Gedichte für den Deutschunterricht

Lyrik-Einheit Jahrgang 9 - 2009

Mit manchen Gedichten muss man sich ein bisschen aufhalten und
manchmal erst herausfinden, was schön daran ist.
Solange sie nämlich Mühe machen, verfallen sie nicht. (Brecht)

Weihnachtsgedichte
Frühlingsgedichte

Andere Gedichtsammlungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten
Vermischte weitere Gedichte

Weihnachten
Hier findet ihr einige Weihnachtsgedichte - leichtere, schwerere, kürzere. längere... - und einige Adressen, unter denen ihr noch viel mehr Weihnachtsgedichte findet: kürzere, längere, schwierigere, leichtere...An der  - teils alten - Rechtschreibung habe ich nichts geändert - nicht irre machen lassen....

"Weihnachten"

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)
 

Verse zum Advent

(Theodor Fontane)
Noch ist Herbst nicht ganz entfloh´n,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns hernieder sah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
 

Ach Kindlein

Ach Kindlein,
mach uns alle
hier
deines Heils gewiß,
denn draußen
vor dem Stalle
ist lauter
Finsternis.
Nimm alles,
was wir haben,
nimm unsre Schuld,
laß unser Herz
sich laben
an deiner
Gotteshuld!

Heinrich Vogel (1902 - 1989)
 

Anbetung

Wir sind mit unserer Königsmacht
schwermütig hergeritten.
Es schneite auf uns Tag und Nacht,
auf Mann und Pferd und Schlitten.

Die Tür geht auf, es summt der Wind,
wir beugen unsern Rücken,
da wir die Krippe und das Kind
im Dämmerlicht erblicken.

Hier ist das Gold, der Weihrauch hier
und hier, o Kind, die Myrrhen.
Du lächelst, und schon fühlen wir,
wie wir uns ganz verwirren.

Wir haben anders dich geglaubt.
Nun treten wir ins Dunkel
und heben ab von unserm Haupt
der Kronen Goldgefunkel.

Das Wissen von der bunten Welt,
vom Meer und seinen Häfen,
von Mond und Stern am Himmelszelt,
wir streifen's von den Schläfen.

Das Ich, das trotzig sich erschuf
Über den andern allen,
will nun wie ein verlorner Ruf
im Innersten verhallen.

Wir neigen unsers Alters Gram
auf deine kleinen Hände.
Und in dem Neigen wundersam
geht alle Not zu Ende.

Die Pferde drauen schütteln sich
und klirren mit den Glocken.
Und lautlos fallen Strich an Strich
darüberhin die Flocken.

Manfred Hausmann (1898 - 1986)

 

"Wiegenlied"

Hier unterm Turme
hier wehet kein Wind,
hier betet die Mutter
und wieget ihr Kind,
und hat von der Wiege
zur Krippe ein Band
von Glaube und Hoffnung
und Liebe gespannt.

Weit über die Meere
die Sehnsucht sie spinnt,
dort sitzet Maria
und wieget ihr Kind,
die Engel, die Hirten,
drei König und Stern
und Öchslein und Eslein
erkennen den Herrn.

Wohl über dem Monde
und Wolken und Wind
mit Zepter und Krone
steht Jungfrau und Kind.
Hier unten ward's Kindlein
am Kreuz ausgespannt,
dort oben wiegt's Himmel
und Erd auf der Hand.

Komm mit, lass uns fliegen
zu Maria geschwind,
kommt mit! und lern biegen
dein Knie vor dem Kind,
komm mit! schnür dein Bündlein,
schon führet die Hand
Maria dem Kindlein,
es segnet das Land.

Clemens von Brentano (1778 - 1842)
 

"Vom Christkind"

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise,ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Ãpfeln und Nüssen!

Anna Ritter (1865-1921)
 

"Weihnachtszeit"

O schöne, herrliche Weihnachtszeit!
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freuen und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
 

"Die heil'gen Drei Könige"

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
die Könige zogen weiter,
sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus,
da sind sie hineingegangen;
das Öchslein brüllt, das Kindlein schrie,
die heil'gen Drei Könige sangen.

Heinrich Heine (1797-1856)
 

"Knecht Ruprecht"

Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor;
Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
- "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern."
- "Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach:" So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier innen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Theodor Storm (1817-1888)


Die voran stehenden Gedicht stammen von hier:
http://www.delernen.de/mwbrauch/weihgedi.htm#An
... und da sind noch viel mehr....

 

Ich wünsch mir was!

 Ich wünsch mir was!

Was ist denn das?

Das ist ein Schloss aus Marzipan

Mit Türmen aus Rosinen dran

Und Mandeln an den Ecken,

Ganz zuckersüß und braungebrannt

Und jede Wand aus Zuckerkand:

Da kann man tüchtig schlecken!

Und Diener laufen hin und her

Mit Saft und Marmelade,

Und drinnen, in dem Schlosse drin,

Sitzt meine Frau, die Königin,

Die ist aus Schokolade!

 

Krippenlied

Über der Hütte weht der Wind,

Wo Josef und Maria sind.

In den Ritzen Heu und Stroh,

Und die beiden so wunderfroh.

 

In dem allerärmsten Haus

Geht ein Glanz von dem Kinde aus,

Das in dieser seligen Nacht

In der Krippe liegt und lacht.

 

Am Tag vor Weihnachten

(Bruno Horst Bull)

Nur noch einmal wird es dunkel,
nur noch einmal wird es Nacht.
Wird es wieder Abend werden,
hat Knecht Ruprecht was gebracht.

Aus dem Walde wird er kommen,
wo verschneite Tannen steh´n,
und sechs große zahme Hirsche
sind vor dem Gefährt zu sehn.

Glocken klingen, und der Schlitten
ist bis obenhin bepackt.
Ach, was hat der gute Alte
für die Kinder eingesackt!

Äpfel, Nüsse und Rosinen,
Kuchen, Kekse, Marzipan,
Engelshaar und Mandarinen,
Hampelmann und Eisenbahn.

Weiß du noch vom letzten Jahre,
als der Tannenbaum gebrannt,
wie es war, als lang erwartet
in der Tür Knecht Ruprecht stand?

Nur noch einmal wird es dunkel,
nur noch einmal wird es Nacht.
Wird es wieder Abend werden,
hat Knecht Ruprecht was gebracht.

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,

was im Ofen bratet!

Hört, wies knallt und zischt.

Bald wird er aufgetischt,

der Zipfel, der Zapfel,

der Kipfel, der Kapfel,

der gelbrote Apfel.

 

Kinder, lauft schneller,

holt einen Teller,

holt eine Gabel!

Sperrt auf den Schnabel

Für den Zipfel, der Tapfel,

den Kipfel, den Kapfel,

den goldbraunen Apfel.

 

Sie pusten und prusten,

sie gucken und schlucken,

sie schnalzen und schmecken,

sie lecken und schlecken

den Zipfel, den Zapfel,

den Kipfel, den Kapfel,

den knusprigen Apfel.
 

Es gibt so wunderweiße Nächte

Rainer Maria Rilke

Es gibt so wunderweiße Nächte,

Drin alle Dinge Silber sind.

Da schimmert manchen Stern so lind,

Als ob er fromme Hirten brächte

Zu einem neuem Jesuskind.

 

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube

Bestreut, erscheinen Flur und Flut,

Und in die Herzen, traumgemut,

Steigt ein kapellenloser Glaube,

Der leise seine Wunder tut.
 

Im Stall zu Bethlehem

Im Weihnachtsstall zu Bethlehem,

da war es schrecklich unbequem.

Der Wind blies rau und eisig kalt

durch jeden Tür- und Bretterspalt.

Maria, Josef und das Kind,

die zitterten im Winterwind.

Fünf Schafe kamen von dem Feld

und haben sich dazugestellt.

Schnell rückten alle dicht an dicht,

so fühlte man die Kälte nicht.


Oh schöne, herrliche Weihnachtszeit

Heinrich Hoffmann von Fallersleben


Oh schöne, herrliche Weihnachtszeit,

was bringst du Lust und Fröhlichkeit!

Wenn der heilige Christ in jedem Haus

teilt seine lieben Gaben aus.

 

Und ist das Häuschen noch so klein,

so kommt der heilige Christ hinein,

und alle sind ihm lieb wie die Seinen,

die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.

 

Der heilige Christ an alle denkt,

ein jedes wird von ihm beschenkt.

Drum lasst und freu´n und dankbar sein!

Er denkt auch unser, mein und dein.
 

Katzenweihnacht

Edith Schreiber-Wicke

Glitzerfäden fein zu fangen.

Auch zu fressen?

Weiß nicht recht.

Mir wird schlecht.

Bunter Ball an Silberschnur

hängt am Baum.

Bleibt er dort?

Glaub ich kaum.

Kann er hüpfen?

Kann er nicht!

Rollt ein Stück

und zerbricht.

Kletterbaum mit grünen Nadeln,

Stern im Wipfel

nicht noch sacht.

Bin ich  müde:

Stille Nacht.


Weihnacht

Theodor Storm

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

Ein milder Stern herniederlacht;

Vom Tannenwalde steigen Düfte

Und hauchen durch die Winterlüfte,

Und kerzenhelle wird die Nacht.

 

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

Das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

Mich lieblich heimatlich verlocken

In märchenstille Herrlichkeit.

 

Ein frommer Zauber hält mich wieder.

Anbetend, staunend muss ich stehn;

Es sinkt auf meine Augenlieder

Ein goldner Kindertraum hernieder,

Ich fühl´s: Ein Wunder ist geschehen.
 

Der Traum 

(Hoffmann von Fallersleben)

Ich lag und schlief; da träumte mir

Ein wunderschöner Traum:

Es stand auf unserm Tisch vor mir

Ein hoher Weihnachtsbaum.

 

Und bunte Lichter ohne Zahl,

die brannten ringsumher;

die Zweige waren allzumal

von goldnen Äpfeln schwer.

 

Und Zuckerpuppen hingen dran;

Das war mal eine Pracht!

Da gab's, was ich nur wünschen kann

Und was mir Freude macht.

 

Und als ich nach dem Baume sah

Und ganz verwundert stand,

nach einem Apfel griff ich da,

und alles, alles schwand.

 

Da wacht´ ich auf aus meinem Traum,

und dunkel war's um mich.

Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,

sag an, wo find´ ich dich?

 

Du war es just, als rief er mir:

„Du darfst nur artig sein;

dann steh´  ich wiederum vor dir;

jetzt aber schlaf nur ein!

 

Und wenn du folgst und artig bist,

dann ist erfüllt dein Traum,

dann bringet dir der Heil'ge Christ,

den schönsten Weihnachtsbau.“

Diese Gedichte stammen von hier:
http://helena.ludwig.name/Weihnachten%20Advent/weihnachtsgedichte.htm
 

 

... und auch hier gibt es noch viele, viele mehr....
Und ganz wunderschöne gibt es bei der Bunten Kuh:
 

http://www.blinde-kuh.de/weihnachten/gedichte/
.. und hier kann man auch noch mal nachschauen:
http://www.geocities.com/Paris/Tower/6504/wgedichte.html

 

Frühlingsgedichte
   
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Mörike, Eduard (1804-1875)
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
Da grünt und blüht es weit und breit
Im goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,
Das Bächlein rauscht zu Tal,
Es grünt die Saat, es blinkt der See
Im Frühlingssonnenstrahl.
Die Lerchen singen überall,
Die Amsel schlägt im Wald!
Nun kommt die liebe Nachtigall
Und auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,
Da stimmen froh wir ein:
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?

Droste-Hülshoff, Annette von (1797-1848)
   
Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.

Hugo von  Hofmannsthal
(1874-1929)
Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - da wußt' ich genug!

Heinrich Seidel
 

 

 

 

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängts schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mirs doch, als könnts nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagens,
Und in Träumen rauschts der Hain,
Und die Nachtigallen schlagens:
Sie ist Deine, sie ist dein!

Joseph von Eichendorff

   
Der Frühling weiß zu finden
Mich tief in Stadt und Stein,
Giesst mir ins Herz den linden
Fröhlichen Hoffnungsschein.

Manch' grüne Wipfel lauschen
Zwischen den Dächern vor,
Ein Lerchenklang durch's Rauschen
Der Stadt schlägt am mein Ohr.

Ein Schmetterling als Bote
Flattert im Wind vorbei,
Hinschwebend über das tote
Steinerne Einerlei.

Heinrich Seidel (1842-1906)
Lob auf den Frühling

Frühling ist Erwachen,
Wärme, Jubel, Kinderlachen.
Sonnenschein, warm auf der Haut,
Schnee, fast gänzlich weggetaut.
Himmelsbläue, hoch gespannt,
klare Sicht, bis weit ins Land.

Vögel, froh, voll Übermut,
zwitschern... Ach, es klingt so gut!
Weiße Wolken langsam zieh`n,
erste Blumen herrlich blüh`n.
Hoffnungsschwanger, in der Luft
liegt ein ganz besondrer Duft.

Knospenfülle, Fröhlichkeit...
Herrlich! Das ist Frühlingszeit!

Annette Andersen
   
Der Strauß

Der Strauß, den ich gepflücket,
Grüße dich vieltausendmal!
Ich hab mich oft gebücket,
Ach, wohl eintausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Frühlings Ankunft
Grüner Schimmer spielet wieder
Drüben über Wies' und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.
Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.
Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.
Nur die Veilchen schüchtern wagen
Aufzuschau'n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
»Sollt' es denn schon Frühling sein?«
Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!
Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud' und Lust -
Nun, so soll's auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874)

 

Der Osterspaziergang


Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

Weitere Quellen:

Autoren-Gedichte
Gedichte im Spiegel-Gutenberg-Projekt
Wachsende Gedichtsammlung
Gedichte bei zzzzzebra Netz
Literarische Epochen mit historischem Hintergrund (Gedichte.com)
Lyrik - W. Curlin: (Links "Literarische Epochen"!)

 

Hoffm. v. Fallersleben Sehnsucht nach dem Frühling
H. v. Hofmannsthal Vorfrühling
J. v. Eichendorff Entschluss
J. v. Eichendorff Schneeglöckchen
J. v. Eichendorff Frühlingsnacht
J. W. v. Goethe März
Ludwig Uhland Frühlingsglaube
Hoffm. v. Fallersleben Frühlingsbotschaft
Hoffm. v. Fallersleben Frühlings Ankunft
Hoffm. v. Fallersleben Winter ade!
Hermann Löns Frühling
E. Mörike Er ist's
   
Volkslied Nun will der Lenz uns grüßen
P. Gerhardt Geh aus, mein Herz
Th. Fontane Frühling
C. A. Overbeck [Komm, lieber Mai, und mache ...]
E. Geibel Der Mai ist gekommen
Hermann Löns Alle Birken grünen in Moor und Heid'
Ludwig Hölty Frühlingslied
R. v. Wilpert Nur einmal bringt des Jahres Lauf
Th. Storm Die Nachtigall
Th. Storm Abseits
   
Naturgedichte Weitere Frühlingsgedichte
Quelle: http://handmann.phantasus.de/fruehlged2fr.html

Weitere Themengruppen von Gedichten - zum fröhlichen Gebrauch...da ist auch viel Mist dabei, aber Gutes von Mäßigem zu unterschieden, dass müsst ihr ohnehin lernen...
 

  Frühlingsgedichte
Sommergedichte
Herbstgedichte
Wintergedichte

 
  Valentinstagsgedichte
Muttertagsgedichte
Hochzeitsgedichte
Geburtstagsgedichte

 
  Freundschaftsgedichte
Liebesgedichte
Abschiedsgedichte
Trauergedichte

 
Quelle: http://www.dulzinea.de/fruehlingsgedichte.htm

Weitere Sammlungen nach Themen gruppiert:
Unendlich viel mehr schöne, langweilige, kitschige und sonstige Frühlingsgedicht findest du, wenn du einfach "Frühlingsgedichte" in eine Suchmaschine eingibst...!
 
Vermischte weitere Gedichte
 

Weil's jeden treffen kann
Wenn einer ungerecht
behandelt wird,

steh' ich ihm bei.
Wenn einer fällt,
helf' ich ihm auf.
Wenn einer weint,
dann tröst' ich ihn.
Weil
ich vielleicht mal
einen brauch', der
beisteht,
aufhilft,
tröstet.

Alexander Schneider, 11 Jahre - Preisträger des Kinder- und Jugendwettbewerbs
"Ein Buch für Anne Frank" hat dieses Gedicht geschrieben. Es
sollte für unseren Umgang miteinander eine Richtschnur sein. Man kann sich auch dem Motto "Fair geht vor!" verpflichtet fühlen.

 

Irmela Bender hat es so formuliert:

Ich bin ich und du bist du.
Wenn ich rede, hörst du zu.
Wenn du sprichst, dann bin ich still,
weil ich dich verstehen will.
Wenn du fällst, helf’ ich dir auf
und du fängst mich, wenn ich lauf’.
Wenn du kickst, steh ich im Tor,
pfeif’ ich Angriff, schießt du vor.
Spielst du pong, dann spiel ich ping
und du trommelst, wenn ich sing’.

Allein kann keiner diese Sachen,
zusammen können wir viel machen.
Ich mit dir und du mit mir –
das sind wir.

 
Hey, nimm mich mit auf die Reise

Daniel, der Autor dieses Gedichts, ist 8 Jahre alt und möchte mit seinem Lied "Hey...nimm mich mit auf die Reise..." helfen, dass Kinder mit Rechtschreibproblemen Anerkennung und Beachtung in unserem Bildungssystem erhalten.

Hier kannst du es hören!

Hey, nimm mich mit auf die Reise,
die Reise durch unser Bildungssystem,
im Unterricht bin ich oft ganz leise,
keiner, keiner will mich verstehen.

Hey, hey, nimm mich mit auf die Reise,
bin neugierig und ganz gespannt,
aufs Papier male ich oft nur Kreise,
bei Wörtern blockiert meine Hand.

Refrain: Ich weiß, was ich will, und weiß, was ich kann,
ich bin so schlau wie du,
wenn ich spreche und denke, ist alles ok,
wenn ich schreibe - oh je!

Refrain: Ich weiß, was ...

Hey, nimm mich mit auf die Reise,
denn auch ich will an das ferne Ziel,
die anderen denken, ich habe eine Meise,
deshalb lerne ich immer ganz viel.

Hey, hey, nimm mich mit auf die Reise,
ich fahre mit dem gleichen Zug,
und bist du auch noch so weise,
von Belehrungen habe ich genug!

Refrain: Ich weiß, was ...
Refrain: Ich weiß, was ...

Hey, hey, hey, nimm mich mit auf die Reise
und versuche mich doch zu verstehen,
wir drehen uns sonst nur im Kreise,
und es wird niemals vorwärts gehen!

Refrain: Ich weiß, was ...
Refrain: Ich weiß, was ...

Hör mal, was ich sage, dann weißt du, was ich weiß!

Dieses Lied ist Kindern gewidmet,
die Probleme bei der Rechtschreibung haben.
 
 
Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse

 
 
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