. Jeder Familie und jeder Einzelperson wurde daraus so viel zugeteilt, dass sie davon leben konnten. Für Kranke und Alte sorgte ebenfalls die Gemeinde. Dieses Verteilungssystem sorgte zum einen dafür, dass niemand hungern musste, zum anderen stärkte es die Macht des Herrschers und der Adligen gegenüber der Masse der besitzlosen Bevölkerung. Alle Flächen, auch die staatlichen Güter (Domänen) und das Land der Adligen und Priester, wurden von den bäuerlichen Gemeindemitgliedern bewirtschaftet. Die Landwirtschaft war mit Terrassenanlagen, künstlicher Bewässerung und Dünger, vor allem dem Guano, hoch entwickelt. Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und Bronze hergestellt, Eisen war unbekannt. Gold und Silber wurden zu Schmuck verarbeitet: Die Inka produzierten vielfältige und farbenreiche Textilstoffe. Zu ihren bedeutenden architektonischen Leistungen gehören die Tempelpyramiden.
(aus: Forum Geschichte. Band 2: Das Mittelalter und der Beginn der Neuzeit. Hrsg. v. Christoph Kunz, Hans-Otto Regenhardt, Claudia Tatsch. Berlin: Cornelsen 2001, S.205)
 
  Fray Celso Gargia: Atahuallpas Tod

Nun schwirrte plötzlich das Gerücht durch das spanische Lager, in Quito, dem Geburtsland Atahuallpas, sei ein gewaltiges Heer aufgestellt worden, zu dem Zweck, nach Caxamalca zu marschieren und die Eroberer zu vernichten. [...]
Nun lief ein zweites Gerücht durch Caxamalca. Ein weiteres großes Heer stehe in Guamachucho, behauptete man, und man müsse mit einem Angriff in den allernächsten Tagen rechnen. Die Indianer, erzählte einer dem anderen, wollten nicht nur den Inka befreien, sondern auch das Gold zurückgewinnen.
Pizarro hielt es nicht für ausgeschlossen, daß an letzterem Gerücht etwas Wahres war. Er ließ die Wachen verdoppeln, die Pferde wurden gesattelt und aufgezäumt gehalten. [...]
Als dies einige Tage währte, begannen die Soldaten zu murren. Man maß die Schuld an diesem unbequemen Zustand dem Atahuallpa zu, und viele begannen seinen Tod zu fordern, weil dieser für die Sicherheit des Heeres unerläßlich sei. [... ] Pizarro widersetzte sich der Forderung, Atahuallpa einen Prozeß zu machen, und Hernando de Soto stellte sich auf seine Seite. De Soto erklärte sich außerdem bereit, mit einer kleinen Schar nach Guamachucho zu reiten, um dort festzustellen, ob an dem Gerücht etwas Wahres sei. Er kam nach wenigen Tagen mit der Nachricht zurück, daß sich in Guamachucho eine große Streitmacht befinde, die sicher nichts anderes im Sinne habe, als Caxamalca anzugreifen. Nun zögerte auch Pizarro nicht mehr, dem Inkaherrscher den Prozeß zu machen. Ein Gerichtshof wurde eingesetzt, bei dem Pizarro und Almagro den Vorsitz führen sollten. [...] Dem Angeklagten wurde ein Rechtsbeistand zugewiesen.
Die Anklage umfaßte 8 Punkte. Diese lauteten:
1 Atahuallpa hat sich die Krone widerrechtlich angeeignet. 2 Atahuallpa hat den Befehl zur Ermordung seines Bruders Huascar gegeben. 3 Atahuallpa hat seine gesamte männliche und weibliche Verwandtschaft ermorden lassen. 4 Atahuallpa hat sich göttliche Verehrung angemaßt. 5 Atahuallpa hat die öffentlichen Einkünfte des Reiches verschwendet und an seine Verwandten und Günstlinge vergeudet. 6 Atahuallpa hat sich des Götzendienstes schuldig gemacht. 7 Atahuallpa hat sichder Vielweiberei schuldig gemacht. 8 Atahuallpa hat einen Aufstand gegen die Spanier angezettelt.
Bevor man mit der Verhandlung begann, vernahm man mehrere indianische Zeugen. Da viele von ihnen Anhänger Huascars gewesen waren; verschlechterte sich die Lage des Inkaherrschers nur noch. Bei der Verhandlung selbst kam es zu den widersprechendsten Ansichten. [...] Als keine Einigung zustande kam, ließen Pizarro und Almagro abstimmen. Zwölf sprachen sich für die Hinrichtung Atahuallpas aus, acht waren dagegen. Eine Abschrift des Urteils wurde Vicente de Valverde vorgelegt. Er sagte: „Dieser Gerichtshof besitzt kein Recht, ein Urteil zu sprechen." Doch er hatte nicht die Macht, gegen das Urteil aufzutreten.
Das Urteil lautete:
Der Inkahäuptling Atahuallpa wurde in allen acht Punkten der Anklage schuldig befunden. Das Urteil lautet, daß Atahuallpa auf dem großen Platze von Caxamalca lebendig verbrannt wird. Das Urteil ist sofort zu vollziehen.
[... ] Pizarro war erschüttert, als er den Inkaherrscher verließ. Er sprach später oft aus, daß dieses Urteil zu hart gewesen sei, und daß er damals nicht die Macht besessen habe, sich dem Urteilsspruch zu widersetzen. Ich fand diesen Urteilsspruch nicht zu hart. Atahuallpa verdiente allein schon wegen des von ihm begangenen Brudermordes den Tod. Außerdem hatte er die vielen Greueltaten, deren er sich schuldig gemacht hatte, so die unmenschliche Ermordung aller seiner Verwandten, nie bereut. Er war grausam und einer der blutrünstigsten Herrscher der Geschichte, und es bedeutete ihm nichts, eine ganze Stadt dem Erdboden gleichzumachen und Tausende niedermetzeln zu lassen, die sich seinem Willen nicht beugten. [...]
(aus: Die Eroberung von Peru. Pizarro und andere Conquistadoren 1526-1712. Die Augenzeugenberichte von Celso Gargia, Gaspar de Carvajal, Samuel Fritz. Hrsg. u. bearb. von Robert und Evamaria Grün. Tübingen, Basel: (D 1973 by Edition Erdmann in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart - Wien. S. 68-71.)
 

Die Gastfreundschaft des Huronen
oder: Der Wilde

Ein Kanadier, der noch Europens
übertünchte Höflichkeit nicht kannte
und ein Herz, wie Gott es ihm gegeben,
von Kultur noch frei, im Busen fühlte,
brachte, was er mit des Bogens Sehne
fern in Quebeks übereisten Wäldern
auf der Jagd erbeutet, zum Verkaufe.
Als er ohne schlaue Rednerkünste,
so wie man ihm bot, die Felsenvögel
um ein Kleines hingegeben hatte,
eilt er froh mit dem geringen Lohne
heim zu seinen tiefbedeckten Horden,
in die Arme seiner braunen Gattin.

Aber ferne noch von seiner Hütte
überfiel ihn unter freiem Himmel
schnell der schrecklichste der Donnerstürme.
Aus dem langen rabenschwarzen Haare
troff der Guß herab auf seinen Gürtel,
und das grobe Haartuch seines Kleides
klebte rund an seinem hagern 'Leibe.
Schaurig zitternd unter kaltem Regen
eilt der gute wackre Wilde
in ein Haus, das er von fern erblickte.
»Herr, ach laßt mich, bis der Sturm sich leget,«
bat er mit der herzlichsten Gebärde
den gesittet seinen Eigentümer,
»Obdach hier in Eurem Hause finden!« -
»Willst du mißgestaltes Ungeheuer,«
schrie ergrimmt der Pflanzer ihm entgegen,
»willst du Diebsgesicht mir aus dem Hause!«
und ergriff den schweren Stock im Winkel.

Traurig schritt der ehrliche Hurone
fort von dieser unwirtbaren Schwelle,
bis durch Sturm und Guß der späte Abend
ihn in seine friedliche Behausung
und zu seiner braunen Gattin brachte.
Naß und müde setzt er bei dem Feuer
sich zu seinen nackten Kleinen nieder
und erzählte von den bunten Städtern
und den Kriegern, die den Donner tragen,
und dem Regensturm. der ihn ereilte,
und der Grausamkeit des weißen Mannes.
Schmeichelnd hingen sie an seinen Knien,
schlossen schmeichelnd sich um seinen Nacken,
trockneten die langen schwarzen Haare
und durchsuchten seine Weidmannstasche,
bis sie die versprochnen Schätze fanden.

Kurze Zeit darauf hatt' unser Pflanzer
auf der Jagd im Walde sich verirret.
Über Stock und Stein, durch Tal und Bäche
stieg er schwer auf manchen jähen Felsen,
um sich umzusehen nach dem Pfade,
der ihn tief in diese Wildnis brachte.
Doch sein Spähn und Rufen war vergebens;
nichts vernahm er als das hohle Echo
längs den hohen schwarzen Felsenwänden.
Ängstlich ging er bis zur zwölften Stunde,
wo er an dem Fuß des nächsten Berges
noch ein kleines, schwaches Licht erblickte;
Furcht und Freude schlug in seinem Herzen,
und er faßte Mut und nahte leise.
»Wer ist draußen?« brach mit Schreckenstone
eine Stimme tief her aus der Höhle,
und ein Mann trat aus der kleinen Wohnung.
»Freund, im Walde hab' ich mich verirret,«
sprach der Europäer fürchtsam schmeichelnd,
»gönnet mir, die Nacht hier zuzubringen,
und zeigt nach der Stadt, ich werd' Euch danken,
morgen früh mir die gewissen Wege.«

»Kommt herein,« versetzt der Unbekannte,
»wärmt Euch; noch ist Feuer in der Hütte!«
Und er führt ihn auf das Binsenlager,
schreitet finster trotzig in den Winkel,
holt den Rest von seinem Abendmahle,
Hummer, Lachs und frischen Bärenschinken,
um den späten Fremdling zu bewirten.
Mit dem Hunger eines Weidmanns speiste,
festlich wie bei einem Klosterschmause,
neben seinem Wirt der Europäer.
Fest und ernsthaft schaute der Hurone
seinem Gaste spähend auf die Stirne,
der mit tiefem Schnitt den Schinken trennte
und mit Wollust trank vorn Honigtranke,
den in einer großen Muschelschale
er ihm freundlich zu dem Mahle reichte.
Eine Bärenhaut auf weichem Moose
war des Pflanzers gute Lagerstätte,
und er schlief bis in die hohe Sonne.

Quelle: Gutenberg-Spiegel-Projekt

 

 

 

 

 

Wer war Johann Gottfried Seume?

Geboren am 29.1.1763 in Poserna/Sachsen; gestorben am 13.6.1810 in Teplitz/Böhmen.

Der Sohn eines verarmten Bauern begann auf Wunsch des Grafen Hohenthal-Knauthain im Herbst 1780 ein Theologiestudium in Leipzig, geriet dabei in eine religiöse Krise und wollte im Juni 1781 nach Frankreich fliehen, fiel aber Werbern des Landgrafen von Hessen-Kassel in die Hände und wurde an England für den Kampf in den aufständischen amerikanischen Kolonien verkauft. Er wurde zwar 1782 über den Atlantik transportiert, es kam aber nicht mehr zu Kampfhandlungen und er kam 1783 nach Bremen zurück. Bei einem Fluchtversuch geriet er an preußische Werber, die ihn in ein Lager nach Emden brachten. Nach weiteren Fluchtversuchen wurde er zu zwölfmaligem Spießrutenlaufen verurteilt, am Ende jedoch gegen Kaution freigelassen.

Ab Herbst 1787 studierte er erneut mit Förderung des Grafen Hohenthal in Leipzig Jura, Philosophie, Altphilologie und Geschichte. 1791 erwarb er den Magistergrad und habilitierte sich 1792. 1790-92 war er Hofmeister eines livländischen Grafen, dann Sekretär und Adjutant seines Onkels, des russischen Generals Igelström; mit ihm ging er nach Rußland, dann nach Warschau, wo er zum Leutnant befördert wurde. 1794 geriet er während des polnischen Aufstandes in Gefangenschaft; anschließend kehrte er nach Leipzig zurück, wo er als Hauslehrer lebte.

Nach einer vierjährigen Tätigkeit als Lektor im Göschen-Verlag brach er Ende 1801 zu einer Fußwanderung nach Sizilien auf; der Rückweg führte ihn auch nach Paris. Anschließend war er wieder Hauslehrer. 1805 bereiste er Polen, Rußland, Finnland, Schweden und Dänemark.


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